K. 590

Streichquartett Nr. 23 in F-Dur, K. 590 („Preußisches“ Nr. 3)

ヴォルフガング・アマデウス・モーツァルト作

Silverpoint drawing of Mozart by Dora Stock, 1789
Mozart, silverpoint by Dora Stock, 1789 — last authenticated portrait

Mozarts Streichquartett Nr. 23 in F-Dur, K. 590—im Juni 1790 in Wien vollendet—steht als letzter Beitrag seines gefeierten „Preußischen“ Triptychons (K. 575, 589, 590). Mit einer auffallend beredten Cellostimme für König Friedrich Wilhelm II. von Preußen geschrieben, verbindet das Werk spätklassische Souveränität mit einer leise suchenden Innerlichkeit.

Hintergrund und Kontext

1790 war Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) 34 Jahre alt, lebte in Wien und schrieb Kammermusik nur noch sporadisch—eingespannt zwischen Opernprojekten, öffentlichen Konzerten, Unterricht und wiederkehrender finanzieller Bedrängnis. Vor diesem Hintergrund nehmen die drei sogenannten „Preußischen“ Quartette eine besondere Stellung ein: Sie sind nicht experimentell im Sinne der „Haydn“-Quartette, verfeinern jedoch die dialogischen Ideale der Gattung mit einem zusätzlichen Maß an instrumentaler Diplomatie—vor allem gegenüber dem Violoncello.

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Der Beiname verweist auf die Berliner/Potsdamer Verbindung zu König Friedrich Wilhelm II. von Preußen (reg. 1786–1797), einem begeisterten Amateurcellisten. Mozarts Zyklus wird daher häufig als Musik verstanden, die für einen bestimmten Spielertyp gedacht ist: einen kultivierten Musiker, der innerhalb des Quartettgewebes mitreden wollte—nicht nur getragen oder gestützt werden [1]. Das F-Dur-Quartett, K. 590, ist das dritte und letzte der Gruppe—und zugleich Mozarts letztes vollendetes Streichquartett [2].

Komposition und Widmung

K. 590 ist sicher auf Juni 1790 datiert und in Wien verortet, entsprechend Mozarts Kammermusikschaffen um 1790 und der Chronologie der „Preußischen“ Gruppe [2]. Der Werkartikel im Köchel-Verzeichnis ordnet das Quartett ebenfalls dem geplanten Dreierzyklus (K. 575, 589, 590) zu, der mit Friedrich Wilhelm II. verbunden ist, und hebt sowohl den Ruf des Königs als fähigen Cellisten als auch die daraus folgende ungewöhnlich prominente Celloführung hervor [3].

Eine praktische Besonderheit betrifft die frühe Publikationsgeschichte: Die „Preußischen“ Quartette erschienen beim Wiener Verlag Artaria erst nach Mozarts Tod, als Sammlung (Op. 18) [1]. Diese Verzögerung hilft zu erklären, warum K. 590—trotz seiner Ausarbeitung und seines höfischen Bezugspunkts—nie jene eine ikonische „öffentliche“ Anekdote ausbildete, wie sie manche Mozart-Werke begleitet. Es ist Kammermusik, deren Nachruhm sich eher aus der Bewunderung von Musikerinnen und Musikern speiste als aus unmittelbarer Berühmtheit.

Form und musikalischer Charakter

Besetzung (Standard-Streichquartett):

  • Streicher: 2 Violinen, Viola, Violoncello [4]

Sätze (viersätzige Anlage):

  • I. Allegro moderato (F-Dur)
  • II. Andante (B♭-Dur)
  • III. Menuetto: Allegretto (F-Dur) – Trio
  • IV. Allegro (F-Dur) [2]

Ein „preußisches“ Gleichgewicht: das Cello als Partner, nicht als Podest

Die Besonderheit von K. 590 liegt nicht darin, das Quartett in ein Cellokonzert en miniature zu verwandeln; vielmehr behandelt es das Cello konsequent als erstklassigen Gesprächspartner. In thematischen Übergaben und in der Registerdisposition lässt Mozart das Cello immer wieder über seine übliche Begleitfunktion hinaus zu Wort kommen—oft gerade in Momenten, in denen man erwartet, dass eine Violine führt. Genau diese subtile, auf den Ausführenden bezogene Schreibweise macht das Etikett „preußisch“ zu mehr als einem Marketingnamen: Die soziale Rhetorik des Quartetts (wer führt, wer antwortet, wer trägt) wird neu gewichtet.

I. Allegro moderato: spätklassische Klarheit mit dialogischem Biss

Der erste Satz zeigt Mozarts reife Beherrschung der Sonatenhauptsatzform (Exposition, Durchführung, Reprise), ohne in vordergründige Dramatik auszuweichen. Die Themen sind für rasche Zirkulation im Ensemble gebaut, und die Beteiligung des Cellos ist von Beginn an präsent: nicht nur als harmonisches Fundament, sondern als Teil melodischer Argumentation und rhythmischer Kontur. Das Ergebnis kann nahezu mühelos wirken—doch es ist eine sorgfältig konstruierte „Leichtigkeit“, in der Ausgewogenheit und Transparenz zum eigentlichen Ausdruck werden.

II. Andante: Innenton, gezügelte Intensität

Der langsame Satz in B♭-Dur gehört zu den still markanten Seiten des Quartetts. Seine Lyrik ist unangestrengt, die emotionale Temperatur eher kontrolliert als opernhaft—ein Beispiel für Mozarts späten Kammermusikstil, in dem Tiefe oft durch Zurücknahme entsteht. Hier trägt die expressive Cellolinie zu einem ungewöhnlich warmen Mittelregister im ganzen Ensemble bei und schafft einen Klang, der weniger nach Solist-und-Begleitung wirkt als nach gemeinsamem, gesungenem Sprechen.

III. Menuetto: Allegretto: höfische Oberfläche, feine Details

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Das Menuett kehrt nach F-Dur zurück und nimmt an der Oberfläche eine vertraute gesellschaftliche Tanzhaltung wieder auf. Doch Mozarts späte Menuette spielen häufig mit Erwartung—durch Akzentverschiebungen, enge Imitation und raschen Wechsel der Satztypen—und der dritte Satz von K. 590 belohnt Ausführende, die eher Finesse als Lautstärke suchen. Selbst wenn die Schreibweise „einfach“ scheint, bleibt durch die Stimmenverteilung das Ohr in Bewegung, statt sich auf eine einzige Führungsstimme festzulegen.

IV. Allegro: Witz ohne Schwerelosigkeit

Das Finale krönt das Werk mit zügiger Energie und einem Ton, der freundlich, aber nicht belanglos ist. Mozarts späte Finalsätze verbinden oft gelehrte Kunst mit publikumsnaher Anmut, und der Schlusssatz von K. 590 tut genau das: Er hält das Gewebe federnd, schafft Raum für rasches kontrapunktisches Wechselspiel und beendet die Trilogie mit einem Eindruck souveräner Widerstandskraft.

Rezeption und Nachwirkung

Da K. 590 erst postum als Teil von Artarias Op.-18-Ausgabe veröffentlicht wurde, trat es nicht mit jener hochkarätigen Uraufführungsgeschichte in die Welt, die vielen Konzertwerken anhaftet [1]. Sein Ruf wuchs stattdessen innerhalb der Quartetttradition, wo Interpretinnen und Interpreten es als Muster spätklassischer Balance schätzen: gedanklich konzentriert, in den Mitteln ökonomisch und in der Stimmführung ungewöhnlich demokratisch.

Heute verdient Streichquartett Nr. 23 in F-Dur, K. 590 Aufmerksamkeit nicht als „kleines“ Spätwerk, sondern als aufschlussreicher Endpunkt. Es zeigt Mozart, nahe dem Ende seines Lebens, bei der Rückkehr zur Quartettgattung nicht im Bestreben, die erstaunlichen Spannungen des „Haydn“-Zyklus zu übertreffen, sondern Intimität neu zu denken—als Musik kultivierter Konversation, in der das Cello, das Instrument eines Königs, als gleichberechtigter Bürger des Ensembles willkommen ist [3].

楽譜

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[1] Wikipedia — overview of the “Prussian Quartets,” dedication context, and Artaria posthumous publication (Op. 18).

[2] Wikipedia — String Quartet No. 23 in F major, K. 590: date (June 1790), movements, and contextual notes.

[3] Internationale Stiftung Mozarteum — Köchel-Verzeichnis entry for KV 590 (work data and contextual description).

[4] IMSLP — work page for String Quartet No. 23, K. 590 (basic scoring/catalog identifiers and editions).