3 Contredanses (K. 535a)
볼프강 아마데우스 모차르트 작

Mozarts 3 Contredanses (K. 535a; K⁹) gehören zum lebhaften Wiener Tanzrepertoire, das er Anfang 1788 lieferte, als er 31–32 Jahre alt war und – zumindest dem Prinzip nach – neu verpflichtet, Musik für die kaiserlichen Karnevalsbälle bereitzustellen. In ihrem Umfang bescheiden und lange als randständig betrachtet (teils sogar mit zweifelhafter Echtheit), bieten sie einen aufschlussreichen Einblick darin, wie Mozart für den Ballsaal schrieb: knapp, rhythmisch wach und auf unmittelbare körperliche Reaktion statt auf konzertante Schaustellung angelegt.
Hintergrund und Kontext
Wien erwartete in den späten 1780er-Jahren Tanzmusik in großen Mengen, besonders während der Karnevalszeit. Nach Mozarts Hofbestallung im Dezember 1787 als Kammermusikus und Komponist am kaiserlichen Hof steuerte er „regelmäßig“ Tanzzyklen für die öffentlichen Bälle in der Redoutensaal/Redoutensäle bei – Veranstaltungen, die brauchbare, wiederholbare Nummern verlangten, nicht eine ausgefeilte musikalische Argumentation [1] [2].
Vor diesem Hintergrund ist K. 535a am besten nicht als „kleines Meisterwerk“ im symphonischen Sinne zu verstehen, sondern als Gesellschaftsmusik von hoher handwerklicher Qualität. Die Contredanse (contredanse / Kontratanz) – ein Paartanz französisch-englischer Herkunft, normiert zu kurzen, abschnittsweise gebauten Melodien – wurde wegen klarer Phrasierung, eines starken metrischen Profils und der Möglichkeit geschätzt, sie zu Folgen für einen Festabend zusammenzunähen [1]. Mozarts Contredanses stehen oft an der Grenze zwischen funktionaler Komposition und Charakterstück: Selbst wenn ein Tanz nur ein bis zwei Minuten dauert, kann er doch eine charakteristische harmonische Wendung, eine witzige Kadenz oder eine Orchesterfarbe tragen, die ihn unverkennbar macht.
K. 535a ist auch deshalb bemerkenswert, weil es Mozart beim Komponieren „kleiner Formen“ zeigt – genau in dem Moment, in dem er zugleich größere, privatere Aussagen formulierte. Anfang 1788 ist dicht gefüllt mit Tanzaufträgen und kurzen Orchesterstücken; zugleich ist es das Jahr bedeutender Kammer- und Symphonieprojekte. K. 535a neben diesen Werken zu hören, schärft den Blick für Mozarts Vielseitigkeit – dafür, wie schnell er von öffentlicher Unterhaltung zu konzentrierter Kunst wechseln konnte.
Komposition und Uraufführung
Das Köchel-Verzeichnis verortet die 3 Contredanses (K. 535a) in Wien und datiert sie auf Anfang 1788 [3]. Das Köchel-Verzeichnis der Mozarteum-Stiftung führt sie als KV zu 535a,01–03 und ordnet sie den höfischen Tanztypen zu, die Mozart nach der Anstellung von 1787 lieferte; zugleich beschreibt es das typische Contredanse-Schema: überwiegend 2/4 (seltener 6/8), aufgebaut aus bis zu vier wiederholten Abschnitten mit regelmäßigen Phrasenlängen, die zur Choreographie passen [1].
Genaue Details einer ersten Aufführung von K. 535a sind nicht so zuverlässig dokumentiert, wie es bei Mozarts Konzertwerken oft möglich ist. Das ist für Ballsaal-Repertoire nicht ungewöhnlich: Die „Premiere“ war häufig schlicht der erste Abend, an dem das Set bei einer Redoute (oder einem verwandten öffentlichen/privaten Ball) gespielt wurde – mitunter von Hofmusikern, die aus praktischen Stimmen lasen. Mit anderen Worten: K. 535a wurde mit großer Wahrscheinlichkeit zum Gebrauch geschrieben, nicht zur Ankündigung.
Hinzu kommt, dass in der modernen Katalogisierung mindestens eine der einzelnen Contredanses der Gruppe ausdrücklich mit einem Warnhinweis versehen ist: KV 535a,02 wird als Werk zweifelhafter Echtheit bezeichnet, wobei der Notentext als überliefert beschrieben wird [4]. Das nimmt dem ganzen Set nicht automatisch seinen Reiz; vielmehr erinnert es daran, wie fließend die Überlieferung von Tanzmusik sein konnte – über Stimmenmaterial, Abschriften und Bearbeitungen hinweg – im Vergleich zu Mozarts stärker „fixierten“ Gattungen.
Instrumentation
Da Quellenlage und Zuschreibungen bei Tanzstücken variieren können, ist es am sichersten, die Instrumentation nach kataloggestützter Dokumentation anzugeben. Für KV 535a,02 (einen Tanz innerhalb der Gruppe) nennt der Mozarteum-Katalog eine kompakte Besetzung eines „Tanzensembles“:
- Holzbläser: 2 Oboen
- Blechbläser: 2 Hörner
- Streicher: Violinen I & II, Bass (b; eine Kurzbezeichnung, die je nach örtlicher Praxis eine Continuo-/Basslinie meinen kann, realisiert durch Violoncello und Kontrabass) [4]
Selbst diese kleine Palette ist aufschlussreich. Zwei Oboen und zwei Hörner waren in Wiens öffentlicher Unterhaltungsmusik Standardfarben des Festlichen: Die Oboen sorgen für rhythmischen „Schwung“ und helle melodische Kontur, während die Hörner Kadenzen stützen und zeremonielle Wärme hinzufügen – ohne den schwereren Prunk von Trompeten und Pauken. Die Basslinie wiederum hält den Tanz am Boden: weniger als eigenständige kontrapunktische Stimme, mehr als verlässlicher Antrieb.
Form und musikalischer Charakter
Als Gattung ist die Contredanse auf Klarheit hin konstruiert. Die Beschreibung des Typs im Mozarteum-Katalog – kurze wiederholte Abschnitte, regelmäßige Vielfache von vier Takten und ein starkes gerades Metrum – weist darauf, worauf Hörer zuerst achten sollten: nicht auf thematische Entwicklung, sondern auf Phrasen, die „einrasten“ und Körperbewegung auslösen [1].
Worauf man in Mozarts Contredanse-Stil achten kann
Selbst wenn eine Contredanse im Charakter anonym wirkt, schärft Mozart meist drei musikalische Parameter:
- Kadenzieller Witz. Mozarts Tanzschlüsse wirken oft ein wenig „klüger“, als es nötig wäre – eine zusätzliche harmonische Finte oder eine von den Bläsern verstärkte Kadenz, die den Tänzern einen klaren Wendepunkt gibt.
- Orchestrale Interpunktion. Oboen können den Einsatz zu Beginn jeder wiederholten Periode zuspitzen; Hörner können den harmonischen Rahmen weiten, damit die Musik einen Ballsaal füllt.
- Ausgewogene Symmetrie mit kleinen Überraschungen. Die Choreographie braucht Symmetrie; Mozart liefert sie, aber er versteht es auch, mit einem raschen dynamischen Kontrast oder einer melodischen Nuance die Wiederholung zu beleben.
K. 535a als Gesellschaftskomposition
Das tiefere Interesse von K. 535a liegt in seinem sozialen Zweck. Diese Tänze waren nicht „Hintergrundmusik“ im modernen Sinn; sie waren funktionale Kunst für öffentliche Rituale der Selbstdarstellung und Geselligkeit. Ihr Erfolg beruhte auf Vorhersehbarkeit (damit der Tanz funktioniert) und Charme (damit sich die Wiederholung lohnt). In dieser Hinsicht zeigt K. 535a exemplarisch Mozarts Fähigkeit, Musik zu schreiben, die unmittelbar lesbar ist und dennoch die Handschrift einer kompositorischen Persönlichkeit trägt.
Rezeption und Nachwirkung
K. 535a hat nie zum zentralen Konzertkanon gehört, und die teilweise Einstufung als „zweifelhafte Echtheit“ in der modernen Katalogisierung bremst die Programmierung naturgemäß [4]. Dennoch bleibt das Set für alle wertvoll, die Mozarts Wien als lebendiges musikalisches Ökosystem verstehen wollen – nicht als Museum der Meisterwerke.
Erstens dokumentiert es die Arbeitsbedingungen hinter den kaiserlichen Tanzsaisons, wie sie in gängigen Darstellungen zu „Mozart und Tanz“ beschrieben werden, in denen Mozarts Hofrolle ausdrücklich mit der Produktion von Redoutensaal-Tänzen verknüpft ist [2]. Zweitens zeigt es, wie Orchesterkomponieren im späten 18. Jahrhundert auf einem Kontinuum existierte: von Symphonien und Konzerten bis zu funktionalen Tanznummern, die auf dieselben Spieler zurückgriffen und oft dasselbe klangliche Vokabular nutzten.
Beim heutigen Hören lässt sich K. 535a auf zwei sich ergänzende Arten schätzen: als kurze Ablenkung – Musik, die lächelt und weiterzieht – und als historisches Dokument. Sie erinnert daran, dass Mozarts Genie nicht nur in der Fähigkeit lag, große Formen zu tragen, sondern auch darin, kleine vollkommen treffend zu gestalten – zugeschnitten auf ein Publikum, das ganz buchstäblich auf den Beinen war.
[1] Mozarteum Köchel-Verzeichnis: overview page for KV zu 535a,01–03 (genre description; court-ball context; typical contredanse structure).
[2] Wikipedia: “Mozart and dance” (court appointment; Redoutensäle ball context; overview of Mozart’s dance output).
[3] Wikipedia: Köchel catalogue table entry for K. 535a (work title; early 1788; Vienna).
[4] Mozarteum Köchel-Verzeichnis: KV 535a,02 “Contredance in A” (doubtful authenticity; extant; instrumentation listing).