Wie Mozart seine Musik verkaufte

An einem Herbstnachmittag des Jahres 1785 warb Artaria & Co. in der Wiener Zeitung für sechs neue Streichquartette. Mozart hatte dafür rund hundert Dukaten erhalten – bar auf die Hand –, und damit war die Sache erledigt. Was die Wiener Firma danach einnahm – durch Nachdrucke, Exporte, jahrzehntelange Aufführungen in europäischen Salons – blieb allein Artaria. In diesem Musikgeschäft lebte Mozart, und ein Jahrzehnt lang bediente er es mit bemerkenswerter Findigkeit, bis es ihn schließlich zugrunde richtete.
In den 1780er-Jahren gab es keine Tantiemen, kein ernst zu nehmendes Urheberrecht und keine Möglichkeit, aus einem Stück ein zweites Mal Geld zu machen, sobald der Stecher die Platten hatte. Ein Komponist verdiente seinen Lebensunterhalt, indem er vier Dinge kombinierte: Aufträge, Aufführungen, Unterricht und den einmaligen Verkauf von Manuskripten oder Druckrechten. Mozart, der 1781 nach Wien kam und fest entschlossen war, als Freischaffender statt als Hofdiener zu leben, verfolgte alle vier zugleich.
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Der Motor waren seine Subskriptionskonzerte. In jeder Fastenzeit mietete er einen Saal – 1784 den Ballsaal im Trattnerhof, im darauffolgenden Winter das Kasino in der Mehlgrube –, verkaufte Plätze serienweise an aristokratische Gönner und trat als Solist in einem frisch komponierten Klavierkonzert auf. Am 20. März 1784 schickte er seinem Vater die vollständige Liste seiner Abonnenten: 174 Namen – „dreißig mehr“, prahlte er, „als Richter und Fischer zusammen“. In einem fünf Wochen langen Abschnitt jenes Frühjahrs spielte er in zweiundzwanzig Konzerten. Es ist kein Zufall, dass er im Februar desselben Jahres das kleine linierte Notizbuch aufschlug, das heute in der British Library als Verzeichnüss aller meiner Werke liegt: ein thematisches Verzeichnis von allem, was er von da an schrieb. Er brauchte es, um den Überblick zu behalten.
Der zweite Strom waren Veröffentlichungen. Artaria, sein wichtigster Wiener Verleger ab 1781, brachte schließlich dreiundachtzig Erstausgaben seiner Werke heraus.¹ Jede einzelne war ein vollständiger Abkauf. Den Unterricht nutzte er, um Lücken zu füllen: Die Klavierkonzerte K. 449 und K. 453 schrieb er für seine begabte Schülerin Barbara Ployer, und im Januar 1782 teilte Mozart seinem Vater mit, drei Schüler brächten ihm etwa achtzehn Dukaten im Monat ein. Er fand diese Arbeit unerquicklich – und sagte das oft.
Aufträge, das älteste Modell, kamen unvorhersehbar. Die „Haffner“-Sinfonie wurde 1782 hastig für die Nobilitierung eines Salzburger Familienfreundes zusammengestellt; neun Jahre später bot ein grau gekleideter Fremder im Auftrag von Graf Walsegg fünfzig Dukaten für ein Requiem, das dieser als sein eigenes auszugeben beabsichtigte. Opernhäuser zahlten Pauschalen – 450 Gulden für Figaro, 200 Dukaten für La clemenza di Tito – und dann gehörte die Partitur wie alles andere jemand anderem.
Im Sommer 1788 versagte ihm der ganze Apparat. Subskriptionslisten blieben ununterschrieben, der Türkenkrieg leerte die Geldbeutel des Adels, und Mozart begann, an seinen Freimaurerbruder Michael Puchberg zu schreiben. Etwa einundzwanzig dieser Briefe sind erhalten, und Puchberg streckte ihm schließlich insgesamt rund 1.415 Gulden vor.² „Großer Gott!“, schrieb Mozart im Juli 1789. „Ich möchte meinem ärgsten Feind nicht wünschen, in meiner jetzigen Lage zu sein.“ Zweieinhalb Jahre später war er tot – und besaß fast nichts von der Musik, von der die Welt sich nicht würde trennen lassen.
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¹ Alexander Weinmann, *Vollständiges Verlagsverzeichnis Artaria & Comp.* (Vienna, 1952), the standard catalogue of the firm; figure repeated in the New Grove article "Artaria."
² Otto Erich Deutsch, *Mozart: A Documentary Biography* (London, 1965); see also Andrew Steptoe, "Mozart and Poverty," *Musical Times* 125 (1984), pp. 196–201.









