Divertimento Nr. 17 in D-Dur, K. 334 (K.6 320b)
von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Divertimento Nr. 17 in D-Dur, K. 334 (K.6 320b) gehört zur spĂ€ten Salzburger Tradition seiner nach drauĂen orientierten âTafel- und Terrassenmusikâ und entstand vermutlich 1779â1780 im Umfeld der Familie Robinig. Mit auffallender Sparsamkeit besetztâzwei Hörner und Streicherâentfaltet es einen ungewöhnlich groĂzĂŒgigen, sechssĂ€tzigen Aufbau, dessen Dimension und Ausdrucksspektrum eher an eine kleine Serenade als an bloĂe Hintergrundunterhaltung heranreichen.
Hintergrund und Kontext
In Salzburg konnte ein Divertimento in den 1770er Jahren vielen Zwecken dienen: Sommerfeste, UniversitĂ€tsfeiern, aristokratische Diners oder private AuftrĂ€ge. Mozart (23-jĂ€hrig) stand 1779 noch im Dienst von Erzbischof Colloredo und lieferte kontinuierlich praktische Gebrauchsmusik, parallel zu anspruchsvolleren Kirchenwerken und sinfonischen Vorhaben. Das Jahr ist oft vor allem mit der âPosthornâ-Serenade (Serenade Nr. 9 in D-Dur, K. 320) verbunden, vollendet am 3. August 1779âein Sinnbild derselben Salzburger Kultur der Serenaden und Nachtmusiken, die auch K. 334 umgibt.[1]
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Was Divertimento Nr. 17 auszeichnet, ist nicht eine neue GattungsideeâMozart schrieb solche mehrsĂ€tzige âAnlassmusikâ seit seiner Kindheitâsondern die Art, wie es IntimitĂ€t und Weite versöhnt. Mit nur zwei Hörnern zur Farbgebung des Streicherklangs schafft Mozart ein Werk, das wie vergröĂerte Kammermusik wirken kann und zugleich eine LĂ€nge und Ernsthaftigkeit erreicht, die man bei dem Wort Divertimento nicht unbedingt erwartet. (TatsĂ€chlich bezeichnen moderne Nachschlagewerke es hĂ€ufig als Mozarts lĂ€ngstes Divertimento.)[2]
Entstehung und UrauffĂŒhrung
K. 334 ist ohne Autograph ĂŒberliefert; heutige AuffĂŒhrende begegnen dem Werk meist in spĂ€teren Quellen und kritischen Ausgaben.[3] Datierung und Entstehungsort werden in der Regel mit 1779â1780 (Salzburg) angegeben, und hĂ€ufig wird das StĂŒck mit der Familie Robinigâkonkret Georg Sigismund Robinigâim Kreis Salzburger Förderer und stĂ€dtischer AmtstrĂ€ger in Verbindung gebracht.[2]
Einen aufschlussreichen Blick auf die frĂŒhe âBiographieâ des Werks liefert Mozarts Wiener Korrespondenz. In einem Brief an Leopold Mozart von 1782 erwĂ€hnt er âdie musique, die ich fĂŒr Robinig geschrieben habeâ, und die ŃДЎаĐștionelle Anmerkung des Mozarteums identifiziert dies als Divertimento K. 334 (320b), verknĂŒpft mit einem Marsch (K. 445/320c). Die Bemerkung deutet darauf hin, dass das StĂŒck als funktionales Repertoire behandelt wurdeâetwas, das man verleihen, zurĂŒckverlangen und wiederverwenden konnteâgleichzeitig aber so bedeutsam blieb, dass Mozart sich daran erinnerte und ihm nachging.[4]
Die genauen UmstĂ€nde der ersten AuffĂŒhrung sind unklar. Am plausibelsten ist dennoch ein Salzburger Festanlass oder ein Auftrag, weniger ein öffentliches Konzert im heutigen SinnâMusik, die Geselligkeit begleiten sollte, aber mit derselben kompositorischen Sorgfalt gearbeitet ist, die Mozart auch âernsterenâ Gattungen widmete.
Besetzung
K. 334 ist ein Musterbeispiel Salzburger PraktikabilitÀt: festlicher Klang bei minimalem Personal.
- Blech: 2 Hörner (Naturhörner, in vielen Stimmenausgaben in D notiert bzw. klingend)[5])
- Streicher: 2 Violinen, Viola, Bass (meist realisiert als Violoncello und Kontrabass, oft mit continuoartiger VerstÀrkung je nach Ensemblepraxis)[2]
Die Hörner liefern mehr als nur âFreiluftâ-Glanz: Sie markieren Kadenzen, weiten Tuttipassagen und helfen Mozartâentscheidendâ, orchestrale FĂŒlle anzudeuten, ohne HolzblĂ€ser wie Oboen oder Fagotte hinzuzuziehen. Diese Ăkonomie lenkt zudem den Blick auf die FĂŒhrung der ersten Violine, die sich hĂ€ufig wie eine zurĂŒckhaltende Solostimme verhĂ€lt und damit an konzertante Akzente erinnert, wie sie in der Salzburger Serenadenkultur gelĂ€ufig waren.
Form und musikalischer Charakter
K. 334 folgt einem sechssĂ€tzigen Plan, wie er fĂŒr groĂe Divertimenti/Serenaden typisch ist; Mozarts Anlage lĂ€sst die Folge jedoch gewichtig erscheinenâim Verlauf beinahe sinfonisch.
- I. Allegro (D-Dur) â Ein sonatenhauptsatzartiger Auftakt, der wie der erste Satz einer kompakten Sinfonie wirken kann; Hornrufe verleihen ihm ein zeremonielles Profil.[2]
- II. *Tema con variazioni* (*Andante*, d-Moll â D-Dur-Akzente) â Das expressive Zentrum des Werks: ein Thema in Moll mit Variationen, die aus Streichern plus Hörnern ein Maximum an Drama und Zartheit herausarbeiten. Der Schritt nach d-Moll ist bezeichnendâMozart scheut sich nicht, in einer vermeintlich âsonnigenâ Gattung die Farben zu verdunkeln.[2]
- III. Menuetto â Trio (D-Dur; Trio in G-Dur) â Höfisch, aber keineswegs routiniert: Der Tonartenwechsel im Trio mildert den Klang und erfrischt das Ohr nach der konzentrierten Variationsbewegung.[2]
- IV. Adagio (A-Dur) â Ein lyrischer langsamer Satz in der Dominante, oft als Sonatenform beschrieben; er bietet eine lange Cantabile-Linie, in der die Hörner eher wie warme Schattierung als wie Fanfare wirken können.[2]
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- V. Menuetto â Trio I â Trio II (D-Dur; Trio I in d-Moll; Trio II in h-Moll) â Der ungewöhnlichste âgesellschaftlicheâ Satz: Zwei kontrastierende Trios, beide in Moll, erweitern das emotionale Spektrum und vertiefen den Rahmen des D-Dur.[2]
- VI. Rondo (*Allegro*, D-Dur) â Ein spritziges Finale im Umkreis des Sonatenrondos, auf Entspannung und Brillanz angelegt; es stellt den extrovertierten D-Dur-Charakter wieder her und schenkt den Hörnern zum Schluss noch einmal eine strahlende, âfreiluftigeâ PrĂ€senz.[2]
Insgesamt verdient das StĂŒck Beachtung dafĂŒr, wie es âUnterhaltungsmusikâ adelt, ohne den Zweck der Gattung zu verleugnen. Die Abfolge eines gewichtigen sonatenhaften Kopfsatzes, eines ernsthaften Variationssatzes in Moll und zweier Menuette (eines davon mit Doppeltrio) vermittelt eher den Eindruck eines dramaturgisch gestalteten Abends als einer Reihe leichter Einzelnummern. Mit anderen Worten: K. 334 ist nicht nur gefĂ€llig, sondern klug disponiert, und seine Tonartenplanung (insbesondere die wiederholte Anziehungskraft des Moll) verkompliziert das bequeme Etikett bloĂer Hintergrundmusik.
Rezeption und Nachwirkung
Auch wenn K. 334 nicht die AllgegenwĂ€rtigkeit von Mozarts spĂ€ten Sinfonien oder den groĂen Wiener Konzerten besitzt, ist es doch ein fester Bestandteil des Kammerorchester-Repertoiresâzum einen wegen der praktikablen Besetzung, zum anderen, weil es eine Art âMozart en miniatureâ bietet: formale Balance, instrumentalen Charme und Momente echten Pathos.
Wissenschaft und AuffĂŒhrungspraxis profitieren heute von der Neuen Mozart-Ausgabe, die das einschlĂ€gige Divertimento-Repertoire erschlieĂt, einschlieĂlich kritischer Berichte zu Quellen und verwandten StĂŒcken (insbesondere zur zugehörigen Marschtradition, die Salzburger Serenaden-/Divertimento-Zyklen oft einleitet).[6] FĂŒr Hörende liegt die besondere Anziehung von K. 334 darin, dass es zwischen Welten steht: gesellige Musik, die dennoch den Konzertsaal fesseln kann, und ein Salzburger Gelegenheitswerk, das bereits jene gröĂeren Ausdruckshorizonte erahnen lĂ€sst, die Mozart kurz darauf in Wien entfalten sollte.
Noten
Noten fĂŒr Divertimento Nr. 17 in D-Dur, K. 334 (K.6 320b) herunterladen und ausdrucken von Virtual Sheet MusicÂź.
[1] Wikipedia â Serenade No. 9 in D major, K. 320 (âPosthorn Serenadeâ): Salzburg context and completion date (3 August 1779).
[2] Wikipedia â Divertimento No. 17 in D major, K. 334/320b: instrumentation and movement list; general dating and context notes.
[3] Digital Mozart Edition (Mozarteum) â New Mozart Edition volume PDF (English preface) for Divertimentos; notes on source situation (no autograph for K. 334/320b).
[4] Digital Mozart Edition (Mozarteum) â Letter: Mozart to his father (1782), mentioning âthe musique I wrote for Robinig,â with editorial identification of K. 334/320b and related march K. 445/320c.
[5] IMSLP â Divertimento in D major, K. 334/320b: general information and parts listing (horns and strings).
[6] Digital Mozart Edition (Mozarteum) â Neue Mozart-Ausgabe Critical Report (Kritischer Bericht) for divertimenti, including section on March K. 445 (320c) and Divertimento K. 334 (320b).







