Rondò für Sopran „Al desio, di chi t’adora“ in F-Dur (K. 577)
볼프강 아마데우스 모차르트 작

Mozarts Al desio, di chi t’adora (K. 577) ist ein eigenständiges Sopran-Rondò mit Orchester, das er im Juli 1789 in Wien vollendete und das als alternative „Susanna-Arie“ zu Le nozze di Figaro gedacht ist. Neben der vertrauten Serenade aus dem vierten Akt von Figaro wird es oft übersehen; dabei ist es eine Miniaturszene von theatralischer Souveränität, deren besondere Klangfärbung—vor allem die dunklen, milden Bläserfarben—zeigt, wie Mozart mit 33 Jahren seine Opernpalette noch weiter verfeinerte.
Hintergrund und Kontext
Mozarts Al desio, di chi t’adora gehört zu jener kleinen, aber aufschlussreichen Gruppe von Ersatznummern, die er für Wiener Wiederaufnahmen seiner Opern schrieb—Stücke an der Schnittstelle zwischen „Oper“ und „Konzertarie“. Das Köchel-Verzeichnis ordnet es ausdrücklich Le nozze di Figaro (K. 492), „zweite Fassung“, zu und datiert es auf Wien, Juli 1789 [1]. Mit anderen Worten: Es handelt sich nicht um ein abstraktes Salon-Rondò, sondern um Bühnenmusik, die für einen konkreten, praktischen Bedarf des Theaters entworfen wurde.
Neuere Forschung und Aufführungstradition bringen K. 577 mit der Wiener Wiederaufnahme von Figaro 1789 in Verbindung, bei der Susannas berühmte Akt-IV-canzonetta „Deh vieni, non tardar“ durch dieses alternative Rondò ersetzt wurde [2]. Dieser Kontext ist wichtig, denn K. 577 setzt Susannas „Warten im Garten“ neu ins Licht: Die emotionale Temperatur wirkt weniger volkstümlich und intim, dafür virtuoser und stärker auf Öffentlichkeit hin ausgerichtet—näher am spät-18.-Jahrhundert-Geschmack für glänzende Prima-donna-Demonstration.
Dass das Stück nicht überall berühmt ist, liegt auch daran, dass es heute in Figaro selten szenisch verwendet wird: Es unterbricht eine dramatische Situation, die Mozart 1786 bereits vollkommen gelöst hatte. Doch gerade weil es eine „optionale“ Nummer ist, führt K. 577 seit Langem ein Doppelleben als Konzertstück—für Sängerinnen nützlich und für Hörerinnen und Hörer aufschlussreich als Blick darauf, wie Mozart sein eigenes Theater neu denken konnte.
Text und Komposition
Das Werk ist ein Rondò mit Rezitativ (Rondò con recitativo), überliefert im Umfeld der Figaro-Anhangstradition; der Werkartikel des Mozarteums dokumentiert mehrere frühe Abschriften und Drucke, darunter eine Quellenbeschreibung, die die Besetzung darlegt und das Stück als „für Signora Ferrarese“ (Adriana Ferraresi del Bene) komponiert ausweist [1]. Ferraresis Name taucht in Diskussionen der Arien zur Wiederaufnahme von 1789 häufig auf und erklärt mit, warum das Stück ein ausgeprägteres, kunstvolleres vokales Profil hat.
Die Autorschaft des italienischen Textes ist nicht gesichert. In Programmheftliteratur wird Lorenzo Da Ponte (der Librettist des ursprünglichen Figaro) oft als plausible Möglichkeit genannt, allerdings mit Vorsicht—eine Zuschreibung, die man eher als Vermutung denn als Tatsache formulieren sollte [2]. Mit Sicherheit lässt sich sagen, dass das Rezitativ „Giunse alfin il momento“ in der Konzertaufführung eine plausible theatralische Hinführung zum Rondò bietet und damit die Funktion von Susannas ursprünglicher Vorbereitung im vierten Akt von Figaro spiegelt [2].
Musikalischer Charakter
K. 577 ist innerhalb von Mozarts Sopran-Scena-Repertoire besonders durch seine instrumentale Farbigkeit und seine hybride dramatische Haltung: halb nach innen gewandtes Bekenntnis, halb opernhafte Zurschaustellung. Eine über den Mozarteum-Katalog überlieferte Quellenbeschreibung nennt eine besonders aufschlussreiche Orchestrierung—zwei Violinen, Viola und Basso sowie zwei Bassett-Hörner in C, zwei Fagotte und zwei Hörner in F [1]. Die Wahl der Bassett-Hörner (mit ihrer verschleierten, warmen Klarinettenfamilien-Farbe) verschiebt den Klangraum sofort weg vom helleren Serenadenstil des Figaro; sie verweist vielmehr auf Mozarts späte Faszination für milde Klarinettenklänge und deren expressive „Dämmerungs“-Schattierungen.
Vokal verlangt das Rondò geschmeidiges Cantabile und bewegliche Passagenarbeit, doch seine Wirkung ist nicht bloß Virtuosität. Mozart lässt die Sängerin zwischen Erwartung und Dringlichkeit schweben—eine Opernpsychologie, die eher in Phrasierung und orchestraler Antwort als in Bühnenaktion gestaltet wird. Neben den bekannteren Figaro-Ersatznummern (etwa Susannas Akt-II-Ersatzarie Un moto di gioia, K. 579) verdient K. 577 Aufmerksamkeit als Beleg für Mozarts fortgesetztes Experimentieren im Jahr 1789: Selbst beim Wiederaufsuchen älteren Theaters fand er noch neue Gleichgewichte zwischen Charakter, vokalem Glanz und instrumentaler Einbildungskraft.
[1] Köchel-Verzeichnis (Mozarteum) work entry for KV 577: dating (Vienna, July 1789), status, transmission, and source descriptions including scoring and connection to Figaro (second version).
[2] Boston Baroque program note on K. 577: composed for the 1789 Vienna Figaro revival; replacement for “Deh vieni, non tardar”; discussion of context, and cautious note on uncertain text authorship.