K. 512

Rezitativ und Arie fĂŒr Bass „Alcandro, lo confesso
Non sĂČ d’onde viene“ (K. 512)

von Wolfgang Amadeus Mozart

Unfinished portrait of Mozart by Lange, 1782-83
Mozart, unfinished portrait by Joseph Lange, c. 1782–83

Mozarts Recitativo e aria fĂŒr Bass „Alcandro, lo confesso
Non sĂČ d’onde viene“ (K. 512) ist eine kompakte dramatische Szene, komponiert in Wien am 19. MĂ€rz 1787, in E-Dur, fĂŒr den gefeierten Bassisten Ludwig Fischer. Entstanden, als Mozart 31 war, bĂŒndelt sie opernhafte IntensitĂ€t zu einem KonzertstĂŒck – halb Theater, halb virtuose Visitenkarte.

Hintergrund und Kontext

Im Wien Mozarts veranstalteten StarsĂ€nger hĂ€ufig eigene Benefizkonzerte, und die Komponisten lieferten dafĂŒr neue SchaustĂŒcke, maßgeschneidert auf die jeweiligen StĂ€rken. K. 512 gehört genau in diese Welt: Der Autographtitel im Köchel-Verzeichnis nennt Ludwig Fischer ausdrĂŒcklich (einen berĂŒhmten deutschen Bass, bewundert fĂŒr Kraft ebenso wie fĂŒr Umfang) und datiert das Werk auf Wien, 19. MĂ€rz 1787 [1] [2]. Fischer sang die Szene kurz darauf in einem Konzert im Wiener KĂ€rntnertortheater (hĂ€ufig wird der 21. MĂ€rz 1787 genannt), wodurch das StĂŒck keine operninterne „Nummer“ in situ ist, sondern eine Konzertarie mit unverkennbar theatralischem Instinkt [2].

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Das Jahr 1787 ist bekanntlich ein SchlĂŒsseljahr in Mozarts BĂŒhnenwerk: Es liegt zwischen der Wiener Konsolidierung von Le nozze di Figaro (1786) und dem Prager Triumph von Don Giovanni (UrauffĂŒhrung Oktober 1787). K. 512 bewegt sich in derselben Opernsprache der spĂ€ten 1780er – rasche Affektwechsel, pointierter orchestraler Kommentar und das GefĂŒhl, dass eine Figur ebenso sehr durch harmonische Zielrichtungen wie durch Melodie geformt wird –, auch wenn das Werk als in sich geschlossene Szene ĂŒberliefert ist.

Text und Komposition

Der Text stammt aus Metastasios L’Olimpiade (einem der am hĂ€ufigsten vertonten Opera-seria-Libretti des 18. Jahrhunderts). Das Köchel-Verzeichnis fĂŒhrt das StĂŒck als Szene mit Rezitativ und Arie und benennt seine Verbindung zu L’Olimpiade in den Quellenbeschreibungen ausdrĂŒcklich [1].

Mozarts Wahl von E-Dur ist selbst eine Form der Charakterisierung: In seinem SpĂ€tstil steht diese Tonart oft fĂŒr einen hellen, erhabenen, ja „strahlenden“ Affekt – kann aber, vom Chromatischen beschattet, plötzlich ins Unheimliche kippen. Dieses doppelte Potential passt zu einer Szene, deren PrĂ€misse gerade im GestĂ€ndnis und in emotionaler Destabilisierung liegt („Alcandro, ich gestehe es
“).

In der frĂŒhen DruckĂŒberlieferung wird das Werk ausdrĂŒcklich „zum Gebrauch in Konzerten“ prĂ€sentiert, und der frĂŒhe Druck von 1813 (wie im Köchel-Verzeichnis zusammengefasst) bewahrt sein orchestrales Profil: Streicher mit je zwei Oboen, Fagotten und Hörnern, dazu Flöte und Basso [1]. Das ist keine Begleitung allein mit Continuo; vielmehr setzt Mozart das Orchester als Partner der dramatischen Gestaltung ein.

Musikalischer Charakter

K. 512 ist eine echte zweiteilige Szene: Ein einleitendes recitativo accompagnato (orchestral begleitetes Rezitativ) fĂŒhrt in die Arie „Non sĂČ d’onde viene“. Das begleitete Rezitativ ist entscheidend: Statt das psychologische Timing allein dem SĂ€nger zu ĂŒberlassen, lĂ€sst Mozart das Orchester Zögern, Erregung und plötzliche Entschlossenheit fĂ€rben – eine Operntechnik, verdichtet auf ein Konzertformat.

Die Arie selbst verhĂ€lt sich weniger wie ein symmetrisches „da capo“-SchaustĂŒck als wie ein dramatischer Monolog. Man hört Mozarts Instinkt der spĂ€ten 1780er fĂŒr kontinuierliche Argumentation: Phrasen drĂ€ngen vorwĂ€rts, ziehen sich zurĂŒck und entzĂŒnden sich neu, als fĂ€nde das Denken in Echtzeit statt. Fischers Rolle bei der Entstehung des Werks ist hier zentral. Eine Bass-Konzertarie ist an sich bereits ein Statement (sopranische VirtuositĂ€t dominierte das Genre), und Mozart komponiert entsprechend – er gibt der tiefen Stimme nicht nur AutoritĂ€t, sondern auch Unberechenbarkeit und lyrische Verletzbarkeit.

Warum verdient K. 512 heute Aufmerksamkeit? Gerade weil es ein wenig abseits der kanonischen Opern steht. Es zeigt Mozarts Operngeist unter „realen“ Konzertbedingungen – schnell geschrieben fĂŒr einen bestimmten SĂ€nger, und doch ohne sich mit bloßer Schaustellung zu begnĂŒgen. Im Kleinen demonstriert es, wie Mozart eine herauslösbare Szene in ein psychologisch ĂŒberzeugendes TheaterstĂŒck verwandeln konnte, wobei das Orchester zugleich ErzĂ€hler, AtmosphĂ€re und Gegenspieler ist [1].

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[1] Internationale Stiftung Mozarteum, Köchel-Verzeichnis entry for K. 512 (work description, autograph date/place, early print and instrumentation summary, Metastasio/L’Olimpiade connection).

[2] Wikipedia: Ludwig Fischer (context for Fischer; notes on Mozart writing K. 512 for him and the KĂ€rntnertortheater concert date commonly given).