K. 537

Klavierkonzert Nr. 26 in D-Dur, „Krönungskonzert“

par Wolfgang Amadeus Mozart

Die erste Seite des Autographs von Mozarts Klavierkonzert Nr. 26, KV 537, in Mozarts Handschrift.
Die erste Seite des Autographs von Mozarts Klavierkonzert Nr. 26, KV 537, in Mozarts Handschrift.

Entstehung & Kontext

Wolfgang Amadeus Mozart vollendete sein Klavierkonzert Nr. 26 in D-Dur, K. 537 am 24. Februar 1788[1]. Dies war sein vorletztes Klavierkonzert, geschrieben in seinen späten Wiener Jahren, als die öffentliche Nachfrage nach seinen Konzerten nachließ und seine Finanzen angespannt waren[2][3]. Tatsächlich hatte Mozart vorgesehen, dieses Konzert in Wien während der Fastenkonzertsaison 1788 vorzustellen, doch die Reihe kam nicht zustande; es gibt keinen Nachweis einer öffentlichen Wiener Aufführung von K.537 zu Mozarts Lebzeiten[4].

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Der gängige Beiname „Krönung“ stammte nicht von Mozart selbst. Er wurde von einem Verleger hinzugefügt (vermutlich als Marketingmaßnahme), um Kapital daraus zu schlagen, dass Mozart dieses Konzert während der Feierlichkeiten zur Krönung Kaiser Leopolds II. im Oktober 1790 gespielt hatte[5]. Mozart war für die Krönungsfeierlichkeiten nicht offiziell engagiert, organisierte jedoch am 15. Oktober 1790 in Frankfurt (auf eigene Kosten) ein eigenes Konzert, bei dem er dieses Konzert zusammen mit einem früheren D-Dur-Konzert (Nr. 19, K.459) spielte[6][7]. Die Verbindung mit diesem höfischen Anlass verschaffte K.537 seinen dauerhaften Beinamen „Krönung“.

Besetzung

Mozart besetzte das Konzert für Soloklavier und ein klassisches Orchester mit:

Holzbläser: 1 Flöte, 2 Oboen, 2 Fagotte

Blechbläser: 2 Hörner, 2 Trompeten

Schlagwerk: Pauken (in D und A)

Streicher: Violinen, Bratschen, Violoncelli und Kontrabässe
[8][9]

Diese volle, festliche Orchestrierung – mit Trompeten und Pauken – verleiht dem Konzert einen hellen, zeremoniellen Charakter, der zu seinem Beinamen passt. (Zum Vergleich setzte Mozart keine Klarinetten ein, und die Holzbläser stützen vor allem die Harmonik; die D-Dur-Tonart, mit ihren traditionellen militärischen und festlichen Assoziationen, war eine passende Wahl für höfische Feierlichkeiten[10].)

Form & musikalischer Charakter

Mozarts Klavierkonzert Nr. 26 folgt der konventionellen Dreisätzigkeit schnell–langsam–schnell: I. Allegro (D-Dur); II. Larghetto (A-Dur); III. Allegretto (D-Dur)[11]. Der erste Satz steht in einer angepassten Sonatenhauptsatzform, wie sie für Mozarts Konzerte typisch ist, häufig beschrieben als „Konzert-Ritornell“ oder Doppel-Expositionsform[12]. Er beginnt damit, dass das Orchester die Hauptthemen vorstellt (ein feierliches, fanfarenartiges erstes Thema und ein fließendes zweites), bevor das Klavier mit einer eigenen Exposition dieser Gedanken einsetzt[13]. Der Satz weist eine relativ lockere, episodische Anlage nach Mozarts Maßstäben auf: Die Orchesterexposition enthält mehrere verbindende Passagen, die die Melodie stärker gewichten als kräftige Tonartenmodulationen, woraus ein freierer, galant Fluss der Ideen[14]. Dieser Ansatz „lockert“ das harmonische Gerüst, und anstelle eines intensiven tonalen Dramas bietet Mozart reichlich virtuose Figuration für das Klavier, darunter schnelle Tonleitern, Arpeggien und eine improvisierte Kadenz kurz vor dem Schluss[15][16]. Die Grundstimmung ist brillant und festlich, mit einer anmutigen Rokoko -Eleganz, die das Werk dem Publikum unmittelbar zugänglich und gefällig machte[17].

Der zweite Satz, Larghetto in A-Dur, bietet einen sanften Kontrast. Es ist ein lyrischer langsamer Satz in dreiteiliger (ABA-)Form[18]. Das Klavier stellt ein zartes, sangliches Thema vor, das Orchester und Solist anschließend dialogisch ausarbeiten. Die Textur ist hier intim und ausdrucksvoll und hebt Mozarts melodische Begabung sowie seine subtilen Verzierungen hervor. Ein kontrastierender Mittelteil in Moll oder mit abgewandeltem Charakter sorgt für etwas Spannung, bevor das Anfangsmaterial zurückkehrt und den Satz mit zurückhaltender Wärme beschließt.

Der Finalsatz, Allegretto, kehrt nach D-Dur zurück und ist in einer Rondo-Form mit Sonatenelementen – im Wesentlichen ein Sonatenrondo -Anlage[19]. Sein schwungvolles Hauptthema (Abschnitt „A“) wechselt wiederholt mit dazwischengeschalteten Episoden (B, C usw.) im Muster ABACBA ab – eine für Mozarts späte Konzertfinali typische Anlage[19]. Dieser Satz hat einen leichten, spielerischen Charakter und bietet zahlreiche temperamentvolle, Bravourpassagen für den Solisten. Klavier und Orchester treten in lebhafte Wechselspiele, und das Konzert endet mit einem brillanten Schlusspunkt.

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Besonderheiten: Ungewöhnlich ist, dass Mozart die Soloklavierstimme nicht vollständig ausschrieb in seinem Autograph zu diesem Konzert. Große Teile der Begleitung der linken Hand – einschließlich des gesamten Larghetto-Satzes – ließ Mozart in der Partitur leer[20]. Er dürfte diese einfachen Alberti-Bässe und Harmonien während der Aufführung improvisiert haben – ein Zeugnis seiner Meisterschaft als Tastenkünstler. (Als das Konzert 1794 erstmals veröffentlicht wurde, ergänzte der Herausgeber Johann André die fehlenden linken Stimmen im Druck[21].) Bemerkenswert ist auch, dass in Mozarts Autograph die Tempobezeichnungen für den zweiten und dritten Satz fehlen (die Bezeichnungen „Larghetto“ und „Allegretto“ wurden später von anderer Hand hinzugefügt)[22]. Diese Eigenheiten legen nahe, dass Mozart K.537 in erster Linie für den eigenen Konzertgebrauch vorbereitete und auf seine Spontaneität setzte, um die Details in Echtzeit zu vervollständigen. Dadurch nimmt das „Krönungs“-Konzert in Mozarts Schaffen eine Sonderstellung ein: Es ist das einzige, bei dem so viel der Solostimme der Ausfüllung durch den Interpreten überlassen blieb[20].

Stilistisch hebt sich das Konzert etwas von Mozarts anderen späten Wiener Konzerten ab. Es hat einen leichteren, höfischen Charakter und stellt liedhaften Reiz und virtuose Brillanz über die stärker integrierte symphonische Entwicklung, die sich in einigen seiner früheren Meisterwerke findet. Manche Analytiker haben bemerkt, dass K.537 weniger auf strenger harmonischer Spannung beruht und stärker auf „melodischen Fortgang“, um seine Sätze zu formen, und es sogar als „vorromantisch“ wegen seiner Betonung von Virtuosität um ihrer selbst willen[23]. Anders gesagt, stellt Mozart hier den Solisten in einer brillanten, fast schaustückhaften Manier heraus, die die romantische Konzertauffassung des 19. Jahrhunderts vorwegnimmt – freilich innerhalb eines klassischen Rahmens.

Rezeption und Nachwirkung

Zeitgenössische Rezeption: In Mozarts Zeit wurde das D-Dur‑„Krönungskonzert“ sehr wohlwollend aufgenommen. Das Wiener und kaiserliche Publikum schätzte seine Schönheit, den anmutig galanten Stil und die unbeschwerte Brillanz[17]. Der festliche Ton des Werks und seine klaren, liebenswürdigen Themen fanden leicht Anklang; es war weder so intensiv noch so komplex wie einige von Mozarts anderen Konzerten, was es für ein breites Publikum sofort attraktiv machte. Mozart selbst fand Gelegenheiten, es bei prestigeträchtigen Anlässen aufzuführen (wie erwähnt, in Dresden und Frankfurt), was darauf hindeutet, dass es ein Schaustück war, auf das er setzte, um die Zuhörer zu beeindrucken.

Kritische Einschätzung und Popularität: Im Laufe der Zeit hat sich der Ruf des Konzerts gewandelt. Im gesamten 19. Jahrhundert, gehörte K.537 tatsächlich zu Mozarts berühmtesten Klavierkonzerten – es wurde häufig aufgeführt und vom Publikum geliebt. Noch 1935 konnte der Musikwissenschaftler Friedrich Blume es „das bekannteste und am häufigsten gespielte“ unter all Mozarts Konzerten nennen[24]. Allerdings Kritiker des 20. Jahrhunderts wurden ambivalenter. Viele Gelehrte und Kenner stuften das „Krönungskonzert“ etwas unter Mozarts Dutzend früherer Wiener Konzerte (Nr. 14–25) oder sein letztes Konzert (Nr. 27) ein und kritisierten K.537 wegen einer aus ihrer Sicht einfacheren, weniger tiefgründigen musikalischen Struktur[25]. Die Orchesterbehandlung ist vergleichsweise schlicht (die Bläser verdoppeln meist die Streicher), und es gibt beträchtliche Wiederholungen, was einige dazu veranlasste, das Stück als brillant, aber oberflächlich. Der bedeutende Mozart‑Biograf Alfred Einstein etwa bewunderte den unbeschwerten Charme des Konzerts, meinte jedoch, „so sehr es auch mozartisch“ und „brillant und liebenswürdig“ sei, es „drückt nicht das Ganze oder auch nur die Hälfte von Mozart aus“ – was nahelegt, dass dem Werk die volle Tiefe und Innovationskraft von Mozarts größten Kompositionen fehlt[26]. In Einsteins pointierter Formulierung „hat Mozart darin sich selbst imitiert“[26], was eher auf die Umarbeitung vertrauter Formeln als auf kühne neue Inspiration hindeutet.

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Andererseits moderne Interpreten und Musikwissenschaftler haben zu einer Neubewertung des „Krönungskonzerts“ aufgerufen. Heutige Mozart‑Autoritäten vertreten unterschiedliche Sichtweisen: Einige sehen es weiterhin als rückschrittlich oder im Vergleich zu seinem Höhepunkt der 1780er‑Jahre als altmodisch, andere hingegen argumentieren, dieses Konzert sei in Wahrheit innovativ auf seine Weise[27]. Sie verweisen auf seine neuartigen Merkmale – die Fülle an virtuoser Klavierschreibweise, das Experimentieren mit Form und den entspannten, weiträumigen Umgang mit Melodie – als Beleg dafür, dass Mozart neue Wege erkundete, vielleicht das romantische Konzert-Idiom[28]. In den letzten Jahrzehnten ist das Werk ein fester Bestandteil des Mozart‑Repertoires[29]. Es wird regelmäßig programmiert und aufgenommen, und viele Pianisten haben sich für seine Vorzüge eingesetzt. Bemerkenswerterweise hat die gefeierte Mozart‑Interpretin Mitsuko Uchida (im Einklang mit Dirigent Sir Colin Davis) das Konzert K.537 als ein „unterschätztes Meisterwerk“ bezeichnet – eines, dessen funkelnde Oberfläche mehr Feinheiten verbergen könnte, als zunächst scheint[30]. Tatsächlich begeistert das „Krönungskonzert“ trotz früherer Kritik weiterhin gleichermaßen heutiges Publikum und Interpreten – ein Werk von brillantem Charme und zeremonieller Pracht, das unter Mozarts Konzerten weiterhin einen besonderen Platz einnimmt.

Quellen:

Mozart’s autograph score of K.537 is preserved in the Morgan Library in New York[31], and modern editions (such as the Neue Mozart-Ausgabe) distinguish Mozart’s original notation from the later editorial additions in the piano part[32]. The concerto’s unique historical context and its mix of Classical grace and virtuosity ensure that it remains a subject of interest in musicological discussion, as well as a favorite in concert halls around the world.

[1][6][8][11][17][20][21][22][24][25][26][31][32] Piano Concerto No. 26 (Mozart) - Wikipedia

https://en.wikipedia.org/wiki/Piano_Concerto_No._26_(Mozart)

[2][3][4][10] ppublishing.org

https://ppublishing.org/media/uploads/journals/article/EJH_3_2023_p3-7.pdf

[5][9][12][13][16][18][19][27][28][29] Mozart / Piano Concerto No. 26 | Manitoba Chamber Orchestra

https://themco.ca/education/listening-guides/mozart-piano-concerto-no-26

[7][14][15][23] Piano Concerto No. 26 in D, K. 537 "Coronation", Wolfgang Amadeus Mozart

https://www.laphil.com/musicdb/pieces/2766/piano-concerto-no-26-in-d-k-537-coronation

[30] Mitsuko Uchida Discusses Mozart - Classic FM

https://www.classicfm.com/artists/mitsuko-uchida/news/mitsuko-uchida-discusses-mozart/