K. 390

„Ich würd’ auf meinem Pfad mit Tränen“ (K. 390 / KV6 340c)

von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozart from family portrait, c. 1780-81
Mozart from the family portrait, c. 1780–81 (attr. della Croce)

Mozarts deutsches Lied „Ich würd’ auf meinem Pfad mit Tränen“ (K. 390 / KV6 340c) ist ein kompaktes Lied in F-Dur, entstanden zwischen August 1781 und Mai 1782 in Wien, als der Komponist 25–26 Jahre alt war [1]. Auf einen religiös angehauchten Text von Johann Timotheus Hermes komponiert, zeigt es Mozart, wie er das Hauslied nicht als Miniatur einer Opernszene behandelt, sondern als intime, moralisch ernsthafte Äußerung.

Hintergrund und Kontext

„Ich würd’ auf meinem Pfad mit Tränen“ gehört zu einem kleinen, eng zusammenhängenden Triptychon von Mozart-Liedern auf Texte von Johann Timotheus Hermes (1738–1821): K. 390/340c, K. 391/340b und K. 392/340a. Die Neue Mozart-Ausgabe (NMA) datiert alle drei Lieder zwischen August 1781 und Mai 1782 in Wien, eine Zeit, die mit Mozarts ersten intensiven Wiener Jahren nach seiner Niederlassung dort als freischaffender Musiker zusammenfällt (25, auf dem Weg zu 26) [1].

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In Mozarts Œuvre wird das deutsche Lied oft vom italianisierenden Glanz der Konzertarie und den Theaterwerken der 1780er Jahre überstrahlt. Doch diese Lieder mit Tastenbegleitung zeigen eine andere Kunst: Musik für den privaten Vortrag zu schreiben, bei der Unmittelbarkeit der Deklamation und die schnelle Reaktion auf zeitgenössische Dichtung ebenso wichtig sein können wie virtuose Schaustellung. Gerade dieser bescheidene Rahmen macht K. 390 so aufschlussreich – sein Ausdrucksanspruch ist konzentriert statt ausgreifend.

Text und Komposition

Hermes’ Gedicht (häufig An die Hoffnung betitelt) spricht in der Ich-Form und zeichnet die Sängerfigur als Wanderer, der Angst, Gefahr und Entmutigung begegnet und sich immer wieder an die „Hoffnung“ als moralische und geistige Standfestigkeit wendet. Die erste Zeile – „Ich würd’ auf meinem Pfad mit Tränen …“ – setzt den Ton unmittelbar: keine sentimentale Selbstbemitleidung, sondern ein nüchternes Eingeständnis von Verwundbarkeit, beantwortet durch Entschlossenheit.

Mozart vertont den Text für Solostimme mit Tastenbegleitung (eine typische Wiener Hausbesetzung), und die Quellen überliefern das Stück durchgängig als deutsches Lied in diesem intimen Aufführungsformat [2]. Die doppelte Katalogisierung – K. 390 in späteren Köchel-Ausgaben und KV6 340c in der früheren Nummerierung – spiegelt zudem wider, wie die Stellung des Liedes in Mozarts Chronologie im Lauf der Zeit neu beurteilt worden ist [3].

Musikalischer Charakter

Selbst innerhalb der insgesamt „schlichten“ Welt des Liedes des 18. Jahrhunderts ist K. 390 nicht bloß strophische Gefälligkeit. Seine F-Dur-Oberfläche vermittelt Wärme und Klarheit, doch das expressive Zentrum des Liedes liegt in der rhetorischen Behandlung der Singstimme: Mozart formt die Phrasen so, dass sie wie gesteigerte Rede wirken, und lässt die Wendungen des Textes – von Tränen zu Mut, von Bedrohung zu innerem Trost – in Kontur und Tempo der Melodie hörbar werden.

Der Klavierpart, so wenig er auch orchestralen Anspruch erhebt, ist mehr als bloße Akkordstütze. Er rahmt die Aussagen der Stimme, markiert formale Gelenkstellen und – entscheidend – erzeugt ein Gefühl von Vorwärtsdrang, das den „Pfad“ (Pfad) des Gedichts spiegelt. Hörerinnen und Hörer, die Mozart vor allem aus Opernensembles kennen, mögen von der disziplinierten Ökonomie dieses Liedes überrascht sein: Statt Figurenkonstellationen baut Mozart Intensität durch Verdichtung auf und überlässt kleinen harmonischen und rhythmischen Nuancierungen die dramatische Arbeit.

K. 390 verdient Aufmerksamkeit gerade deshalb, weil es ein Zwischenfeld bewohnt: weder Volkslied noch Opern-Scena, sondern ein Wiener Salonlied, in dem Mozart erprobt, wie weit sich Aufrichtigkeit und Raffinesse im Miniaturformat tragen lassen. Im Zusammenhang mit den beiden anderen Hermes-Vertonungen (K. 391 und K. 392) wird es zudem Teil eines bewussten Experiments – drei unterschiedliche Zugänge zu derselben poetisch-moralischen Welt, komponiert im selben Wiener Zeitfenster [1].

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[1] Neue Mozart-Ausgabe (NMA), Serie III/8 “Lieder” (ed. Ernst August Ballin, 1963): critical foreword (English PDF). Source mandated for date range, place, and age context.

[2] IMSLP work page for “An die Hoffnung, K.390/340c”: confirms genre categories and scoring as a song for voice and piano (used for instrumentation only, not dating).

[3] Wikipedia: “List of concert arias, songs and canons by Wolfgang Amadeus Mozart” (entry for K. 390 / 340c; includes Hermes attribution and cross-references to NMA).