Kanon in F fĂŒr 3 Stimmen, âDifficile lectu mihi Marsâ (K. 559)
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Mozarts Kanon in F fĂŒr drei gleiche Stimmen, âDifficile lectu mihi Marsâ (K. 559), wurde am 2. September 1788 in Wien in sein thematisches Werkverzeichnis eingetragen und gehört zur bemerkenswerten SpĂ€tblĂŒte jener gesellschaftlichen, oft pointiert komischen Kanons des Komponisten. Unter der scheinbar gelehrten âlateinischenâ Maske verbirgt sich ein StĂŒck Privatwitz â musikalisch ökonomisch, sprachlich ĂŒbermĂŒtig und bis heute aufschlussreich fĂŒr Mozarts Umfeld und seinen Humor.
Hintergrund und Kontext
1788 â in eben jener Zeit, in der Mozart (1756â1791) einige seiner ambitioniertesten Instrumentalwerke schuf â pflegte er zugleich ein ganz anderes Genre: den kurzen a cappella-Kanon, gedacht fĂŒr geselliges Musizieren im Freundeskreis. âDifficile lectu mihi Marsâ (K. 559) ist einer von mehreren Kanons, die er in seinem eigenen Verzeichnis auf den 2. September 1788 in Wien datierte.[1]
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Seine BerĂŒhmtheit verdankt das StĂŒck dem Text: Er sieht aus wie Latein, ist aber so angelegt, dass er mit deutschem Akzent gesprochen (oder gesungen) in eine derbe deutsche Wendung kippt â genau jene Art von Privatwitz, die in einem geschlossenen gesellschaftlichen Rahmen unproblematisch zirkulieren konnte, spĂ€ter jedoch Herausgeber und Interpreten dazu brachte, Wörter zu entschĂ€rfen oder das StĂŒck gleich ganz zu unterschlagen.[2] In diesem Sinn steht K. 559 neben anderen spĂ€ten Kanons, die gelehrte Technik mit Wirtshauskomik verbinden: Mozart ist hier zugleich Kontrapunktiker und Zeremonienmeister.
Text und Komposition
Das Köchel-Verzeichnis (Digital Mozart Edition / Mozarteum-Katalog) fĂŒhrt K. 559 als Kanon in F-Dur fĂŒr drei gleiche Stimmen und datiert ihn auf Wien, 2. September 1788.[1] Der Text wird dort Christoph Gottlob Breitkopf zugeschrieben â ein Hinweis darauf, dass âAutorschaftâ bei solchen GesellschaftsstĂŒcken durchaus kollaborativ sein konnte: Schlagfertige Freunde lieferten die Zeilen, die Mozart dann mit vollendeter Kunst vertonte.[1]
In den meisten Druckausgaben beginnt der Text mit âDifficile lectu mihi Mars âŠâ, doch die Worte sind bewusst pseudo-lateinisch: Sie ergeben keine sinnvolle lateinische Syntax. Ihre Funktion ist klanglich, nicht inhaltlich.[2] Dieses phonische Spiel â Komik, ausgelöst durch Aussprache â erklĂ€rt auch, warum moderne Ausgaben und AuffĂŒhrungen mitunter abschwĂ€chen, beschönigend âĂŒbersetzenâ oder den vollen verbalen âEffektâ schlicht meiden.[2]
Musikalischer Charakter
Als Kanon basiert K. 559 auf einem einzigen melodischen Einfall, der von drei Stimmen strikt imitiert wird â Musik, die man rasch erfasst, ohne Instrumente singen kann und unmittelbar genieĂen soll. Die F-Dur-Tonart und die knappe Anlage unterstreichen die Funktion als Gebrauchsmusik (Musik zum Gebrauch): weniger ein âMiniatur-Meisterwerkâ im konzertanten Sinn als vielmehr ein perfekt konstruiertes soziales Werkzeug.
Beachtenswert ist gerade das Aufeinanderprallen der Stile. Die Technik ist gelehrt â Mozarts Imitationssatz ist klar und unangestrengt â, doch das Ziel ist GelĂ€chter, sogar Verlegenheit. Im Wien der spĂ€ten 1780er-Jahre konnte der Kanon wie ein Insiderwitz wirken, vorgetragen mit akademischem Ernst: Die SĂ€nger liefern disziplinierten Kontrapunkt, wĂ€hrend das âLateinâ bei richtiger Betonung in anzĂŒgliches Deutsch umschlĂ€gt. Diese Doppelbödigkeit â hohe Kunst im Dienst niedrigen Humors â erhellt auch den gröĂeren Platz von Mozarts spĂ€ten Kanons innerhalb seines Ćuvres. Sie zeigen einen Komponisten von 32 Jahren, der sich noch immer an den kleinsten Formen erfreut und sie nutzt, um etwas Wesentliches ĂŒber Freundschaft, Sprache und die Theatralik des Alltags festzuhalten.[1][3]
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[1] International Mozarteum Foundation (Köchel-Verzeichnis) entry for K. 559: scoring, key, and catalogue date/place (Vienna, 2 Sept 1788), plus text attribution.
[2] Reference overview discussing the macaronic/pseudo-Latin text and its phonetic joke, plus reception/censorship issues.
[3] IMSLP work page for K. 559 with basic catalogue data and access to public-domain scores.









