K. 137

Divertimento in B-Dur („Salzburger Sinfonie Nr. 2“), K. 137

par Wolfgang Amadeus Mozart

Miniature portrait of Mozart, 1773
Mozart aged 17, miniature c. 1773 (attr. Knoller)

Mozarts Divertimento in B-Dur, K. 137 (1772), gehört zu einem Salzburger Dreierzyklus aus drei kompakten, sinfonienahen Werken (K. 136–138), die der Komponist mit sechzehn Jahren schrieb. Oft mit dem Beinamen „Salzburger Sinfonie Nr. 2“ versehen, verdichtet es die Rhetorik der italienisch geprägten dreisätzigen Sinfonie zu Musik, die zugleich als kultivierte Streichensemble-Komposition überzeugend funktioniert.

Hintergrund und Kontext

Anfang 1772 war Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) nach seiner zweiten Italienreise und noch vor der dritten wieder in Salzburg – in einer Phase, in der seine musikalische Fantasie von italienischer Oper und dem sinfonia-Stil durchdrungen war, sein Arbeitsalltag jedoch weiterhin an die höfischen Routinen Salzburgs und an die dort verfügbaren praktischen Aufführungskräfte gebunden blieb. Die drei Salzburger Divertimenti K. 136–138 sind Produkte dieser Zwischenwelt: leicht, flüssig, auf Öffentlichkeit hin gedacht – und doch mit einem Anspruch gearbeitet, der weit über bloße „Hintergrundmusik“ hinausgeht. In Mozarts frühem Orchesterschaffen nehmen sie eine aufschlussreiche Stellung ein, zwischen der Reisesaison-Sinfonie und dem häuslichen Ensemble-Stück.

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Gerade K. 137 verdient besondere Aufmerksamkeit, weil es zeigt, wie schnell Mozart in einem reifen „orchestralen“ Idiom sprechen konnte – mit ausgewogenen Phrasen, schneller harmonischer Schlagfertigkeit und scharf konturierten Kontrasten –, ohne auf große Dimensionen angewiesen zu sein. Dass das Werk mit einem ernsten Andante beginnt und nicht mit einem effektvollen Allegro, deutet zudem auf einen Teenager hin, der sich bereits für Charakter und Dramaturgie des Tempos interessiert, nicht nur für Glanz.

Komposition und Uraufführung

K. 137 entstand 1772 in Salzburg und wird in modernen Katalogen gemeinhin als Divertimento in B♭ geführt (in älteren Köchel-Verzeichnissen auch als K. 125b gezählt). Häufig wird es zusammen mit K. 136 und K. 138 als geschlossene Werkgruppe aus derselben Salzburger Zeit betrachtet [1]. Der geläufige Beiname „Salzburger Sinfonie Nr. 2“ bezieht sich auf das dreisätzige, sinfonische Profil des Werks – weniger auf eine im 18. Jahrhundert eindeutig fixierte Gattungsbezeichnung.

Wie bei vielem Salzburger Gelegenheitsrepertoire sind ein konkretes Premieren-Datum und ein bestimmter Anlass in der gängigen öffentlichen Referenzliteratur nicht verlässlich dokumentiert; der frühe Zweck des Stücks wird in der Regel aus Besetzung und sinfonischer Anlage erschlossen. Moderne Kommentatoren weisen oft darauf hin, dass diese Werke je nach verfügbaren Kräften plausibel sowohl als Repertoire für kleines Orchester wie auch als Kammermusik dienen können [2].

Instrumentation

K. 137 ist als Streichwerk überliefert – sein heute gebräuchlichstes Aufführungsmedium – und wird in Nachschlagewerken weithin als „für Streicher“ beschrieben [3]. Die Besetzung kann in Quellen und Aufführungstraditionen in der Praxis variieren (etwa darin, wie stark Basslinien verstärkt werden), doch die Grunddisposition ist unkompliziert.

  • Streicher: Violine I, Violine II, Viola, Violoncello, Kontrabass (häufig mit Bassverstärkung ad libitum in größeren Besetzungen)

Gerade diese schlanke Besetzung macht einen Teil des Reizes aus: Mozart erzielt eine deutlich „orchestrale“ Klarheit – besonders in Tuttis und in der kadenzierenden Zeichensetzung –, ganz ohne Bläserfarben. Das Ergebnis ist ein helles, transparentes Klangbild, das das Stück sowohl an frühe Sinfonien als auch an den sich herausbildenden Salzburger Geschmack für elegantes Streicherschreiben anschließt.

Form und musikalischer Charakter

K. 137 folgt dem italienisch geprägten dreisätzigen Muster (langsam–schnell–schnell), einem Format, das eng mit der Opernouvertüre und der Sinfonie der mittleren 18. Jahrhunderts verbunden ist. Die Sätze werden typischerweise wie folgt angegeben [4]:

  • I. Andante (B♭-Dur)
  • II. Allegro di molto (B♭-Dur)
  • III. Allegro assai (B♭-Dur)

I. Andante

Mit einem Andante zu beginnen, ist ein subtiler dramaturgischer Zug. Statt eines zeremoniellen „Vorhanghebers“ bietet Mozart eine gefasste, gesangliche Oberfläche, die zum aufmerksamen Zuhören einlädt. Die auffälligste Eigenschaft dieses Satzes ist seine kontrollierte Eleganz: Die Phrasen entfalten sich in konversationeller Symmetrie, und doch findet Mozart immer wieder kleine, sprechende Brechungen – Kadenzen, die mit einem halben Lächeln ankommen, Binnenstimmen, die die Harmonie kurzzeitig verschatten, und eine Bassbewegung, die verhindert, dass die Musik bloß höflich wirkt.

Formal betrachtet verhält sich der Satz wie eine kompakte Sonatensatzanlage, die auf ein langsames Tempo übertragen ist (deutlicher Themenkontrast, eine knappe Durchführung und eine Rückkehr, die unausweichlich wirkt statt nur wiederholt). Genau solche Musik verrät Mozarts frühe Meisterschaft des Maßes: Nichts wird überzeichnet, aber nichts ist beliebig.

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II. Allegro di molto

Das mittlere Allegro di molto ist die kinetische Entladung des Werks. Das schnelle Tempo und die prägnante Figuration verweisen auf die Ouvertürenwelt, doch die Schreibweise ist nicht bloß „geschäftig“; sie ist auf maximale Durchhörbarkeit hin artikuliert, mit kurzen Motiven, die zwischen oberen und unteren Streichern hin- und hergeworfen werden können. In der Aufführung profitiert dieser Satz oft von schlankem Strich und heller Artikulation, die seine rhythmische Federkraft hervorheben.

Charakteristisch innerhalb der Gattung ist, wie souverän Mozart den Schwung kontrolliert: Kadenzpunkte wirken wie tragende Pfeiler der Form statt wie Atempausen, und die harmonische Rhythmik (die Geschwindigkeit der Akkordwechsel) erzeugt das Gefühl atemloser Vorwärtsbewegung.

III. Allegro assai

Das Finale, Allegro assai, krönt das Divertimento mit einer klaren, beinahe athletischen Direktheit. Das thematische Material ist im Profil oft bewusst „einfach“ gehalten – ein Vorteil, weil es Mozart erlaubt, mit Sequenzen zu spielen und die Energieverteilung im Ensemble gezielt zu steuern. Die von Kommentatoren zum Zyklus hervorgehobene extreme Klarheit ist keine bloße Schlichtheit, sondern eine Art klassischer Disziplin: Die Texturen bleiben sauber, damit Form und Geste sofort lesbar sind [5].

Als Ganzes zeigt K. 137 den jugendlichen Mozart, der auch beim Schreiben „nur“ für Streicher orchestrisch denkt: Er nutzt Registerkontraste (hochglänzende Violinen gegen ein geerdetes Bassfundament), rhythmische Unisoni und klare Kadenzen, um die öffentliche Stimme der Sinfonie im Miniaturformat anzudeuten.

Rezeption und Nachwirkung

K. 137 hat nie den kulturellen Sockel von Mozarts späten Sinfonien erreicht, doch es hat sich gerade deshalb eine dauerhafte Aufführungspraxis bewahrt, weil es mehrere Bedürfnisse zugleich erfüllt: Es kann ein Konzert mit Anmut eröffnen, sich in einem Kammermusikprogramm mühelos einfügen oder in gemischten Programmen als stilvolle „klassische“ Kontrastfolie dienen. Moderne Präsentationen koppeln es regelmäßig mit den Schwesterwerken K. 136 und K. 138 und unterstreichen damit den Eindruck eines Salzburger Triptychons von 1772 [2].

Der Beiname „Salzburger Sinfonie Nr. 2“ ist am besten als Hörhinweis zu verstehen, nicht als strenge Klassifikation. Mit sinfonischen Ohren gehört, ergibt der dreisätzige Plan zusammen mit den hellen Ecksätzen vollkommen Sinn. Als Divertimento gehört, liegen seine Reize in Politur, Balance und der Intimität des Streicherklangs. So oder so bietet K. 137 ein eindrucksvolles Momentbild des sechzehnjährigen Mozart: bereits souverän im internationalen Stil, bereits wach für Tempo-Dramaturgie und Charakter – und bereits fähig, „kleine Formen“ bedeutend wirken zu lassen.

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Partition

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[1] Köchel Verzeichnis (Mozarteum): contextual notes for the Salzburg divertimenti set (K. 136–138) and genre background.

[2] Cleveland Orchestra program book (“Mozart in the Meadows”): discussion of K. 136–138 as early-1772 Salzburg works and their flexible ensemble identity.

[3] Köchel Verzeichnis (Mozarteum): identification of KV 137 as a divertimento in B-flat for strings (work listing context).

[4] IMSLP work page: movement list and basic reference data for Divertimento in B-flat major, K. 137/125b.

[5] Sin80 repertoire note: overview and descriptive commentary on K. 137 and the set’s symphonic character.