K. 390

„Ich würd’ auf meinem Pfad mit Tränen“ (An die Hoffnung), K. 390

par Wolfgang Amadeus Mozart

Mozart from family portrait, c. 1780-81
Mozart from the family portrait, c. 1780–81 (attr. della Croce)

Mozarts deutsches Lied „Ich würd’ auf meinem Pfad mit Tränen“ (K. 390; auch als K. 340c katalogisiert) ist ein knappes, aber eindringliches Lied für Solostimme und Tasteninstrument, entstanden 1780 in Wien.[1][2] Im Schatten der späteren Meisterwerke „Das Veilchen“ (K. 476) und „Abendempfindung an Laura“ (K. 523) wird es oft übersehen, verdient aber Beachtung wegen seines ungewöhnlich verdichteten dramatischen Tons und seiner genauen Ausdeutung eines Textes, der zwischen Angst und moralischer Entschlossenheit balanciert.[3]

Hintergrund und Kontext

1780 war der 24-jährige Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) in Wien gerade neu aktiv: Er nahm freiberufliche Arbeiten an und brachte sich zugleich für größere theatralische und höfische Aufgaben in Stellung. Das Lied „Ich würd’ auf meinem Pfad mit Tränen“ (K. 390) gehört in diesen Wiener Zusammenhang: eine private, häusliche Gattung – Lied mit Tastenbegleitung –, in der Komponisten rasch auf zeitgenössische Dichtung und das Musizieren im Salon reagieren konnten.[2]

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Mozarts deutsche Sololieder sind zwar weniger zahlreich als seine italienischen Arien und Ensemblesätze, doch erprobt er darin eine intimere Ausdrucksweise – näher an gesprochener Deklamation und persönlicher Reflexion als an der Oper. Was K. 390 auszeichnet, ist sein Ernst: Statt des volksliedhaften Reizes mancher frühen, strophischen Lieder zielt es auf psychologische Erzählung und verdichtet Konflikt und Trost auf engstem Raum.[3]

Text und Komposition

Überliefert ist das Stück unter dem Titel An die Hoffnung („An die Hoffnung“), und seine Anfangszeile – „Ich würd’ auf meinem Pfad mit Tränen …“ – rahmt das Gedicht als Meditation in der Ich-Form.[1] Eine weit verbreitete Zuschreibung nennt Johann Timotheus Hermes (1738–1821) als Dichter, doch in der breiteren Sekundärliteratur wird der Text bisweilen als unsicher behandelt – ein Grund, weshalb das Werk etwas am Rand des Repertoires stehen kann.[1]

Die Kataloggeschichte bringt eine weitere Komplikation: Das Werk wird häufig als K. 390 geführt und – in der älteren Köchel-Zählung – als K. 340c.[1] Selbst die Grundtonart wird in modernen Nachschlagewerken und in der Aufführungstradition nicht durchgängig gleich angegeben; Quellen nennen oft eine Orientierung zur Molltonart.[1] Für Ausführende und Hörende ist die praktische Konsequenz klar: Man sollte die jeweils vorliegende Ausgabe konsultieren, denn Transpositionen für unterschiedliche Stimmlagen sind weithin im Umlauf.

Musikalischer Charakter

Besetzt mit Solostimme und Tasteninstrument (Mozarts „Clavier“: Cembalo oder – zunehmend im Wien der Zeit – Hammerklavier), ist K. 390 ein einsätziges Lied, das sich weniger wie eine einfache Melodie verhält als wie eine Miniatur-Szene.[2] Die Tastenstimme ist nicht bloß Begleitung; sie wirkt an der emotionalen Rhetorik mit und trägt die Wechsel zwischen innerer Klage (den „Tränen“ des Beginns) und einer festeren moralischen Haltung, wenn das lyrische Ich Gefahr und Ungewissheit entgegentritt.

Einer der Gründe, warum das Lied erneute Aufmerksamkeit verdient, ist sein ausgeprägter Konfliktcharakter: Mozart formt die Gesangslinie mit beinahe opernhafter Sensibilität für die Wendungen des Textes, hält den Maßstab jedoch bewusst klein – Musik für ein Zimmer, nicht für die Bühne. Hyperions Kommentar nennt es zu Recht das gewichtigste innerhalb einer kleinen Gruppe zeitnah entstandener Lieder und hebt hervor, wie tief Mozart in das Gedicht „eindrang“, um den Kampf gegen das Schicksal hörbar zu machen.[3] In diesem Licht wird K. 390 zu einem wichtigen Markstein: ein Wiener Experiment im deutschen Ausdruckslied, das Mozarts spätere, berühmtere Lieder vorwegnimmt, indem es zeigt, wie viel Drama er in wenigen Minuten für Stimme und Tasten zu verdichten vermochte.

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[1] IMSLP work page: An die Hoffnung, K.390/340c — cataloguing, poet attribution as listed, scoring, and common reference data (including key as often transmitted there).

[2] Köchel Verzeichnis (Internationale Stiftung Mozarteum), KV 390 work entry — basic catalog data and description (“song for voice and clavier”), Vienna 1780 context.

[3] Hyperion Records work notes for “Ich würd’ auf meinem Pfad, K.390” — evaluative commentary on the song’s substance and its portrayal of struggle against fate.