9 Variationen in D-Dur ĂŒber ein Menuett von Duport, K. 573
von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts 9 Variationen in D-Dur ĂŒber ein Menuett von Duport (K. 573) sind ein spĂ€tes, konzentriertes MeisterstĂŒck der Kunst der Klaviervariation, vollendet am 29. April 1789 in Potsdam, als der Komponist 33 Jahre alt war. Auf der Grundlage eines unscheinbaren Menuetts des preuĂischen Hofcellisten Jean-Pierre Duport verwandelt der Zyklus höfische Eleganz in ein kleines Drama aus Farbe, Kontrapunkt und harmonischer Ăberraschung.
Hintergrund und Kontext
Im FrĂŒhjahr 1789 verlieĂ Wolfgang Amadeus Mozart (1756â1791) Wien zu einer langen Reise nach Norden, begleitet von seinem Gönner FĂŒrst Karl Lichnowsky, und reiste ĂŒber Dresden und Leipzig nach Berlin und Potsdam. Die Reise sollte berufliche TĂŒren öffnen â vor allem am Hof des cello-spielenden Königs Friedrich Wilhelm II. von PreuĂen â und brachte Mozart zugleich in unmittelbaren Kontakt mit einem erlesenen Kreis preuĂischer Kammermusiker. Henles Kommentar stellt K. 573 in den Zusammenhang dieser Tournee und deutet das Werk als höfliche Huldigung an Jean-Pierre Duport (1741â1818), den königlichen Kammermusikdirektor und gefeierten Cellisten-Komponisten am Hof.[1]
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Dass das Thema von Duport stammt, ist keineswegs nebensĂ€chlich. Wie Mozarts andere eigenstĂ€ndige Klaviervariationszyklen nimmt K. 573 eine bereits existierende Melodie und behandelt sie als Ausgangspunkt fĂŒr Erfindung statt bloĂer AusschmĂŒckung â ein Ansatz, der in Mozarts öffentlicher Rolle als Improvisator wurzelt, fĂŒr den Variationen als SchaubĂŒhne von Witz, Kontrolle und SpontaneitĂ€t dienen konnten.[2]
Komposition
Mozart vollendete K. 573 am 29. April 1789 in Potsdam.[3] Das Thema ist ein Menuett aus Duports Sammlung von sechs Sonaten fĂŒr Violoncello und Basso continuo, Op. 4 (konkret aus der letzten Sonate des Zyklus) â eine Wahl, die nahelegt, dass Mozart auf Musik reagierte, der er in den Kreisen des preuĂischen Hofes begegnet war.[3]
Chronologisch gehört das Werk in dieselbe spĂ€te Schaffensphase wie die Klaviersonate in Bâ-Dur, K. 570 (Februar 1789) und steht nahe am Beginn der sogenannten âPreuĂischenâ Kammermusikwerke (insbesondere der Streichquartette K. 575, K. 589 und K. 590). FĂŒr Hörerinnen und Hörer, die Mozart vor allem ĂŒber die groĂen öffentlichen Statements der Klavierkonzerte oder der Opern kennen, bietet K. 573 etwas anderes: ein privates Labor im Miniaturformat, in dem die Verfeinerung von Satz und Harmonik wichtiger ist als demonstrative VirtuositĂ€t.[3]
Form und musikalischer Charakter
Das Werk bringt ein Thema (Menuet) und darauf folgend neun Variationen. Im Groben folgt es einem Muster, das fĂŒr Mozarts eigenstĂ€ndige Variationszyklen typisch ist: Im Verlauf des Zyklus wird die Schreibweise tendenziell immer kunstvoller und anspruchsvoller, und die spĂ€teren Variationen steigern meist den Kontrast â hĂ€ufig durch den Wechsel in die Paralleltonart Moll und die Vorbereitung eines schnelleren, brillanteren Abschlusses.[2]
Was K. 573 besonders beachtenswert macht, ist die Balance des SpĂ€tstils zwischen oberflĂ€chlichem Charme und tieferem harmonischem und kontrapunktischem Denken. Anstatt das Menuett als Vehikel fĂŒr schillernde Klavierfiguration zu nutzen, arbeiten die Variationen hĂ€ufig mit ökonomischen Tonleiter- und Arpeggio-Mustern, die das Profil des Themas klĂ€ren (und zugleich subtil verwandeln).[3]
Mehrere Details unterstreichen Mozarts reife Imagination im bescheidenen Rahmen:
- Texturale Intelligenz. Die erste Variation wurde in ihrer Satztextur als an die zeitgleich entstandene Klaviersonate in Bâ-Dur, K. 570 erinnernd beschrieben â ein Hinweis darauf, dass Mozarts âgroĂeâ Klaviersprache und seine GelegenheitsstĂŒcke eng miteinander verwandt sind.[3]
- Chromatische Schattierungen. Die stĂ€rker nach innen gewendete Seite des Zyklus zeigt sich in chromatischen EinfĂ€rbungen, die das einfache harmonische GerĂŒst des Themas verkomplizieren; die minore-Variation (in d-Moll) wird als Stelle hervorgehoben, an der Chromatik den Charakter vertieft, statt lediglich die Brillanz zu steigern.[3]
- Ein âspĂ€tmozartischesâ Dramabewusstsein im Kleinen. Selbst innerhalb der gesellschaftlichen Contenance eines Menuetts kann Mozart rasch zwischen Leichtigkeit und Schwere umschlagen â jene âschnellen emotionalen SprĂŒngeâ, die man aus den spĂ€ten Klavierkonzerten kennt, hier verdichtet zu kurzen, scharf profilierten Tafeln.[3]
Insgesamt ist K. 573 kein groĂer Zyklus wie Ah, vous dirai-je, Maman, K. 265/300e, doch verkörpert es eine stĂ€rker nach innen gerichtete spĂ€te Ăsthetik: Variationstechnik, die nicht nur dekoriert, sondern ein Thema interpretiert â indem sie seine harmonischen Implikationen, seine FĂ€higkeit zur kontrapunktischen Anreicherung und seine emotionale Spannweite erprobt.
Rezeption und Nachwirkung
Obwohl K. 573 im Vergleich zu Mozarts Sonaten und Konzerten etwas abseits der ausgetretenen Pfade liegt, ist es seit langem in gedruckten Ausgaben verbreitet und heute weiterhin in wissenschaftlicher Urtext-Form verfĂŒgbar (etwa im Band der Neuen Mozart-Ausgabe mit den Klaviervariationen).[4]
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Moderne Interpretinnen und Interpreten schĂ€tzen den Zyklus oft gerade deshalb, weil er ein spĂ€tes Werk im kleinen MaĂstab ist: Er kann als elegantes Recital-StĂŒck dienen, als stilistische BrĂŒcke zwischen klassischer Variationspraxis und den psychologisch stĂ€rker aufgeladenen Variationszyklen der frĂŒhen Romantik sowie als kompakte Studie von Mozarts FĂ€higkeit, âhöfischesâ Material zugleich in mehreren Stimmen sprechen zu lassen. Hört man auf seine chromatischen Wendungen und die leise kumulative Architektur, wirkt K. 573 weniger wie ein kleines GelegenheitsstĂŒck als vielmehr wie ein destilliertes Beispiel von Mozarts reifer Klavierkunst â an der OberflĂ€che graziös, doch durchweg geistig lebendig.[2]
[1] G. Henle Verlag, work page and commentary for *9 Variations on a Minuet by Duport*, K. 573 (context of the 1789 Prussian journey; homage to Duport).
[2] Mozarteum Foundation (Köchel Catalogue online), general description of Mozartâs keyboard variation sets and their typical dramaturgy (minor-mode slow variation leading to a fast finale).
[3] Liner notes PDF (Kristian Bezuidenhout, *Mozart: Keyboard Music Vols. 8 & 9*), giving completion date (Potsdam, 29 April 1789), Duport Op. 4 source, and stylistic observations on texture and chromaticism (including the D-minor *minore* variation).
[4] IMSLP work page for K. 573, including bibliographic details and reference to the Neue Mozart-Ausgabe (NMA IX/26) keyboard variations volume.









