K. 534

Contredanse „Das Donnerwetter“ in D-Dur (K. 534)

볼프강 아마데우스 모차르트 작

Silverpoint drawing of Mozart by Dora Stock, 1789
Mozart, silverpoint by Dora Stock, 1789 — last authenticated portrait

Mozarts Contredanse in D-Dur, „Das Donnerwetter“ (K. 534), ist ein schwungvolles Wiener Ballstück aus dem Jahr 1788 – eines der anschaulichsten Beispiele des Komponisten für „programmatische“ Tanzmusik. Entstanden, als Mozart 32 war und erst seit Kurzem verpflichtet, für den kaiserlichen Hof die Tänze der Faschingssaison zu liefern, verdichtet das Stück theatrale Wettereffekte in eine Form, die für das gesellschaftliche Tanzen gedacht ist.

Hintergrund und Kontext

Wien verlangte in den späten 1780er-Jahren Musik nicht nur für Theater und Konzertsaal, sondern auch – und zwar sehr nachdrücklich – fürs Tanzen. Im Dezember 1787 wurde Mozart zum Kammermusicus (Kammermusiker) am kaiserlichen Hof ernannt, ein Amt, das neben anderen Pflichten auch die regelmäßige Lieferung von Tanzmusik für die während der Faschingssaison in der Redoutensaal veranstalteten Hofbälle umfasste [1]. Dieses „Gebrauchs“-Repertoire wirkt neben den Sinfonien und Kammerwerken derselben Zeit zwar leicht bescheiden, zeigt Mozart jedoch in einer anderen Art von Konzentration: kurze Spannweiten, unmittelbare Effekte, sofortige Verständlichkeit.

„Das Donnerwetter“ („The Thunderstorm“, mitunter auch als „The Tempest“ erläutert) ragt in diesem utilitaristischen Zusammenhang heraus, weil es nicht bloß eine neutrale Tanzweise ist. Wie mehrere von Mozarts Contredanses mit sprechenden Titeln deutet es auf außermusikalische Bildlichkeit – Musik, die nicht nur getanzt, sondern gleichsam auch gesehen werden soll, sei es durch lautmalerische Gesten, rhythmische Unruhe oder scharf konturierte Kontraste. Das Ergebnis ist ein theatrales Miniaturstück: eine Sturmszene, für den Ballsaal eingerichtet.

Entstehung und Uraufführung

Das Köchel-Verzeichnis (der thematische Katalog der Internationalen Stiftung Mozarteum) datiert Das Donnerwetter auf Wien, 14. Januar 1788, und führt es als beglaubigtes, erhaltenes Werk (Autograf vorhanden) [1]. Es gehört zu einer größeren Gruppe von Contredanses, die für den Hoftanz geschrieben wurden und nicht als eigenständige Konzertstücke für den Druck gedacht waren [1].

Wie bei vielem von Mozarts Tanzmusik sind die genauen Umstände einer ersten Aufführung nicht in derselben Weise gesichert wie etwa bei einer Opernpremiere. Der intendierte Aufführungsort ist jedoch durch die Funktion stark nahegelegt: Diese Contredanses wurden für die Wiener Ballkultur komponiert, der Mozart als kaiserlicher Amtsinhaber diente [1]. Auch ohne benannte „Uraufführung“ ist der gesellschaftliche Rahmen entscheidend. Eine Contredanse lebt von kinetischer Klarheit – quadratischen Phrasen, markanten Kadenzen und rhythmischen Profilen, die Koordination in einem Saal voller Tanzender überhaupt erst möglich machen.

Instrumentation

Katalogquellen überliefern leicht unterschiedliche Auffassungen zur Besetzung – ein Spiegel der flexiblen Aufführungspraxis, die für dieses Repertoire typisch ist. Der Mozarteum-Katalog gibt die Instrumentation an als:

  • Holzbläser: 1 Flöte, 2 Oboen
  • Blechbläser: 2 Hörner, 1 Trompete
  • Streicher: Violinen I & II, Violoncello und Kontrabass (bassi)

[1]

IMSLP nennt – als Zusammenfassung gängiger Aufführungsmaterialien – ein kompakteres Orchester: 2 Oboen, 2 Hörner und Streicher (ohne Bratschen). Das erinnert daran, dass Mozarts Tänze oft in Fassungen umliefen, die sich dem jeweils verfügbaren Personal eines Balles anpassten [2].

Zwei Dinge fallen selbst in diesen nüchternen Listen auf. Erstens ist die Präsenz der Trompete (im Mozarteum-Eintrag ausdrücklich genannt) eine auffällige Farbe für eine Tanzminiatur und verleiht D-Dur sofort eine zeremonielle Schärfe. Zweitens sorgt der schlanke Streichersatz – in solchen Stücken oft ohne Bratschen – für Klarheit und Biss: Das musikalische „Wetter“ wird mit flotten Konturen gemalt, nicht mit sinfonischer Dichte.

Form und musikalischer Charakter

Als Contredanse ist Das Donnerwetter auf Wiederholung, rasches Erfassen und körperlichen Schwung angelegt. Der Mozarteum-Katalog fasst die Gattungsnormen so zusammen: Contredanses stehen überwiegend im 2/4-Takt und entfalten sich typischerweise in einer Folge kurzer Abschnitte, die jeweils wiederholt werden – oft in regelmäßigen Vielfachen von vier Takten [1]. Selbst wenn Mozart mit malerischen Ideen spielt, tut er es innerhalb dieses Rasters.

Was macht also „Das Donnerwetter“ unverwechselbar? Vor allem demonstriert es, wie wenig Material Mozart benötigt, um eine Szene anzudeuten. In einem Balltanz kann der „Sturm“ keine ausgreifende Erzählung werden; er muss als Bündel sofort lesbarer Zeichen wirken. Man kann (und Ausführende betonen oft) mit Gesten rechnen, die ein Publikum des 18. Jahrhunderts unmittelbar mit Erregung verband: rasche Tonrepetitionen, schroffe Unisono-Rhythmen und scharfe dynamische Kontraste – musikalische Entsprechungen von Blitzaufleuchten und Donnerschlag.

Ebenso wichtig ist die Disziplin des Tanzformats. Ziel ist nicht, die Tanzenden zu überwältigen, sondern sie zu beleben. In diesem Sinn verkörpert das Stück eine typisch mozartische Gratwanderung: theatrale Farbe, ohne die Proportion preiszugeben. Der Sturm, so eindrücklich er ist, erscheint in wohlabgemessenen Phrasen, und die Kadenzen bleiben unmissverständlich – Musik, die erschrecken kann und dennoch „zählbar“ bleibt.

Neben Mozarts größeren Projekten des Jahres 1788 (dem Jahr seiner letzten drei Sinfonien) eröffnet diese Contredanse zudem eine andere Perspektive auf seine kompositorische Welt. Sie erinnert daran, dass sein Wiener Leben nicht in „Meisterwerke“ und „Nebensachen“ zerfiel, sondern aus sich überlagernden Verpflichtungen bestand: Publikumswunsch, Hofdienst, finanzieller Druck und künstlerischer Anspruch. Auch die Tanzfläche war eine Bühne.

Rezeption und Nachwirkung

Das Donnerwetter gehörte nie zu den kanonischen „Mozart-Hits“ und erscheint selten als eigenständige Konzertnummer. Dennoch bleibt es in Aufführung und Einspielung präsent – gerade weil es etwas bietet, das heutige Hörerinnen und Hörer sofort erkennen: prägnante Charakterzeichnung und einen Anflug von Humor in der Idee, Wettereffekte für die gesellschaftliche Unterhaltung zu miniaturisieren.

Seine Nachwirkung ist auch praktischer Natur. Das Stück ist über moderne Bibliotheks- und Online-Notenressourcen (einschließlich Bearbeitungen und Nachdrucken) breit zugänglich und liefert Orchestern ein pointiertes, unter einer Minute langes Encore, das ein sonst von großen Formen dominiertes Programm aufhellen kann [2]. Für Hörende ist es eine kurze Lektion in Mozarts Kunst im Kleinen; für Ausführende eine Schule in Artikulation, Timing und Klangfarbe.

Am Ende verdient „Das Donnerwetter“ Aufmerksamkeit, weil es eine Wahrheit über Mozarts Wien einfängt: Derselbe Komponist, der ein sinfonisches Finale von gewaltiger architektonischer Kraft bauen konnte, vermochte auch, ein „Donnerwetter“ in tanzbare, wiederholbare Phrasen zu destillieren – Musik für Körper in Bewegung, geformt von einem Geist, der nie aufhörte zu dramatisieren.

악보

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[1] Köchel Verzeichnis (International Mozarteum Foundation): work entry for K. 534 with dating (Vienna, 14 Jan 1788) and instrumentation.

[2] IMSLP: Country Dance in D major, K. 534—basic data and commonly listed instrumentation/genre information.