K. 558

Kanon in B-Dur für 4 Stimmen, „Gehn wir im Prater, gehn wir in d’Hetz“ (K. 558)

沃尔夫冈·阿马德乌斯·莫扎特

Silverpoint drawing of Mozart by Dora Stock, 1789
Mozart, silverpoint by Dora Stock, 1789 — last authenticated portrait

Mozarts Kanon in B-Dur für vier gleiche Stimmen, „Gehn wir im Prater, gehn wir in d’Hetz“ (K. 558), ist eine Miniatur Wiener Geselligkeit, die er am 2. September 1788 in sein thematisches Werkverzeichnis eintrug. Für das heitere Musizieren im häuslichen Kreis geschrieben, bündelt das Stück Mozarts späte Faszination für den Kanon zu einer spritzigen, gutgelaunten Einladung zu einem Nachmittagsausflug.

Hintergrund und Kontext

1788 – eines der paradoxesten Wiener Jahre Mozarts, überschattet von finanzieller Not und doch erstaunlich produktiv – wandte er sich immer wieder dem Kanon zu: einer Gattung, die sich ideal für Freunde, Gesellschaften und den schnellen Witz eines Komponisten eignete, der strengen Kontrapunkt mühelos klingen lassen konnte. Am 2. September 1788 trug Mozart eine Folge von zehn Kanons (K. 553–562) in sein eigenes thematisches Verzeichnis (Verzeichnüss) ein; K. 558 gehört zu genau dieser Gruppe.[1]

Der Text im Wiener Dialekt weist aus dem Salon hinaus in die Stadt selbst: in den Prater, Wiens großen öffentlichen Park und Vergnügungsort, und zur Hetz (einem beliebten Unterhaltungsgelände). Dieses Lokalkolorit ist entscheidend. Es sind keine höfischen Gelegenheitsstücke, sondern Momentaufnahmen urbaner Freizeit – Musik für Gefährten, die die Anspielung verstanden, den Witz teilten und eine Stimme vom Blatt mitsingen konnten.[2]

Text und Komposition

K. 558 ist ein kurzer weltlicher Kanon in B-Dur für vier gleiche Stimmen ("4 in 1" – vier Stimmen aus einer einzigen kanonischen Linie). Mozart datierte ihn in seinem Katalogeintrag auf Wien, den 2. September 1788 – eine bemerkenswerte Präzision für ein so kleines Werk.[1] Erhaltene Drucke und Ausgaben präsentieren ihn meist als a cappella-Vokalstück – ein Repertoire, das Chöre bis heute als kompaktes Encore oder zum Einsingen nutzen, das jedoch rhythmische Geschlossenheit und klare Diktion verlangt.[3]

Gerade seine bescheidene Dimension macht den historischen Reiz aus. In diesen späten Kanons behandelt Mozart gelehrte Technik nicht als akademische Schaustellung, sondern als soziale Währung: als Mittel, einen Raum im Augenblick zu verbinden. Die Prater-Anspielung verankert K. 558 besonders fest im Wiener Alltag und ergänzt andere Dialektkanons aus demselben Bündel, die ebenfalls das populäre Leben der Stadt heraufbeschwören.[2]

Musikalischer Charakter

Als Unisono-Kanon lebt K. 558 eher von Vorwärtsdrang als von harmonischer Weite: Man hört dieselbe Melodie wiederholt versetzt einsetzen, das Geflecht verdichtet sich durch Imitation, während das Ohr dennoch einer einzigen, einprägsamen Geste folgt. Im Vortrag liegt der Reiz im Kontrast zwischen strenger Anlage (jeder Einsatz muss exakt passen) und ungezwungener Wirkung (das Stück wirkt wie spontanes Geplänkel).

Unter Mozarts vokalen Miniaturen war der Kanon ein ideales Labor der Verdichtung: ein vollständiges musikalisches Argument in nur wenigen Takten. K. 558 verdient Aufmerksamkeit gerade deshalb, weil er späten Mozart’schen Kunstverstand auf „Straßenniveau“ hörbar macht – nicht in den großen öffentlichen Gattungen des Jahres 1788, sondern in jener privaten Sphäre, in der Freunde sangen, lachten und für einen Moment zum Ensemble wurden. Selbst als „kleines“ Werk fängt er eine zentrale Mozart’sche Doppelheit ein: Disziplin, die leicht getragen wird, und Technik, die sich in Vergnügen verwandelt.[1]

[1] Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg, Köchel-Verzeichnis entry for K. 558 (date, place, scoring, catalogue context).

[2] *The Cambridge Mozart Encyclopedia* (overview of Mozart’s canons; notes that K. 553–562 were entered on 2 Sept 1788; discussion of Prater-related dialect canons including K. 558).

[3] IMSLP work page for *Canon for 4 Voices in B-flat major, K. 558* (basic work identification; access to score/editions).