K. 514

Rondo in D-Dur für Horn und Orchester (Süßmayr nach Mozart), K. 514

von Wolfgang Amadeus Mozart

Silverpoint drawing of Mozart by Dora Stock, 1789
Mozart, silverpoint by Dora Stock, 1789 — last authenticated portrait

Das Rondo in D-Dur für Horn und Orchester (K. 514) ist eine posthume Instrumentation aus dem Jahr 1792 von Franz Xaver Süßmayr zu Mozarts unvollendetem Finalentwurf für das D-Dur-Hornkonzertprojekt im Umfeld Joseph Leutgebs. Als fertig ausgearbeiteter Orchestersatz in D-Dur überliefert, bietet es ein spätklassisches Horn-Glanzstück, dessen Solostimme Mozarts Anlage offenbar nahekommt, während das orchestrale Gewebe weitgehend Süßmayrs Arbeit ist.

Hintergrund und Kontext

In Mozarts letztem Lebensjahr (1791) begann er das, was heute gemeinhin als Hornkonzert Nr. 1 in D-Dur bezeichnet wird: Er hinterließ einen vollendeten ersten Satz (K. 412/386b), jedoch nur einen unvollständigen Entwurf für das geplante Rondo-Finale. Nach Mozarts Tod am 5. Dezember 1791 erarbeitete sein Schüler und Mitarbeiter Franz Xaver Süßmayr—der vor allem durch die Vollendung des Requiem bekannt ist—eine aufführbare Fassung dieses Finales.

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Die überlieferten Hinweise datieren Süßmayrs vollendetes Rondo in D-Dur auf den 6. April 1792 (der Ort ist nicht gesichert dokumentiert, steht in der Handschriftentradition jedoch in Verbindung mit Wien). Im Katalog des Mozarteums wird die Zuschreibung der Authentizität als Gesamtwerk an Mozart als nicht zutreffend behandelt: Mozart gilt als Urheber der „Originalmusik“, während Süßmayr als Komponist der fertiggestellten Partitur geführt wird.[1] Das ist die entscheidende Perspektive, aus der K. 514 am besten zu hören ist: eine mozartische Solokonzeption, bewahrt innerhalb der orchestralen Realisierung eines Bearbeiters und Vollenders.

Musikalischer Charakter

K. 514 ist ein einsätziges Rondo (Allegro) in D-Dur, angelegt als Virtuosenstück für das Naturhorn—mit hellen offenen Naturtönen, klingender Arpeggierung und beweglicher Passagenarbeit, die idiomatisch auf den „Heimtönen“ des Instruments in der Tonart D liegt. Die periodische Phrasierung der Solostimme und die klaren Kadenzmarkierungen halten die Musik im öffentlichen, konzertanten Raum, während kurze Episoden Kontraste setzen, bevor das Hauptrefrain zurückkehrt.

Orchestral ist die Besetzung bescheiden und praxisnah: Solohorn, zwei Oboen, zwei Fagotte (offenbar als Verstärkung der Basslinie mitgedacht) und Streicher.[1][2] Der Kommentar der Neuen Mozart-Ausgabe weist darauf hin, dass die Solopartien in Mozarts Entwurf und in Süßmayrs Partitur „fast wörtlich übereinstimmen“, während die Begleitung von Süßmayr neu gestaltet wurde—ein Unterschied, der sich im Orchesterpart als geradlinige, zweckmäßige Stütze der Hornrhetorik wahrnehmen lässt, eher als jenes enger motivisch verzahnte Zusammenspiel, das für Mozarts reife Konzertfinali typisch ist.[2]

Stellung im Katalog

Neben Mozarts vollständig autographen Hornwerken—insbesondere dem späten, weit ausgreifenden Hornkonzert Nr. 4 in E♭-Dur, K. 495—erscheint K. 514 wie ein spätes Nachbild: ein heiteres Rondo-Finale, verknüpft mit Mozarts Wiener Kreis und mit Leutgeb, uns jedoch vor allem durch Süßmayrs Vollendung von 1792 überliefert.[1]

[1] Internationale Stiftung Mozarteum, Köchel-Verzeichnis entry: “Rondo in D for horn and orchestra” (bei 412,02) — dating (6 April 1792), status/authenticity note, and instrumentation.

[2] Digital Mozart Edition (Mozarteum): New Mozart Edition (NMA) V/14/5 Horn Concertos — English introduction/commentary discussing Süßmayr’s authorship and the relationship between Mozart’s draft and Süßmayr’s scored rondo.