„Sei du mein Trost, verschwiegne Traurigkeit“ (K. 391/340b): Mozarts innige Ode an die Einsamkeit
di Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts deutsches Lied „Sei du mein Trost, verschwiegne Traurigkeit“ (K. 391/340b) vertont ein nachdenkliches Gedicht von Johann Timotheus Hermes für Stimme und Tasteninstrument und entfaltet eine zurückgenommene, nach innen gewandte Lyrik, die sich ein Stück weit von der stärker auf Öffentlichkeit und Theater zielenden Ausdrucksweise des Komponisten abhebt. Wahrscheinlich entstand es in Wien zu Beginn der 1780er Jahre; Mozart (Mitte zwanzig) behandelt das Lied hier wie eine Miniaturszene: als privaten Monolog, geformt durch Nuance, Tempoempfinden und Klangfarbe statt durch demonstrative Wirkung.
Hintergrund und Kontext
Wenn von Mozarts Vokalschaffen die Rede ist, richtet sich der Blick fast zwangsläufig auf die Opern und die großen Konzertarien; doch seine deutschen Lieder (Lieder) zeigen eine andere Art von Kunst—konzentriert, persönlich und oft von feinem psychologischem Zuschnitt. „Sei du mein Trost, verschwiegne Traurigkeit“ gehört zu dieser stilleren Zone des Œuvres: ein einzelnes weltliches Lied für Stimme und Tasteninstrument, im Köchel-Verzeichnis geführt als K. 391 (in älteren Katalogtraditionen auch K. 340b) [1].
As an Amazon Associate we earn from qualifying purchases.
Das Werk wird häufig mit Wien und den frühen Jahren von Mozarts selbstständiger Laufbahn dort in Verbindung gebracht; Quellen und Kataloge datieren es meist eher um 1781–82 als eindeutig ins Jahr 1780 [1]. Diese leichte Unsicherheit ist aufschlussreich. Mozarts deutsche Lieder waren in der Regel nicht an einen einzelnen, prominent öffentlichen Anlass gebunden; sie zirkulierten als gepflegte Hausmusik, in der die Grenze zwischen „Kunstlied“ und kultivierter gesellschaftlicher Darbietung durchlässig blieb.
Text und Komposition
Der Text—eine Anrede an die Einsamkeit (An die Einsamkeit)—stammt von Johann Timotheus Hermes (1738–1821) [2]. Die Anfangszeile „Sei du mein Trost, verschwiegne Traurigkeit“ („Sei mein Trost, stille Traurigkeit“) rahmt die Melancholie nicht als Krise, sondern als bewusst gewählte Gefährtin: als Raum für Selbstbesitz und moralische Reflexion. Diese Haltung entspricht einem spätaufklärerischen Geschmack für Empfindsamkeit (eine Kultur des „sensiblen“ Gefühls), in der Privatheit und emotionale Wahrhaftigkeit geschätzt werden, die Rhetorik jedoch kontrolliert bleibt.
Musikalisch ist das Stück für Stimme und Tasteninstrument (Clavier/Klavier) gesetzt [1], und es liegt in modernen Aufführungsmaterialien sowie in gemeinfreien Abschriften vor (unter anderem über IMSLP) [3]. Außerdem ist es im Band der Neuen Mozart-Ausgabe mit den Liedern (NMA III/8) enthalten—ein Hinweis darauf, welchen Rang es innerhalb von Mozarts ernsthafter Auseinandersetzung mit dem deutschsprachigen Sololied einnimmt [4].
Musikalischer Charakter
Was dieses Lied bei genauerem Hinhören so reizvoll macht, ist seine Weigerung, „operisch“ zu werden. Statt eine dramatische Persona nach außen zu projizieren, formt Mozart eine kontemplative Gesangslinie, die bisweilen fast wie gesteigerte Rede wirkt—eine innere Deklamation, getragen von einer Begleitung, die die emotionale Temperatur stabil hält. So entsteht eine Miniatur, in der Zurückhaltung selbst zum Ausdruck wird: Das kontrollierte Zeitmaß der Singstimme deutet gerade den Akt an, die Einsamkeit zu wählen, nicht bloß sie zu beklagen.
Der Klaviersatz ist keine neutrale akkordische Stütze; er beteiligt sich am Stimmungsaufbau und gibt der Stimme einen maßvollen, würdigen Rahmen. In der Aufführung sind es oft die unauffälligsten Momente, die am meisten verraten: eine harmonische Wendung, die die Farbe kurz verdunkelt, oder eine Kadenz, die den Eindruck erweckt, als verweigere sie endgültigen Abschluss. Solche Details stellen das Lied in eine Traditionslinie, die zum Lied des 19. Jahrhunderts hinführt, auch wenn Mozarts unmittelbare Welt das Genre noch im Maßstab des Salons denkt.
Innerhalb von Mozarts Œuvre ist „Sei du mein Trost“ gerade durch seine Bescheidenheit unverwechselbar. Es zeigt, wie Mozart—noch bevor die reifen Wiener Opern sein öffentliches Profil vollständig neu geprägt hatten—aus einem kleinen deutschen Gedicht ein geschlossenes emotionales Argument formen konnte: auf wenige Seiten verdichtet und mit derselben dramaturgischen Intelligenz vorgetragen, die die Bühne belebt, nun aber nach innen gewendet.
As an Amazon Associate we earn from qualifying purchases.
[1] Internationale Stiftung Mozarteum (Köchel Verzeichnis): work entry for KV 391/340b, “Sei du mein Trost, verschwiegne Traurigkeit” (song for voice and clavier).
[2] LiederNet Archive: German poem text “An die Einsamkeit” (“Sei du mein Trost, verschwiegene Traurigkeit!”) with attribution to Johann Timotheus Hermes.
[3] IMSLP: “An die Einsamkeit, K.391/340b” — public-domain score and basic work metadata.
[4] Digital Mozart Edition (DME): New Mozart Edition (NMA) III/8 “Songs” — table of contents listing KV 391 (340b).







