K. Anh.A 48

Mozarts Instrumentation zu einem Viotti-Violinkonzert (K. Anh.A 48) in e-Moll

von Wolfgang Amadeus Mozart

Unfinished portrait of Mozart by Lange, 1782-83
Mozart, unfinished portrait by Joseph Lange, c. 1782–83

Instrumentation zu einem Konzert fĂŒr Violine von G.B. Viotti (K. Anh.A 48) ist ein ungewöhnlicher, grenzstĂ€ndiger Fall in Mozarts ƒuvre: Es handelt sich um einen erhaltenen, mit einem Autograph in Verbindung gebrachten Materialbestand zu einem Viotti-Violinkonzert in e-Moll, der gemeinhin mit Mozarts Wiener Jahren assoziiert wird. Obwohl in Ă€lteren Katalogisierungstraditionen bisweilen um 1785 verortet, datiert das Köchel-Verzeichnis der Stiftung Mozarteum das ĂŒberlieferte Material derzeit auf ca. 1789–1790.

Hintergrund und Kontext

In Wien verband Mozarts tĂ€gliche Arbeit in der Mitte bis gegen Ende der 1780er Jahre öffentliche VirtuositĂ€t mit ausgesprochen praktischer MusikausĂŒbung: dem Arrangieren, Anpassen und Vorbereiten von Musik fĂŒr konkrete AnlĂ€sse und bestimmte AusfĂŒhrende. Der Viotti-bezogene Eintrag K. Anh.A 48 gehört zu dieser pragmatischen Seite seines Lebens – ein Konvolut erhaltener Materialien zu einem Concerto in e for violin and orchestra von Giovanni Battista Viotti, wobei Mozart im Datensatz des Köchel-Verzeichnisses als Arrangeur genannt wird. WĂ€hrend die nutzerseitig angezeigten Katalogdaten hĂ€ufig als „Wien, 1785“ angegeben werden, schlĂ€gt der Mozarteum-Katalog fĂŒr die ĂŒberlieferten Quellen gegenwĂ€rtig eine Datierung auf 1789–1790 vor; eine Zuordnung zu einem genau bestimmbaren Zeitpunkt im Jahr 1785 ist daher mit Vorsicht zu behandeln. [1]

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Musikalischer Charakter

Was sich mit einiger Sicherheit sagen lĂ€sst, betrifft nicht eine vollstĂ€ndige Konzertpartitur in Mozarts Hand, sondern die Art des ĂŒberlieferten Materials.

Der Mozarteum-Eintrag nennt zwei Bestandteile:

  • BlĂ€serstimmen in Particellform (BlĂ€serparticell), ĂŒberliefert auf einem einzelnen Blatt (zwei beschriebene Seiten)
  • einen Klavierauszug (Klavierauszug)

In der Zusammenschau verweist dies auf Mozarts Mitwirkung auf der Ebene von Ausarbeitung und Instrumentationspraxis: das ErgĂ€nzen oder PrĂ€zisieren der BlĂ€serfĂŒhrung (oder zumindest deren Kopieren/Ordnen) sowie das Einrichten des Konzerts in einer klaviergerechten Fassung fĂŒr Probe, Hausmusik oder Studium. Die Tonart e-Moll deutet auf ein dunkleres, spannungsreicheres Ausdrucksspektrum als die „sonnenhelle“ Dur-Norm des Konzertrepertoires – ein Affekt, der im Konzertstil des spĂ€ten 18. Jahrhunderts hĂ€ufig zu markanterer orchestraler Pointierung und schĂ€rferen harmonischen Wendungen im Umfeld der solistischen Rhetorik einlĂ€dt, auch wenn die Orchesterbesetzung im Wesentlichen klassisch dimensioniert bleibt. [1]

Stellung im Katalog

K. Anh.A 48 steht unter den EintrĂ€gen zu Konzerten und einzelnen KonzertsĂ€tzen fĂŒr Soloinstrument und Orchester, hebt sich jedoch in der Autorschaft deutlich ab: Im Kern handelt es sich um Viottis Konzert; Mozarts Anteil ist am plausibelsten als Arrangeur- bzw. editorische TĂ€tigkeit zu verstehen, die sich im ĂŒberlieferten BlĂ€serparticell und im Klavierauszug spiegelt – weniger als Konzeption eines „originĂ€ren“ Mozart-Konzerts. [1]

[1] Stiftung Mozarteum Salzburg, Köchel-Verzeichnis entry for KV Anh. A 48 (key, status, dating, and source description including wind particell and piano reduction).