âVerdankt sei es dem Glanzâ (Lied), K. 392 (KV6 340a) in F-Dur
de Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts deutsches Lied âVerdankt sei es dem Glanz (der GroĂen)â (K. 392; auch KV6 340a) ist ein knappes, pointiertes StĂŒck fĂŒr Singstimme und Tasteninstrument, entstanden zwischen August 1781 und Mai 1782 in Wien, als er 25â26 Jahre alt war.[1] Auf einen Text von Johann Timotheus Hermes komponiert, gehört es zu einem kleinen Triptychon von Hermes-Vertonungen (K. 390â392), in dem Mozart erprobt, wie viel moralische Reflexion â und leise Ironie â die schlichteste Liedmanier tragen kann.
Hintergrund und Kontext
Mozarts deutsche Lieder aus den frĂŒhen Wiener Jahren nehmen eine faszinierende Zwischenstellung ein: Sie sind weder die öffentlichen, virtuosen Statements der Konzertarie noch das spĂ€tere, salonfĂ€hige Strophenlied im Schubertschen Sinn, sondern vielmehr kurze, bewegliche Szenen fĂŒr eine einzelne Singstimme, getragen von einem Tasteninstrument, das zugleich Begleitung und Kommentar andeuten kann. âVerdankt sei es dem Glanz (der GroĂen)â steht genau in diesem Ăbergangsbereich. Die Neue Mozart-Ausgabe ordnet es drei Hermes-Liedern zu â K. 390 (KV6 340c), K. 391 (KV6 340b) und K. 392 (KV6 340a) â und datiert alle drei in einen durchgehenden Zeitraum zwischen August 1781 und Mai 1782 in Wien, als Mozart 25 war und 26 wurde.[1]
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Dieser Zeitrahmen ist bedeutsam. Mozart hatte sich erst kurz zuvor vom Salzburger Hof gelöst und etablierte sich in Wien; auch sein vokales Schreiben richtete sich neu aus â hin zu Unmittelbarkeit und VerstĂ€ndlichkeit im Deutschen. In diesem Sinne verdient K. 392 Aufmerksamkeit weniger als âMiniaturmeisterwerkâ denn als dokumentarische Momentaufnahme: ein wacher Komponist, der einen spezifisch wienerischen, konversationellen Liedstil erprobt, in dem die Tastenstimme an der Rhetorik beteiligt ist, statt bloĂ den Takt zu halten.
Text und Komposition
Der Text stammt von Johann Timotheus Hermes (1738â1821), einem deutschen Autor, der mit der moralischen AufklĂ€rungsliteratur verbunden ist.[2] Hermesâ Gedicht beruht auf einem Paradox: Dem âGlanz der GroĂenâ wird nicht dafĂŒr gedankt, den Sprecher in Unterwerfung zu blenden, sondern dafĂŒr, die eigene âNichtigkeitâ sichtbar zu machen â ein Bewusstsein, das zur Grundlage bescheidener UnabhĂ€ngigkeit wird. Das ist nicht operatische Leidenschaft, sondern moralische SelbstprĂŒfung; Mozart reagiert darauf, indem er die musikalische OberflĂ€che so klar hĂ€lt, dass das verbale Argument im Zentrum bleibt.
KatalogmĂ€Ăig ist das Lied in der modernen Köchel-ZĂ€hlung zuverlĂ€ssig als K. 392 ĂŒberliefert; die frĂŒhere Einordnung KV6 340a bleibt als Querverweis erhalten.[2] Das Werk steht in F-Dur und ist, wie es das Köchel-Verzeichnis zusammenfasst, fĂŒr Stimme und Clavier gesetzt (ein praktischer Begriff des 18. Jahrhunderts, der das jeweils vorhandene hĂ€usliche Tasteninstrument einschlieĂt).[2]
Musikalischer Charakter
K. 392 wirkt nach auĂen hin bescheiden, doch seine Wirkung liegt darin, wie es bescheiden bleibt. Mozart vermeidet jede schaustĂŒckhafte vokale Zurschaustellung, die der selbstzurĂŒcknehmenden Haltung des Textes widersprĂ€che; stattdessen setzt er auf Nuancen im Kleinen â auf Wendungen in Harmonik und Akzent, die es der SĂ€ngerin oder dem SĂ€nger ermöglichen, das Gedicht als begrĂŒndete Rede in Musik zu artikulieren. In F-Dur, einer Tonart, die bei Mozart oft mit WĂ€rme und Klarheit verbunden ist, kann das Lied Festigkeit ausstrahlen, ohne selbstzufrieden zu wirken.
Besonders aufschlussreich ist in dieser Hermes-Gruppe die Klavierstimme: Statt die Singstimme bloĂ zu verdoppeln, formt sie hĂ€ufig die Kadenzen, unterstreicht rhetorische âWendepunkteâ und schafft kurze ZwischenrĂ€ume zur Reflexion. Solche Details lassen das Lied weniger wie eine volksliedhafte Strophenmelodie erscheinen und eher wie einen miniaturhaften moralischen Monolog â ein AufklĂ€rungstext, gesungen mit nahezu theatralischer Ăkonomie.
Neben Mozarts bekannteren deutschen Liedern gehört K. 392 zu einer anderen Art von VergnĂŒgen: nicht lyrischer Ausbruch, sondern Haltung. Seine Eigenart liegt genau in dieser Balance aus Schlichtheit und Kunstfertigkeit â einer Kunst, die einfach klingen kann und doch sorgfĂ€ltig auf den Sinn hin ausgerichtet ist.
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[1] Neue Mozart-Ausgabe (NMA), Serie III/8 âLiederâ (ed. Ernst August Ballin, 1963), critical foreword (English PDF) â dating for K. 390â392: between August 1781 and May 1782, Vienna.
[2] Mozarteum Foundation Köchel-Verzeichnis entry for KV 392 (âVerdankt sei es dem Glanz der GroĂenâ) â text author, scoring summary (voice and clavier), and catalogue cross-references (K. 392 / KV6 340a).







