K. 535

Contredanse in C-Dur „La Bataille“ (K. 535)

by Wolfgang Amadeus Mozart

Silverpoint drawing of Mozart by Dora Stock, 1789
Mozart, silverpoint by Dora Stock, 1789 — last authenticated portrait

Mozarts Contredanse in C-Dur „La Bataille“ (K. 535) ist ein knappes, anschaulich programmatisches TanzstĂŒck, das in Wien entstand und am 23. Januar 1788 in sein thematisches Werkverzeichnis eingetragen wurde. Obwohl fĂŒr den gesellschaftlichen Gebrauch und nicht fĂŒr den Konzertsaal bestimmt, fĂ€ngt es die politische Erregung des Wien der spĂ€ten 1780er Jahre ein – mit ungewöhnlich pointierten musikalischen „BĂŒhneneffekten“ innerhalb eines ansonsten funktionalen Contredanse.

Hintergrund und Kontext

In den 1780er Jahren lebte Wien vom Tanzen. Öffentliche BĂ€lle, höfische Festlichkeiten und die Hochsaison der Redouten (MaskenbĂ€lle) verlangten unablĂ€ssig nach neuen Contredanses, Menuetten und Deutschen TĂ€nzen – Musik, die sofort einleuchten, klar gegliedert sein und sich leicht tanzen lassen musste. Mozart wurde nach seiner Übersiedlung nach Wien zu einem bemerkenswert versierten Lieferanten solcher GelegenheitsstĂŒcke; seine Ernennung zum Kammermusicus (k. k. Kammercomponist) im Dezember 1787 machte diese praktische Seite seines Schaffens offiziell, wĂ€hrend er zugleich weiterhin Werke von weit grĂ¶ĂŸerem Anspruch schrieb.

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„La Bataille“ gehört zu Mozarts spĂ€tem Wiener Tanzschaffen und ist durch seinen eigenen Katalogeintrag auf den 23. Januar 1788 datiert – nur wenige Monate vor der Dreiergruppe der großen Symphonien (K. 543, K. 550, K. 551) und mitten in akuten finanziellen und beruflichen Belastungen. Gerade weil es „klein“ ist, bietet K. 535 eine aufschlussreiche Momentaufnahme davon, wie Mozart auf die unmittelbaren Stimmungen und Schlagzeilen der Stadt reagierte: Tanzmusik, die zugleich in Richtung eines aktuellen ZeitstĂŒcks (eines StĂŒcks fĂŒr den Augenblick) und öffentlichen Spektakels weist.[1]

Komposition und UrauffĂŒhrung

Mozart trug K. 535 in sein persönliches thematisches Werkverzeichnis (VerzeichnĂŒĂŸ aller meiner Werke) unter dem Titel „La Bataille“ mit dem Datum 23. Januar 1788 ein.[1] Zeitgenössische Annoncen deuten darauf hin, dass das StĂŒck rasch in Abschriften kursierte: Der Wiener Kopist Laurenz Lausch bewarb es am 19. MĂ€rz 1788 in der Wiener Zeitung unter dem Alternativtitel Die Belagerung Belgrads („The Siege of Belgrade“) und verknĂŒpfte die Contredanse damit mit der aktuellen Begeisterung rund um Österreichs Feldzug von 1788 gegen das Osmanische Reich.[1]

Die genaue ErstauffĂŒhrung ist in modernen Referenzzusammenfassungen nicht zuverlĂ€ssig dokumentiert. Das ist fĂŒr Tanzmusik dieser Art nicht ungewöhnlich: Solche StĂŒcke wurden oft fĂŒr bestimmte Ballsaisonen oder Spielorte geschrieben, mehrfach aufgefĂŒhrt und in praktischen Stimmen weitergegeben – nicht als „Premierenereignis“, wie es die spĂ€tere Konzertkultur gern festhĂ€lt. Mit Sicherheit lĂ€sst sich sagen, dass K. 535 fĂŒr ein Tanzensemble konzipiert war und schnell als funktionales AuffĂŒhrungsmaterial in Umlauf kam.[2]

Instrumentation

Besonders reizvoll an „La Bataille“ ist, dass die ĂŒberlieferte Beschreibung auf eine bewusst farbige, ja geradezu theatralische Besetzung hinweist – eher auf ein Miniatur-„SchlachtstĂŒck“ als auf eine höfliche Ballnummer.

Moderne Referenzverzeichnisse zum Werk nennen ein Orchester mit Piccolo, Klarinetten, Fagott, Trompete, Trommel und Streichern (auffĂ€llig ohne Bratschen).[3] Diese Palette – hohe HolzblĂ€ser, strahlendes Blech und Schlagwerk – legt Klangeffekte nahe, die sich in einem lebhaften Saal durchsetzen sollten: die SchĂ€rfe des Piccolos, das martialische Profil der Trompete und die unmissverstĂ€ndliche militĂ€rische Assoziation der Trommel.

Zugleich können Katalogzusammenfassungen fĂŒr TĂ€nze vereinfachte „Standard“-Besetzungen bieten, und manche EintrĂ€ge betonen eine konventionellere Tanzensemble-Anordnung (z. B. paarweise Oboen und Hörner mit Streichern und Bass).[4] Der grundlegende Punkt bleibt: K. 535 ist in seiner IdentitĂ€t eng an instrumentales Kolorit gebunden – und an die Idee einer Contredanse, die eine Szene ausmalt und nicht bloß einen Takt liefert.

Form und musikalischer Charakter

Als Contredanse ist „La Bataille“ auf regelmĂ€ĂŸige Phrasen und klare Wiederholungen angelegt – Merkmale, die Gruppen von TĂ€nzern koordinieren und Figuren an vorhersehbaren Kadenzen „einrasten“ lassen. Doch Mozarts Titel lĂ€dt dazu ein, diese Phrasen als mehr zu hören denn als symmetrische Tanzeinheiten. „Schlacht“-Musik des spĂ€ten 18. Jahrhunderts arbeitete hĂ€ufig mit wiedererkennbaren Klangemblemen: Trompetensignalen, Trommelmustern, abrupten dynamischen Kontrasten und hellen „Freiluft“-SonoritĂ€ten.

Statt einer ErzĂ€hlung im symphonischen Sinn scheint K. 535 auf unmittelbare, bildhafte VerstĂ€ndlichkeit zu zielen. Man kann sich vorstellen, wie der Saal nicht nur auf die Schritte reagiert, sondern auch auf den Witz der Anspielung: eine Ballsaal-Contredanse, die sich fĂŒr einen Moment als militĂ€risches Tableau verkleidet. Das ist Programmmusik im sozialen Maßstab – kurz, zweckmĂ€ĂŸig und darauf angelegt, ihre Idee in Sekunden mitzuteilen.

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Ihr Reiz innerhalb von Mozarts ƒuvre liegt auch im Zeitpunkt. Anfang 1788 komponierte er fĂŒr das PrĂ€sens der Stadt: Neben K. 535 trug Mozart am 5. MĂ€rz 1788 ein patriotisches, kriegsbezogenes Lied ein, Ein deutsches Kriegslied („Ich möchte wohl der Kaiser sein“), K. 539 – wiederum durch Dokumente mit derselben Welle öffentlicher Begeisterung verbunden.[1] Gegen die vertraute ErzĂ€hlung von 1788 als Jahr von Mozarts „abstraktem“ symphonischem Gipfel zeigen diese aktuellen Miniaturen ein paralleles kreatives Leben: Musik, die rasch zirkulieren, oft gespielt werden und Wien dort erreichen sollte, wo es lebte.

Rezeption und Nachwirkung

„La Bataille“ hat nie den zentralen Platz in der Mozart-Rezeption eingenommen, der Opern, Konzerten oder den letzten Symphonien vorbehalten ist – teils, weil TĂ€nze lange als Ephemera galten, teils, weil ihre ursprĂŒngliche Funktion (koordinierte Bewegung in einem spezifischen gesellschaftlichen Rahmen zu begleiten) sich in modernen Hörgewohnheiten nur schwer authentisch wiederherstellen lĂ€sst.

Doch K. 535 verdient Aufmerksamkeit gerade als spĂ€ter Mozart aus nĂ€chster NĂ€he. Es zeigt, wie er Charakterisierung auf wenige Takte verdichten und öffentliche Ereignisse in musikalische Zeichen ĂŒbersetzen konnte, ohne die Klarheit der Phrasierung zu opfern. In diesem Sinn steht „La Bataille“ neben anderen programmatisch betitelten Contredanses aus demselben Umfeld: ein Beleg dafĂŒr, dass Mozarts Wiener Tanzmusik nicht bloß generisches FĂŒllmaterial war, sondern ein Feld, in dem aktuelle BezĂŒge, instrumentales Experiment und ein scharfer theatralischer Instinkt zusammen auftreten konnten – kurz, und von entwaffnender Direktheit.[5]

[1] MozartDocuments.org: contextual note citing Mozart’s thematic-catalogue date for K. 535 (23 Jan 1788) and the *Wiener Zeitung* advertisement (19 Mar 1788) under the title *Die Belagerung Belgrads*.

[2] Köchel-Verzeichnis (Mozarteum): work page for K. 535 ("La Bataille"), describing it as for dance ensemble and listing its catalogue affiliations/publications.

[3] IMSLP: K. 535 page giving general information and an instrumentation summary (incl. piccolo, clarinets, trumpet, drum, strings).

[4] Köchel-Verzeichnis (Mozarteum, German): K. 535 page including a brief scoring line (oboes, horns, strings, bass).

[5] Wikipedia: list entry noting K. 535 among Mozart’s programmatic contredanses (context for genre and topical titles).