Divertimento in F-Dur, „Salzburger Sinfonie Nr. 3“ (K. 138)
av Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Divertimento in F-Dur, K. 138 (1772) ist das letzte Werk des gefeierten Trios K. 136–138—drei kompakte, ausschließlich für Streicher gesetzte Stücke aus Salzburg, die oft weniger nach unaufdringlicher Unterhaltung klingen als nach „Mini-Sinfonien“. Entstanden, als Wolfgang Amadeus Mozart gerade sechzehn war, bündelt es sinfonische Energie, italianisierende Lyrik und ein flottes, theatralisches Zeitmaß in drei Sätze, die sich sowohl als Kammermusik wie auch mit kleinem Streichorchester aufführen lassen.
Hintergrund und Kontext
Anfang 1772 war Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) nach ausgedehnten Italienreisen mit seinem Vater Leopold Mozart wieder in Salzburg. Diese Tourneen hatten ihn tief in die Opernwelt und in jene schlanke, melodiebetonte Sprache eintauchen lassen, die man mit der italienischen sinfonia und dem sich herausbildenden klassischen Stil verbindet. Salzburg hingegen blieb eine Hofstadt mit handfesten musikalischen Anforderungen: Kirchenmusik für Dom und Erzbischof sowie reichlich weltliche Musik für gesellschaftliche Anlässe.
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Die drei Werke K. 136–138 sind in Mozarts Autograph als Divertimento bezeichnet und mit „Salisburgo 1772“ datiert—und doch sind es ungewöhnliche Divertimenti: knappe, dreisätzige Anlagen ohne Menuette, mit unverkennbar sinfonischem Zuschnitt, besonders in den Ecksätzen.[1] Daher werden sie seit Langem „Salzburger Sinfonien“ genannt—eine informelle Bezeichnung, die auf ihre doppelte Identität als Cassation/Divertimento-Musik und als kleinformatige Sinfonien für Streicher anspielt.
K. 138, das F-Dur-Stück der Reihe, gilt bisweilen als das extrovertierteste und „öffentlichste“ der drei—Musik, die einen Raum (oder einen Innenhof unter freiem Himmel) mit hellem, federndem Klang füllen kann und sich zugleich durch ihre straffe motivische Arbeit und ihr präzises Timing fürs genaue Hinhören lohnt.
Entstehung und Uraufführung
Mozart komponierte das Divertimento in F-Dur, K. 138 1772 in Salzburg, im Alter von sechzehn Jahren.[1][2] (Das Köchel-Verzeichnis fasst K. 136–138 zusammen und übernimmt für die Gruppe Mozarts eigene Salzburger Datierung.)
Eine gesicherte Uraufführung ist nicht dokumentiert. Das ist für funktionale Hofmusik jener Zeit typisch: Solche Stücke ließen sich flexibel verwenden—privat im Quartett, mit kleiner Streicherbesetzung in einem adeligen Haushalt oder angepasst an die jeweils verfügbaren Kräfte. Die heutige Aufführungstradition spiegelt diese Beweglichkeit wider und präsentiert K. 138 entweder als Kammermusik oder als Repertoire für Streichorchester.[1]
Besetzung
Die Partitur beruht im Kern auf einem Streichquartett-Satz—der sich ohne Weiteres zum Streichorchester erweitern lässt:
- Streicher: 2 Violinen, Viola, Violoncello (in orchestraler Aufführung häufig mit Kontrabass zur Verstärkung der Basslinie)
IMSLP führt als Grundbesetzung 2 Violinen, Viola und Violoncello an und spiegelt damit die Quartett-Perspektive, die neben der Tradition des „Streichorchesters“ besteht.[3])
Gerade diese schlanke Besetzung macht einen Teil des Reizes aus: Ohne Bläser oder Pauken für koloristische Kontraste erzeugt Mozart Vielfalt durch Registerführung, Artikulation, dynamische Abstufung und den raschen Wechsel zwischen tutti-artigen Unisoni und eher dialogisch geführten Passagen.
Form und musikalischer Charakter
K. 138 folgt dem schnellen–langsamen–schnellen Plan—drei Sätze, die wie eine komprimierte Sinfonie wirken.
- I. Allegro (F-Dur)
- II. Andante (C-Dur)
- III. Presto (F-Dur)[4]
I. Allegro
Der Beginn ist hell und vorwärtsdrängend, mit einem selbstbewussten, nach außen gerichteten Ton—genau jene „Schönwetter“-F-Dur-Färbung, die viele Orchestereröffnungen des 18. Jahrhunderts prägt. Charakteristisch ist jedoch die Ökonomie dieses Satzes. Statt in langen orchestralen Perioden zu schwelgen, präsentiert Mozart eher eine Geste, wendet sie, beantwortet sie und geht weiter. Das Ergebnis wirkt näher am Theater als am Ballsaal: rasche Stichworte, saubere Übergänge, ein feines Gespür für Timing.
Auffällig ist auch, wie Mozart „größer“ schreibt, als es die Besetzung vermuten ließe. Selbst im vierstimmigen Satz suggeriert er orchestrales Gewicht, indem er Linien oktaviert, die erste Violine zur Brillanz in höhere Lagen treibt und prägnante rhythmische Profile nutzt, die auch in einem größeren Raum klar wirken.
II. Andante
Der langsame Satz in der Dominanttonart C-Dur wechselt zu einer vokal gedachten, italianisierenden Lyrik—Musik, die auch ohne Text zu „singen“ scheint. Häufig trägt eine klare melodische Linie in den Oberstimmen, während darunter unaufdringliche Begleitfiguren stützen—eine Textur, die an die Praxis der Opernarie und an langsame Sätze zeitgenössischer sinfonias erinnert.
Beachtenswert ist hier Mozarts Zurückhaltung. Er verdichtet den Satz nicht, um Sentimentalität zu erzeugen; vielmehr hält er das Interesse durch kleine Nuancen wach—verzögerte Kadenzen, sanfte Vorhalte (Dissonanzen, die schrittweise aufgelöst werden) und subtile Veränderungen der Stimmführung. In der Aufführung kann dieser Satz wie eine intime Streicher-Serenade wirken, die in der Mitte einer Miniatur-Sinfonie platziert ist.
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III. Presto
Das Finale ist quecksilbrig und knapp, mit witzigem Vorwärtsdrang. Das rasche Tempo und die straffe Phrasenbildung lassen es wie einen Bühnenabgang erscheinen: Die Musik endet nicht einfach, sie geht ab. In diesem Sinn weist K. 138 bereits auf Mozarts reife Begabung für Finali voraus—Sätze, die Tempo mit Klarheit, Überschwang mit formaler Kontrolle verbinden.
Im größeren Kontext der 1770er Jahre spiegelt ein solches Finale auch den damaligen Geschmack für energische Schlusssätze, die „gelehrte“ kontrapunktische Kunst und unmittelbare Publikumswirksamkeit ausbalancieren. Mozart erzielt Glanz nicht durch Komplexität um ihrer selbst willen, sondern durch den beweglichen Einsatz einfacher Mittel.
Rezeption und Nachwirkung
Auch wenn K. 138 nicht so häufig diskutiert wird wie Mozarts späte Sinfonien, ist es für Streicherensembles ein Kernstück geblieben—gerade weil es auf mehreren Ebenen funktioniert: Es kann als leichte Gelegenheitsmusik dienen, ist aber zugleich ein scharf gearbeitetes klassisches Design im Miniaturformat. Moderne Ausgaben betonen weiterhin die schillernde Identität der Reihe—dem Titel nach Divertimenti, in der Praxis jedoch oft als kompakte „Sinfonien“ für Streicher verstanden.[1]
Wer Mozarts Entwicklung nachvollziehen möchte, findet in K. 138 eine besonders lehrreiche Momentaufnahme. Mit sechzehn konnte Mozart bereits Musik schreiben, die mühelos wirkt und doch sorgfältig proportioniert ist—Musik, die vom Salon bis in den Konzertsaal trägt. Ihre besondere Stärke liegt nicht in großer Ambition, sondern in einer Art jugendlicher Meisterschaft: ein kleines Ensemble orchestralen Klang entfalten zu lassen und ein kurzes Werk als in sich geschlossen erscheinen zu machen.
Noter
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[1] G. Henle Verlag: critical/practical overview of the “Salzburger Divertimenti” K. 136–138 (dating, context, genre).
[2] Köchel-Verzeichnis (Mozarteum): catalogue context for the Salzburg divertimenti (K. 136–138) and Salzburg dating (1772).
[3] IMSLP work page for Divertimento in F major, K. 138/125c: basic work data and core instrumentation listing.
[4] Apple Music Classical album metadata confirming the standard three-movement layout (Allegro–Andante–Presto).









