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Studien fĂŒr Thomas Attwood (Wien, 1785)

von Wolfgang Amadeus Mozart

Unfinished portrait of Mozart by Lange, 1782-83
Mozart, unfinished portrait by Joseph Lange, c. 1782–83

Mozarts Studien fĂŒr Thomas Attwood sind ein kleiner Komplex pĂ€dagogischer Materialien fĂŒr Tasteninstrument und Theorie, die er in den Wiener Jahren ab 1785 fĂŒr (und zum Teil durch) seinen englischen SchĂŒler Thomas Attwood verfasste. Überliefert in Attwoods Unterrichtsbuch mit Mozarts Korrekturen und Musterlösungen, zeigen sie den 29-jĂ€hrigen Mozart nicht als öffentlichen Virtuosen-Komponisten, sondern als praktizierenden Lehrer fĂŒr Harmonie, Kontrapunkt und die klaviermĂ€ĂŸige Aussetzung.

Hintergrund und Kontext

In Wien stand Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) 1785 auf dem Höhepunkt seiner öffentlichen Karriere—er schrieb Klavierkonzerte fĂŒr seine eigenen Auftritte und pflegte einen wohlhabenden Kreis von Gönnern—doch er unterrichtete auch privat; der junge englische Musiker Thomas Attwood (1765–1838) wurde zu einem seiner bedeutendsten SchĂŒler. Das wichtigste dokumentarische Zeugnis dieses Unterrichts ist Attwoods erhaltenes Studienmanuskript: Es bewahrt Übungen in Harmonie, Kontrapunkt und „freier Komposition“ mit zahlreichen Eintragungen in Mozarts Hand (oft kurze wertende Bemerkungen sowie Korrekturen). Überliefert sind diese Materialien heute in der Handschrift der British Library (Add MS 58437) und in der modernen wissenschaftlichen Ausgabe der Neue Mozart-Ausgabe (NMA X/30/1). [1] [2]

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Musikalischer Charakter

Da die Attwood-Materialien als Unterrichtsarbeit dienen und nicht als ein einzelnes „fertiges“ StĂŒck, prĂ€sentieren sie Musik meist in kurzen, auf Aufgaben ausgerichteten Abschnitten: BĂ€sse, die am Tasteninstrument zu beziffern sind (Generalbass), Harmonisationen mit zunehmend lebhafter oder chromatischer Bassbewegung sowie kontrapunktische DrillĂŒbungen, die auf korrekte StimmfĂŒhrung statt auf konzertante Rhetorik zielen. Die Handschrift (und ihre Darstellung in der NMA) zeigt, wie Mozart von einfachen Grundmustern zu anspruchsvolleren Fortschreitungen und Modulationen ĂŒbergeht und das Tasteninstrument als praktisches Labor fĂŒr Harmonik und Satztechnik nutzt. [1]

[1] Digital Mozart Edition (Mozarteum Salzburg), Neue Mozart-Ausgabe table of contents: NMA X/30/1 “Thomas Attwood’s Studies on Theory and Composition with Mozart” (overview and access point).

[2] MozartDocuments.org: discussion of Mozart’s annotations in Attwood’s studies, including reference to British Library Add MS 58437 and NMA X/30/1.