K. 513

„Mentre ti lascio, o figlia“ (K. 513): Mozarts Konzertarie in Es-Dur für Bass

볼프강 아마데우스 모차르트 작

Unfinished portrait of Mozart by Lange, 1782-83
Mozart, unfinished portrait by Joseph Lange, c. 1782–83

Mozarts Konzertarie Mentre ti lascio, o figlia (K. 513) ist eine knappe, aber dramatisch hoch aufgeladene Szene für Bass und Orchester, komponiert in Wien am 23. März 1787.[1] Entstanden auf dem Höhepunkt seines reifen Opernstils, bündelt sie die emotionale Rhetorik der opera seria zu einem eigenständigen Stück, das durch seine durchkomponierte Anlage, seine beredte orchestrale Farbgebung und eine für eine tiefe Stimme ungewöhnlich anspruchsvolle Gesangspartie besondere Aufmerksamkeit verdient.[2]

Hintergrund und Kontext

Die 1787 in Wien komponierte Bassarie Mentre ti lascio, o figlia (Es-Dur, K. 513) fällt in Mozarts einunddreißigstes Lebensjahr und gehört zu jener reichen Schicht eigenständiger italienischer Konzertarien, die neben (und mitunter zwischen) den großen Bühnenwerken steht.[1] Das Datum ist ungewöhnlich präzise: der 23. März 1787.[3] Mit anderen Worten: Das Stück stammt aus derselben Schaffensphase, in der Mozart in ausgesprochen theatralen Kategorien dachte—ein wichtiger Hinweis darauf, weshalb diese „eigenständige“ Nummer wie eine vollständige Opernszene en miniature wirken kann.

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Das Werk wird mit Gottfried (Gottfrid) von Jacquin in Verbindung gebracht, einem Mitglied von Mozarts Wiener Umfeld; die neuere Forschung wiederholt häufig, Mozart habe K. 513 für ihn komponiert.[2] Ob Jacquin nun der erste Interpret war oder nicht, das Profil der Arie ist aufschlussreich: Mozart behandelt den Bass nicht bloß als komischen Vater oder polternde Autoritätsfigur (wie es in vielen Konventionen der opera buffa üblich ist), sondern als Träger ernsthafter, liebevoller Intensität—eine Ausdruckshaltung, die die tiefere psychologische Bassgestaltung seiner Opern der späten 1780er Jahre vorwegnimmt.

Text und Komposition

Mozart ließ für K. 513 kein neues Gedicht anfertigen; stattdessen griff er auf einen bereits existierenden Operntext zurück. Die Worte stammen aus dem Libretto von Duè (oder Due) Sant’Angiolo-Morbilli zu Giovanni Paisiellos Oper La disfatta di Dario.[2][4] Ganz im Sinne der opera seria wird eine Situation gesteigerter privater Emotion durch Gesang öffentlich gemacht: der schmerzhafte Abschied eines Vaters von seiner Tochter (im Titel: „Während ich dich verlasse, o Tochter“).

Schon musikalisch signalisiert Mozarts Besetzung eher den Anspruch einer Konzertarie als eine bloße Continuo-Begleitung. Die überlieferten Quellen und die moderne Katalogisierung nennen ein Orchester aus Flöte, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotten, 2 Hörnern und Streichern.[5] Die Klarinetten—1787 noch eine vergleichsweise „moderne“ Klangfarbe—sind dabei von Bedeutung: In Es-Dur können sie sowohl Wärme als auch einen milden Schimmer beisteuern und so die Zärtlichkeit der Arie mit jener Klangwelt verbinden, die Mozart in Wien kultivierte.

Musikalischer Charakter

K. 513 wird häufig als durchkomponiert beschrieben: Statt eines sauber abgegrenzten Da-capo-Designs formt Mozart die Arie als einen kontinuierlich sich entfaltenden dramatischen Bogen in drei verbundenen Tempobereichen (Larghetto – Allegro – Più allegro).[2] Diese Anlage ist mehr als eine formale Besonderheit; sie ist eine theatralische Strategie. Das eröffnende Larghetto schafft Raum für eine würdige, intime Ansprache (zuerst die Orchester-Einleitung, dann die Stimme), während die späteren schnelleren Abschnitte das Empfinden in Bewegung übersetzen—eine Steigerung, die an den Übergang einer Opernszene von Reflexion zu Entschluss erinnert.

Was die Arie innerhalb von Mozarts Bassschaffen besonders macht, ist gerade diese Verbindung von Pathos und Technik. Die Basspartie ist nicht einfach nur „tief“: Sie ist beweglich und rhetorisch fein ausgearbeitet und verlangt getragenes Legato ebenso wie flinke Figurationen in der beschleunigten Schlusssteigerung.[2] Mozart schreibt damit für einen Bass, der als Darsteller überzeugen und als Virtuose beeindrucken kann—ein Ideal, das K. 513 in die Nähe seiner besten eigenständigen Bühnenstücke für tiefe Stimme rückt.

Für Hörerinnen und Hörer, die Mozart vor allem durch seine Opern kennen, verdient Mentre ti lascio, o figlia Aufmerksamkeit als konzentriertes Beispiel seiner reifen dramatischen Kunst: eine in sich geschlossene Abschiedsszene, deren orchestrale Palette, flexible Form und emotional wache Gesangsschrift zeigen, wie operatisches Denken auch außerhalb eines abendfüllenden Theaterwerks aufblühen konnte.[1]

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[1] Internationale Stiftung Mozarteum (KV catalogue entry for K. 513; work title, genre, and basic catalog data).

[2] R. M. Smith, “The Concert Arias of Mozart” (PDF; discussion of K. 513: date/place, intended singer, form/sections, scoring, and vocal character).

[3] Wikipedia: Köchel catalogue (table entry giving date 23 March 1787, age 31, and Vienna for K. 513).

[4] Parlance Chamber Concerts program note (text source from Sant’Angiolo-Morbilli for Paisiello’s *La disfatta di Dario*; contextual description).

[5] IMSLP work page for K. 513 (instrumentation list, key, and general information).