K. 583

„Vado, ma dove? — oh Dei!“ (K. 583): Mozarts Es-Dur-Sopranarie von 1789

von Wolfgang Amadeus Mozart

Silverpoint drawing of Mozart by Dora Stock, 1789
Mozart, silverpoint by Dora Stock, 1789 — last authenticated portrait

Mozarts Konzert- bzw. Einlagearie „Vado, ma dove? — oh Dei!“ (K. 583) ist eine kompakte Es-Dur-Scena fĂŒr Sopran und Orchester, entstanden 1789 in Wien, als er 33 Jahre alt war. FĂŒrs Theater und nicht fĂŒr den Salon geschrieben, zeigt sie Mozarts spĂ€twienerische Begabung, einen kurzen dramatischen Augenblick in einen durchgezeichneten opernhaften Monolog zu verwandeln.

Hintergrund und Kontext

Ende 1789 lieferte Mozart mindestens zwei neue Arien, die in eine Wiener Wiederaufnahme von Vicente MartĂ­n y Solers Oper Il burbero di buon core (in Wien erstmals 1786 zu hören) eingefĂŒgt werden sollten. „Vado, ma dove? — oh Dei!“ (K. 583) ist eine dieser ErgĂ€nzungen: Sie war dazu gedacht, einen vorhandenen Rezitativabschnitt zu ersetzen (oder zu erweitern), indem sie der Sopranfigur einen konzentrierten Moment des Innehaltens, der Selbstbefragung und der Entscheidung gibt. Aus analytischer Sicht wurde hervorgehoben, wie Mozart in beiden Einlagearien MartĂ­n y Solers Klangwelt „seinen eigenen Stempel“ aufdrĂŒckt, indem er die Klarinetten prominent behandelt – eine Instrumentalfarbe, die er in diesen Jahren mit ZĂ€rtlichkeit und Liebe verband.[3]

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Das Werk gehört zu einer spĂ€ten Gruppe von Mozart-Arien, die nicht an seine eigenen Opern gebunden sind und doch durch und durch theatral denken: eine einzelne Figur, eine zugespitzte Situation und ein musikdramatischer Bogen, der in nur wenigen Minuten zu bewĂ€ltigen ist. Dass die Arie heute vergleichsweise wenig bekannt ist, ist weitgehend Zufall. Sie steht außerhalb der „Greatest Hits“ von Le nozze di Figaro (1786), Don Giovanni (1787) und CosĂŹ fan tutte (1790), entstammt aber derselben Vorstellungswelt und derselben praktischen Wiener Theaterkultur von Wiederaufnahmen, Auswechslungen und sĂ€ngerspezifischer Maßarbeit.[1]

Text und Komposition

Das Köchel-Verzeichnis (Mozarteum Salzburg) fĂŒhrt die Arie als Arie fĂŒr Sopran und Orchester in Es-Dur, komponiert 1789 in Wien.[1] In modernen AuffĂŒhrungsmaterialien wird das Werk hĂ€ufig als Einlage fĂŒr den zweiten Akt von MartĂ­n y Solers Il burbero di buon core bezeichnet; auch die Forschung verortet es in diesem Wiederaufnahme-Kontext.[3]

FĂŒr Sopran mit Orchester gesetzt, verwendet es ein Ensemble, das typisch fĂŒr Mozarts spĂ€twienerische Palette ist – Streicher plus paarweise Klarinetten und Fagotte sowie Hörner –, eine Besetzung, die in Nachschlagewerken und Partiturkatalogen bestĂ€tigt wird.[1][2]

  • HolzblĂ€ser: 2 Klarinetten, 2 Fagotte
  • BlechblĂ€ser: 2 Hörner
  • Streicher: Violinen I & II, Viola
  • Continuo/Bass: Basso (Basslinie zur harmonischen StĂŒtze)

Musikalischer Charakter

Obwohl kurz (in der AuffĂŒhrung oft um die vier Minuten), wirkt „Vado, ma dove? — oh Dei!“ wie ein Opernmonolog im Miniaturformat: Die Sopranlinie wechselt zwischen gefasster Lyrik und drĂ€ngenderer Deklamation, als wĂŒrden Gedanken und GefĂŒhle einander fortwĂ€hrend ins Wort fallen. Die Tonart Es-Dur – von Mozart hĂ€ufig fĂŒr Musik von Weite und WĂ€rme verwendet – rahmt die Ungewissheit der Figur in einen Klang, der nach außen hin verbindlich wirkt, selbst wenn der Text sich nach innen wendet.

Die besondere QualitĂ€t der Arie liegt in ihrer orchestralen Rhetorik. Statt die BlĂ€ser nur als harmonisches „FĂŒllmaterial“ zu behandeln, gibt Mozart den Klarinetten eine dialogische Rolle: Sie fĂ€rben die Gesangsphrasen mit einem weichkörnigen Timbre, das das Publikum des spĂ€ten 18. Jahrhunderts als modern und emotional suggestiv wahrgenommen hĂ€tte. Im Umfeld einer MartĂ­n-y-Soler-Wiederaufnahme war dies keine neutrale Entscheidung: Wie neuere Forschung betont, kommentiert Mozarts Einsatz solistisch gefĂŒhrter Klarinetten die umgebende Operntextur und „wertet“ sie subtil auf.[3]

FĂŒr Hörerinnen und Hörer, die Mozart jenseits der kanonischen Opern erkunden, bietet K. 583 eine aufschlussreiche Momentaufnahme seines SpĂ€tstils unter angewandten, praktischen Theaterbedingungen: konzentriertes Drama, schnelle Charakterisierung und Instrumentalfarbe mit derselben Sorgfalt eingesetzt wie in seinen großen BĂŒhnenwerken – selbst wenn die „BĂŒhne“ nur eine einzelne Nummer ist, die in die Oper eines anderen eingefĂŒgt wird.[1]

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[1] Mozarteum Salzburg, Köchel-Verzeichnis entry for KV 583 (work type, place/year, key, instrumentation listing).

[2] IMSLP work page for K. 583 (key, year, basic instrumentation and score access).

[3] Peter Pesic, “Horn of Enlightenment: Mozart’s Operatic Use of the Clarinet” (Cambridge Core PDF) — discusses K. 582–583 as insertion arias for Martín y Soler and Mozart’s distinctive clarinet writing.