K. 715

Rezitativ „Ah, da me s’allontani“ (K. 715) — zweifelhafte Einleitung zu „No, che non sei capace“ (K. 419)

de Wolfgang Amadeus Mozart

Silverpoint drawing of Mozart by Dora Stock, 1789
Mozart, silverpoint by Dora Stock, 1789 — last authenticated portrait

Das begleitete Rezitativ „Ah, da me s’allontani“ (K. 715) ist eine kurze Szene für Sopran und Orchester, deren Zuschreibung als unsicher gilt und die offenbar dazu bestimmt war, unmittelbar in Mozarts Einlagearie No, che non sei capace, K. 419, überzuleiten. Die Internationale Stiftung Mozarteum führt das Werk als „zweifelhaft“, obwohl es in einer autographen Quelle überliefert ist, und datiert es auf Wien, März–April 1791.

Was bekannt ist

Die Internationale Stiftung Mozarteum verzeichnet „Ah, da me s’allontani“ als erhaltenes recitativo strumentato (begleitetes Rezitativ) für Sopran und Orchester, konzipiert als Vorspiel zur Konzertarie No, che non sei capace, K. 419, und kennzeichnet seine Authentizität ausdrücklich als zweifelhaft.[1] Im selben Eintrag wird das Werk auf Wien, März–April 1791 datiert; als erste Aufführung ist der 16. April 1791 angegeben.[1]

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Zum Kontext: K. 419 selbst ist gesichert Mozart zuzuschreiben – eine Einlagearie zu Pasquale Anfossis Il curioso indiscreto, komponiert in Wien 1783 und mit festlicher Besetzung (einschließlich Trompeten und Pauken) überliefert.[2] Die neuere Forschung weist darauf hin, dass in Wiener Theatermaterialien unmittelbar vor K. 419 ein nicht zugeschriebenes begleitetes Rezitativ erhalten ist – genau die Art von Überlieferungslage, die die Autorschaft uneindeutig werden lassen kann.[3]

Musikalischer Gehalt

Als begleitetes Rezitativ zielt K. 715 vermutlich darauf, die dramatische Temperatur zu steigern, bevor die Arie mit ihren schnell abgefeuerten Zurückweisungen und ihrer bravourösen Schärfe einsetzt. Der Mozarteum-Eintrag nennt als Tonart des Rezitativs C-Dur – eine Wahl, die den rhetorisch „öffentlichen“ Charakter eines Orchesterrezitativs zuspitzen und zugleich die helle, zeremonielle Klangpalette vorbereiten kann, die mit der Besetzung von K. 419 verbunden ist.[1][4]

In Mozarts Wien zu Beginn des Jahres 1791 verortet – in Monaten konzentrierter Theaterarbeit (Die Zauberflöte nahm bereits Gestalt an, La clemenza di Tito lag noch vor ihm) – würde ein solches Rezitativ zu einem Spätstil passen, der zunehmend souverän in schneller Charakterzeichnung, pointierter orchestraler Interpunktion und sprechnaher vokaler Deklamation ist. Ob Mozart es tatsächlich geschrieben hat oder nicht: Das Konzept ist ganz „mozartisch“ – ein komprimiertes dramatisches Scharnier, das sprechähnliche Erregung in die gefasste Virtuosität der folgenden Arie überführt.

[1] Internationale Stiftung Mozarteum, Köchel-Verzeichnis entry for K. 715 (status, dating, key, authenticity, first performance, source note).

[2] Internationale Stiftung Mozarteum, Köchel-Verzeichnis entry for K. 419 (aria title, insertion context, scoring as listed).

[3] Richard Wistreich, “Attributing Mozart (i): three accompanied recitatives,” Cambridge Opera Journal (discussion of an unattributed accompanied recitative preceding K. 419 in Viennese manuscript materials).

[4] IMSLP work page for *No, no, che non sei capace*, K. 419 (basic work data and instrumentation summary).