K. 391

„Sei du mein Trost, verschwiegne Traurigkeit“ (K. 391)

von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozart from family portrait, c. 1780-81
Mozart from the family portrait, c. 1780–81 (attr. della Croce)

Mozarts deutsches Lied „Sei du mein Trost, verschwiegne Traurigkeit“ (K. 391; frĂŒher KV6 340b) entstand zwischen August 1781 und Mai 1782 in Wien, als er 25–26 Jahre alt war. Als Vertonung eines Textes von Johann Timotheus Hermes zeigt es Mozart beim Erproben einer stĂ€rker nach innen gekehrten, vom Text gefĂŒhrten Lyrik, als Hörer sie von dem Komponisten glĂ€nzender öffentlicher KonzertstĂŒcke vielleicht erwarten wĂŒrden.

Hintergrund und Kontext

„Sei du mein Trost, verschwiegne Traurigkeit“ gehört zu einer kleinen, aber aufschlussreichen Gruppe deutscher Lieder, die Mozart kurz nach seiner Übersiedlung nach Wien schrieb. Die Neue Mozart-Ausgabe datiert es – zusammen mit den verwandten Hermes-Vertonungen K. 390 (KV6 340c) und K. 392 (KV6 340a) – zwischen August 1781 und Mai 1782 in Wien; eine Zeit, in der Mozart gerade erst auf eigenen FĂŒĂŸen stand, eine freischaffende Laufbahn formte und zwischen Genres im Salonformat und der grĂ¶ĂŸeren Theaterwelt wechselte [1].

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In der Köchel-ZĂ€hlung trĂ€gt das Lied die feste Kennzeichnung K. 391, wĂ€hrend Ă€ltere Katalogtraditionen es hĂ€ufig als KV6 340b fĂŒhren [2]. Die Besetzung ist die klassische hĂ€usliche Kombination des spĂ€ten 18. Jahrhunderts – Stimme und Tasteninstrument –, wodurch Deklamation, harmonische Schattierungen und die FĂ€higkeit der Begleitung, neben der SĂ€ngerin bzw. dem SĂ€nger mitzusprechen, besonderes Ausdrucksgewicht erhalten.

Text und Komposition

Das Gedicht von Hermes wird gemeinhin unter dem Titel „An die Einsamkeit“ („To Solitude“) gefĂŒhrt; und bereits die Anfangszeile – „Sei du mein Trost, verschwiegne Traurigkeit!“ – rahmt die Einsamkeit nicht als bloße Ruhe, sondern als bewusst gewĂ€hltes Asyl fĂŒr Kummer, der lieber verborgen bleibt als sich zur Schau zu stellen [3]. Mozart antwortet darauf in einer Weise, die beinahe anti-operatisch wirkt: Statt eine Figur nach außen zu projizieren, kultiviert das Lied IntimitĂ€t; der Klavierpart fungiert als AtmosphĂ€re und Vertrauter.

Moderne Diskographien und Kommentare ordnen das StĂŒck weiterhin Mozarts ĂŒbrigen deutschen Liedern zu, hĂ€ufig unter dem Gedichttitel „An die Einsamkeit“, und bewahren neben K. 391 auch die Ă€ltere Köchel-Querverweisung (K. 340b) [4]. Diese doppelte Benennung ist mehr als eine KatalogkuriositĂ€t: Sie spiegelt wider, wie diese Lieder zirkuliert haben – weniger als „berĂŒhmte Einzelhits“ denn als Teil eines intimen Repertoires, das vor allem durch Anthologien und Einspielungen bekannt ist.

Musikalischer Charakter

Auch wenn das Lied in SekundĂ€rverzeichnissen bisweilen unter unterschiedlichen Katalogbeschreibungen erscheint, ist es im Kern ein strophenartig angelegtes, textnah reagierendes Lied, in dem Gesangslinie und Begleitung zusammenwirken, um einen einzigen Affekt zu tragen – Trost, von ZurĂŒckhaltung getönt. Die Tastenstimme ist nicht bloß akkordische StĂŒtze; sie formt Tempo und Farbe und lĂ€sst harmonische Wendungen andeuten, was das Gedicht nicht laut ausspricht.

Gerade dieser Maßstab macht K. 391 innerhalb von Mozarts ƒuvre besonders: Das Lied zeigt, wie er in den frĂŒhen Wiener Jahren psychologische Nuancen in wenige Minuten zu verdichten vermochte, ohne auf die Struktur einer opernhaften Szene oder virtuose Schaueffekte zurĂŒckzugreifen. Neben den beiden anderen Hermes-Liedern (K. 390 und K. 392) gehört es zudem zu einer Miniaturstudie darĂŒber, wie Mozart musikalische Rhetorik auf eng verwandte Texte abstimmt – ein frĂŒhes Zeichen jener sorgfĂ€ltigen Wortausdeutung, die bald in seinen reifen Opern und Konzertarien aufblĂŒhen sollte [1].

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[1] Neue Mozart-Ausgabe (NMA), Serie III/8 “Lieder” (ed. Ernst August Ballin, 1963), critical foreword (English PDF): dating and contextual notes for the Hermes Lieder (K. 390–392).

[2] Internationale Stiftung Mozarteum, Köchel-Verzeichnis entry for K. 391: work title, genre/scoring (“voice and clavier”), and catalog cross-references.

[3] LiederNet Archive: Johann Timotheus Hermes, poem text “An die Einsamkeit” (first line “Sei du mein Trost, verschwiegene Traurigkeit!”).

[4] Hyperion Records work page for “An die Einsamkeit, K391”: title/first line, Hermes attribution, and catalog note “K340b in sixth edition.”