Divertimento Nr. 15 in B-Dur, „Lodron Nr. 2“ („Lodronische Nachtmusik“), K. 287
par Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Divertimento Nr. 15 in B-Dur (K. 287), 1777 in Salzburg komponiert, als er 21 Jahre alt war, ist das zweite der sogenannten „Lodron“-Nachtmusiken – festliche Unterhaltung im Freien, die durch ungewöhnlich feine Kammermusik-Textur geadelt wird. Für zwei Hörner und Streicher gesetzt, verbindet es aristokratische Geselligkeit mit einer fast konzertant brillanten ersten Violinstimme und einem Finale, das augenzwinkernd ins Theatralische spielt.
Hintergrund und Kontext
1777 war Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) noch an Salzburg gebunden und stand (oft widerwillig) im Dienst des Erzbischofs Colloredo, während er zugleich versuchte, sich jenseits des Hofes bessere Perspektiven zu eröffnen. In diesem Umfeld erfüllte ein beträchtlicher Teil seiner Instrumentalwerke ganz praktische Bedürfnisse: Musik für die aristokratischen Haushalte der Stadt – Serenaden, Cassationen, Notturni und Divertimenti, gedacht als Begleitung sommerlicher Festlichkeiten, Namenstagsfeiern und häuslichen Musizierens.
As an Amazon Associate we earn from qualifying purchases.
Die Familie Lodron stand im Zentrum dieser kultivierten Gesellschaftswelt. Gräfin Maria Antonia (Antonia) von Lodron galt als aktive Förderin und begeisterte Amateurmusikerin; Mozart versorgte ihren Kreis mit Werken, die auf Anlass und verfügbare Spieler zugeschnitten waren – darunter das berühmte Konzert für drei Klaviere in F, K. 242 (1776), sowie die beiden „Lodron“-Divertimenti (K. 247 und K. 287), die beide mit ihrem Namenstag am 13. Juni in Verbindung stehen.[1] Mit anderen Worten: K. 287 ist keineswegs zufällige „leichte Musik“, sondern Mozart komponiert für ein konkretes Milieu, in dem Eleganz, Spielbarkeit und repräsentativer Glanz perfekt auszubalancieren waren.
Innerhalb von Mozarts Salzburger Divertimento-Tradition ist K. 287 besonders aufschlussreich, weil es an einem stilistischen Übergangspunkt steht. Es gehört zu einer kleinen Gruppe von Sextetten (K. 247, K. 287, K. 334), die die erste Violine mit auffälliger Virtuosität behandeln – fast so, als würde ein Violinkonzert durch den mehrsätzigen Plan einer Serenade gebrochen.[2] Das Ergebnis ist Musik, die im Freien bezaubern kann und zugleich beim genauen Zuhören im Innenraum gewinnt.
Entstehung und Uraufführung
Mozart komponierte K. 287 1777 in Salzburg und widmete es der Gräfin Lodron.[3] Das Werk wird weithin mit ihren Namenstagsfeierlichkeiten am 13. Juni 1777 verbunden, und moderne Nachschlagewerke nennen dieses Datum regelmäßig als Anlass der ersten Aufführung.[4] (Einige Kataloge nennen nahe liegende Termine Mitte Juni für ein erstes Durchspielen oder eine Aufführung; entscheidend ist, dass es sich um Gelegenheitsmusik für eine bestimmte jährliche Feier handelt.)
Obwohl das spätere Konzertleben K. 287 bisweilen als Repertoire für „kleines Orchester“ behandelt, sprechen Besetzung und Salzburger Funktion eher für kammermusikalische Kräfte mit je einem Spieler pro Stimme – Musik für flexible Verwendung, spielbar durch versierte Hausmusikerinnen und -musiker und ein paar hinzugezogene Profis. Dieser praktische Ursprung erklärt die geschickte Abwechslung zwischen öffentlichem Glanz (Hornrufe, markante Tuttipassagen) und intimer Detailarbeit (filigrane Violinstimme, dialogische Mittelstimmen).
Besetzung
K. 287 ist für ein kompaktes Serenaden-Ensemble – Streicher mit zwei Hörnern – geschrieben; doch Mozart nutzt es mit der farblichen Fantasie eines größeren Klangraums.
- Blech: 2 Hörner (in B♭)
- Streicher: 2 Violinen, Viola, Basso (Violoncello und/oder Kontrabass)
Diese Besetzung ist in der gängigen modernen Katalogisierung und in Ausgaben überliefert.[3][4] Die Hörner liefern jene „Signal“-Qualität im Freien, die man mit Salzburger Nachtmusik verbindet, während die Streicher – besonders die erste Violine – einen Großteil des virtuosen Funkelns tragen.
Form und musikalischer Charakter
Mozart ordnet sechs Sätze an – ein Plan, der K. 287 in die breitere Serenaden-/Divertimento-Tradition stellt: ein eröffnender Sonatensatz, ein gewichtiger langsamer Satz oder Variationensatz, zwei Menuette als Paar und ein Finale, das die Gesellschaft mit einem Lächeln nach Hause entlässt.
- I. Allegro (B♭ major)
- II. *Tema con variazioni* (*Andante*) (F major) — Thema und sechs Variationen
- III. *Menuetto* – Trio (B♭ major; Trio in G minor)
- IV. *Adagio* (E♭ major)
- V. *Menuetto* – Trio (B♭ major; Trio in E♭ major)
- VI. *Andante* – *Allegro molto* (B♭ major)
Diese Satzfolge – und insbesondere der Tonartenplan, der von B♭ zur Dominante (F) und zur Subdominante (E♭) führt – wird in modernen Referenzführern durchgängig so angegeben.[4][3]
As an Amazon Associate we earn from qualifying purchases.
I. Allegro
Der erste Satz ist Divertimento-Musik mit symphonischem Rückgrat: klare Sonatensatz-Rhetorik (Exposition, Durchführung, Reprise), belebt durch eine Hornbehandlung, die zugleich feierlich und „draußen“ wirkt. Was K. 287 jedoch besonders macht, ist die schiere Beweglichkeit der ersten Violinstimme. Statt die Textur nur zu zieren, übernimmt sie häufig eine führende, nahezu solistische Rolle – ein Ansatz, den das Köchel-Verzeichnis der Mozarteum-Stiftung als charakteristisch für die „Lodron“-Sextettgruppe hervorhebt.[2]
II. Tema con variazioni (Andante)
Der zweite Satz ist ein Variationenzyklus in F-Dur – Musik, die sich ideal für das Zuhören in Gesellschaft eignet, weil sie das Interesse durch wechselnde Oberflächen wachhält statt durch dramatischen Konflikt. Jede Variation beleuchtet dasselbe Material aus einem neuen Winkel: hier mehr rhythmischer Schwung, dort eine Registerverschiebung, an anderer Stelle eine neue Figur in der ersten Violine. In der Aufführung fungiert der Satz oft als Gravitationszentrum des Divertimentos – weniger „Hintergrund“ als höfliche, anhaltende Aufmerksamkeit.
III. Menuetto – Trio
Das erste Menuett bestätigt die B♭-Dur-Heimat des Werks, doch Mozart erweitert das Ausdrucksspektrum, indem er das Trio nach g-Moll setzt.[4] Dieser kurze Schritt in die Molltonart – in einem Genre, das man mit heiterer Unbeschwertheit verbindet, besonders eindrücklich – lässt die Nachtmusik nach innen blicken, ohne ihre Haltung zu verlieren.
IV. Adagio
In E♭-Dur bietet das Adagio einen weiteren lyrischen Horizont, als man bei Gelegenheitsmusik erwarten würde. Die Hörner färben nun mehr, als dass sie proklamieren, und die Streicher singen in einem quasi-operatischen Cantabile. K. 287 erinnert daran, dass Mozarts Salzburger „Unterhaltungs“-Werke oft Versuchslabore für jene Ausdruckssprache sind, die er später auf Wiens größeren Bühnen entfalten sollte.
V. Menuetto – Trio
Das zweite Menuett bringt den gesellschaftlichen Tanzrahmen zurück – wieder öffentlicher –, während der Wechsel des Trios nach E♭-Dur die Tonwelt sanft in Bewegung hält.[4] Mozarts Kunst liegt hier in der Ökonomie: kleine harmonische Drehungen und texturale Neujustierungen genügen, um eine wiederkehrende Menuettform wie frisch inszeniert wirken zu lassen.
VI. Andante – Allegro molto
Das Finale ist ein Grund, weshalb K. 287 viel öfter zu hören sein sollte. Es beginnt mit einer Andante-Einleitung, die als instrumentales Rezitativ beschrieben worden ist – eine unverkennbar theatralische Geste in einem ansonsten „freien“ Genre –, bevor es in Allegro molto-Brillanz ausbricht.[4] Der Effekt ist, als träten die Spieler kurz in ein Opernlicht und kehrten dann zur festlichen Bewegung zurück – und verabschiedeten die Serenaden-Tradition mit einem Grinsen.
Rezeption und Nachwirkung
Anders als die spätere Eine kleine Nachtmusik (K. 525) sind die „Lodron“-Divertimenti nie zum allgemein verständlichen Kürzel für Mozarts Serenadenstil geworden; gerade ihre Spezifität – geschrieben für einen Salzburger Haushalt, für eine bestimmte Feier – hat sie womöglich eher bei Kennern als beim breiten Publikum gehalten. Doch die Beständigkeit von K. 287 zeigt sich in seiner kontinuierlichen Editionsgeschichte und seiner heutigen Verbreitung sowohl in der Kammermusik- als auch in der „kleines Orchester“-Aufführungstradition.[3]
Seinen künstlerischen Rang sichert die Art, wie Mozart das Divertimento veredelt, ohne seine Funktion zu verraten. Die Besetzung ist bescheiden, das musikalische Denken nicht: ein sonatenhaft angelegter Beginn, ein großformatiger Variationensatz, Menuette, die mit tieferem Affekt kokettieren, und ein Finale, das opernhafte Rhetorik in die Nachtmusik importiert. So gehört, ist K. 287 nicht bloß „angenehmer Salzburger Hintergrund“ – es ist das Porträt eines 21-jährigen Mozart, der erprobt, wie man Gesellschaftsmusik mit echtem Charakter sprechen lässt.
As an Amazon Associate we earn from qualifying purchases.
[1] MozartDocuments.org — contextual note on Countess Antonia von Lodron, her musical patronage, and Mozart’s Lodron-related works (including K. 287 for her name day).
[2] Köchel-Verzeichnis (Mozarteum) — notes on Mozart’s divertimenti/notturni practice and the grouping of K. 247, K. 287, and K. 334 as sextets with a highly virtuosic first violin.
[3] IMSLP — catalog entry for Divertimento in B♭ major, K. 287/271H (year, dedication, instrumentation, movement list).
[4] Wikipedia — overview of Divertimento No. 15, K. 287 (occasion/name day, scoring, movement structure and keys).










