K. 574

Kleine Gigue in G-Dur fĂŒr Klavier (K. 574)

von Wolfgang Amadeus Mozart

Silverpoint drawing of Mozart by Dora Stock, 1789
Mozart, silverpoint by Dora Stock, 1789 — last authenticated portrait

Mozarts Kleine Gigue in G-Dur (K. 574) ist eine scharf konturierte Soloklavier-Miniatur, datiert auf den 16. Mai 1789 wĂ€hrend seines Leipzig-Besuchs, als der Komponist 33 Jahre alt war. In nur wenigen Dutzend Takten verwandelt sie gelehrten barocken Kontrapunkt in ein kompaktes SchaustĂŒck mit hellem, prĂ€gnantem Schliff – zugleich eine Verneigung vor Bach und ein typisch mozartischer Akt des Witzes.[1][2]

Hintergrund und Kontext

Mozart schrieb die Kleine Gigue (K. 574) am 16. Mai 1789 wĂ€hrend seines Aufenthalts in Leipzig und trug sie unmittelbar in das Notizbuch (Stammbuch) des stĂ€dtischen Hoforganisten Carl Immanuel Engel ein.[1][2] Dieser Leipziger Moment – nahe dem Ende von Mozarts ausgedehnter Reise des Jahres 1789 – fiel auch mit seiner gut dokumentierten Faszination fĂŒr Ă€ltere kontrapunktische Stile zusammen, insbesondere fĂŒr jene, die mit J. S. Bach verbunden sind.[1] Auch wenn das StĂŒck heute oft als eigenstĂ€ndige Klavierminiatur begegnet, ist seine ursprĂŒngliche soziale Funktion deutlich: eine rasche, meisterhaft gearbeitete musikalische Visitenkarte, vor Ort komponiert und notiert.[2]

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Musikalischer Charakter

Trotz gelegentlicher Falschangaben in sekundĂ€ren Verzeichnissen steht das Werk in G-Dur (nicht g-Moll) und ist eine echte Gigue: knapp, vom Impuls her fugiert, und im 6/8-Takt gesetzt.[1][3] Es umfasst nur 38 Takte, doch seine zweiteilige Anlage ist dicht mit Imitation und enger StimmfĂŒhrung gepackt, was der Musik eher ein athletisches, „gelehrtes“ Profil verleiht als salonhafte SĂŒĂŸe.[1]

Ein auffĂ€lliges Detail zeigt sich in der NĂ€he von Kadenzen: Mozart schreibt eine Basslinie, die alle zwölf chromatischen Tonhöhen berĂŒhrt und so eine momentane SĂ€ttigung der harmonischen Palette erzeugt, ohne die Stelle in etwas wie eine systematische tone row zu verwandeln.[1] Das Eröffnungssubjekt ist hĂ€ufig als bewusste Huldigung gehört worden – seine Kontur Ă€hnelt dem Thema von Bachs h-Moll-Fuge (WTC I, Nr. 24) sehr stark –, wenngleich einige Kommentatoren auch auf HĂ€ndelsche Gigue-Modelle als plausiblen stilistischen Schatten verwiesen haben.[1][4] Kurz: K. 574 verdichtet eine ganze Ästhetik – spĂ€ten Mozart trifft Hochbarock-Handwerk – zu einer Miniatur, die fast schon vorbei ist, sobald sie begonnen hat, jedoch nicht, bevor sie ihren Punkt gemacht hat.

Noten

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[1] Wikipedia overview with dating (16 May 1789), Leipzig context, bar count (38), 6/8 meter, and discussion of Bach/Handel allusions.

[2] Digital Mozart Edition (Neue Mozart-Ausgabe), PDF preface/critical material for *Gigue in G*, KV 574; notes entry into Carl Immanuel Engel’s notebook and date.

[3] Wikimedia Commons scan of score (public-domain print), confirming key and notated musical details on the page.

[4] Washington Performing Arts program notes (Víkingur Ólafsson recital) describing K. 574 as Bach-referential and dated to 16 May 1789 in Leipzig.