Kanon in G fĂŒr 4 Stimmen im Unisono, âGârechteltâs enkâ (K. 556)
von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Kanon in G fĂŒr 4 Stimmen im Unisono, âGârechteltâs enkâ (K. 556), ist ein kompaktes Wiener GesellschaftsstĂŒck, das er am 2. September 1788 in sein thematisches Werkverzeichnis eintrug. Entstanden im Alter von 32 Jahren, verdichtet es das gesellige Musizieren der spĂ€ten 1780er Jahre auf wenige prĂ€gnant konturierte Takte â im Text humorvoll, in der Technik diszipliniert und dafĂŒr gemacht, dass Freunde es sofort gemeinsam singen können.
Hintergrund und Kontext
Wien 1788 war fĂŒr Wolfgang Amadeus Mozart (1756â1791) ein Jahr voller markanter GegensĂ€tze: In Monaten, die groĂformatige instrumentale Meisterwerke hervorbrachten, entstanden zugleich mehrere kurze, gesellige Vokalkanons fĂŒr private Kreise. Gârechteltâs enk (K. 556) gehört eindeutig in diese zweite SphĂ€re â Musik fĂŒr die Runde nach dem Essen, fĂŒr schnellen Witz und noch schnelleres Zusammensingen, nicht fĂŒr Theater oder Kirche.1
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Das Köchel-Verzeichnis der Internationalen Stiftung Mozarteum datiert K. 556 prĂ€zise auf Wien, den 2. September 1788, und fĂŒhrt es als authentisches, erhaltenes, abgeschlossenes Werk fĂŒr vier gleichberechtigte Stimmen (V1âV4).1 Diese Konkretheit ist bedeutsam: Viele Gelegenheitskanons sind in einer unĂŒbersichtlichen Ăberlieferungslage tradiert, hier jedoch sind die grundlegenden Katalogdaten und die Zuschreibung fĂŒr ein so kleines StĂŒck ungewöhnlich gesichert.
Text und Komposition
Der Titel verweist auf Dialekt und Ungezwungenheit. Mozart (oder sein Umfeld) bevorzugte in solchen Kanons hĂ€ufig umgangssprachliches Deutsch â Texte, die gesprochen, ja geradezu gerufen wirken und eine darstellerische Vortragsweise nahelegen. Der Mozarteum-Katalog schreibt den Text Christoph Gottlob Breitkopf zu (bekannt vor allem als bedeutender Leipziger Musikverleger) â ein Hinweis darauf, dass âgeselligâ nicht âanonymâ bedeutet: Selbst spielerische Miniaturen konnten in die literarischen und verlegerischen Netzwerke der Zeit hineinreichen.1
K. 556 ist ein âKanon in 1â â das heiĂt, dieselbe melodische Linie wird von den beteiligten Stimmen nacheinander aufgegriffen; der Kontrapunkt entsteht durch strenge Imitation statt durch getrennt komponierte Einzelstimmen.1 In der Praxis ist das zugleich kompositorische EinschrĂ€nkung und gesellschaftlicher Vorteil: Ist die Melodie einmal bekannt, lĂ€sst sich das StĂŒck sofort anstimmen, und die kanonischen EinsĂ€tze liefern die ganze Textur.
Musikalischer Charakter
FĂŒr vier unbegleitete Stimmen gesetzt, ist K. 556 auf Gleichrangigkeit statt Hierarchie angelegt â kein Solist, kein Gegensatz zwischen Chor und Solo, nur das gemeinschaftliche VergnĂŒgen (und die leichte Gefahr), im sich auftĂŒrmenden Geflecht der Imitationen den eigenen Einsatz nicht zu verlieren.12 Das Ergebnis ist typisch mozartisch: eine OberflĂ€che, die mĂŒhelos wirkt, getragen von einem handwerklichen Können, das alles andere als selbstverstĂ€ndlich ist.
Gerade diese doppelte IdentitĂ€t macht Gârechteltâs enk innerhalb von Mozarts Ćuvre bemerkenswert. Es ist ein Scherz, den man singen kann â und zugleich ein Beispiel dafĂŒr, wie Kontrapunkt im spĂ€ten 18. Jahrhundert auch auĂerhalb des Konservatoriums lebendig war. In wenigen Augenblicken verwandelt Mozart gesellige Neckerei in eine kleine Ordnungsmachine: Die Stimmen jagen einander, ĂŒberlagern sich und rasten ineinander ein â mit dem befriedigenden Klicken eines gut gebauten Kanons. Diese Verbindung von Geselligkeit und Technik erklĂ€rt, warum die spĂ€ten Wiener Kanons bis heute in modernen Chor-Anthologien und Ausgaben auftauchen: Es sind Miniatur-Rituale des Zusammenseins, die noch immer einen Raum beleben können.
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[1] Internationale Stiftung Mozarteum, Köchel-Verzeichnis entry for KV 556 (dating, authenticity, scoring, text author).
[2] IMSLP work page for K. 556 (basic work identification and scoring; access to editions).








