Rezitativ und Arie für Bass „Alcandro, lo confesso…Non sò d’onde viene“ (K. 512)
by Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Recitativo e aria für Bass „Alcandro, lo confesso…Non sò d’onde viene“ (K. 512) ist eine kompakte dramatische Szene, komponiert in Wien am 19. März 1787, in E-Dur, für den gefeierten Bassisten Ludwig Fischer. Entstanden, als Mozart 31 war, bündelt sie opernhafte Intensität zu einem Konzertstück – halb Theater, halb virtuose Visitenkarte.
Hintergrund und Kontext
Im Wien Mozarts veranstalteten Starsänger häufig eigene Benefizkonzerte, und die Komponisten lieferten dafür neue Schaustücke, maßgeschneidert auf die jeweiligen Stärken. K. 512 gehört genau in diese Welt: Der Autographtitel im Köchel-Verzeichnis nennt Ludwig Fischer ausdrücklich (einen berühmten deutschen Bass, bewundert für Kraft ebenso wie für Umfang) und datiert das Werk auf Wien, 19. März 1787 [1] [2]. Fischer sang die Szene kurz darauf in einem Konzert im Wiener Kärntnertortheater (häufig wird der 21. März 1787 genannt), wodurch das Stück keine operninterne „Nummer“ in situ ist, sondern eine Konzertarie mit unverkennbar theatralischem Instinkt [2].
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Das Jahr 1787 ist bekanntlich ein Schlüsseljahr in Mozarts Bühnenwerk: Es liegt zwischen der Wiener Konsolidierung von Le nozze di Figaro (1786) und dem Prager Triumph von Don Giovanni (Uraufführung Oktober 1787). K. 512 bewegt sich in derselben Opernsprache der späten 1780er – rasche Affektwechsel, pointierter orchestraler Kommentar und das Gefühl, dass eine Figur ebenso sehr durch harmonische Zielrichtungen wie durch Melodie geformt wird –, auch wenn das Werk als in sich geschlossene Szene überliefert ist.
Text und Komposition
Der Text stammt aus Metastasios L’Olimpiade (einem der am häufigsten vertonten Opera-seria-Libretti des 18. Jahrhunderts). Das Köchel-Verzeichnis führt das Stück als Szene mit Rezitativ und Arie und benennt seine Verbindung zu L’Olimpiade in den Quellenbeschreibungen ausdrücklich [1].
Mozarts Wahl von E-Dur ist selbst eine Form der Charakterisierung: In seinem Spätstil steht diese Tonart oft für einen hellen, erhabenen, ja „strahlenden“ Affekt – kann aber, vom Chromatischen beschattet, plötzlich ins Unheimliche kippen. Dieses doppelte Potential passt zu einer Szene, deren Prämisse gerade im Geständnis und in emotionaler Destabilisierung liegt („Alcandro, ich gestehe es…“).
In der frühen Drucküberlieferung wird das Werk ausdrücklich „zum Gebrauch in Konzerten“ präsentiert, und der frühe Druck von 1813 (wie im Köchel-Verzeichnis zusammengefasst) bewahrt sein orchestrales Profil: Streicher mit je zwei Oboen, Fagotten und Hörnern, dazu Flöte und Basso [1]. Das ist keine Begleitung allein mit Continuo; vielmehr setzt Mozart das Orchester als Partner der dramatischen Gestaltung ein.
Musikalischer Charakter
K. 512 ist eine echte zweiteilige Szene: Ein einleitendes recitativo accompagnato (orchestral begleitetes Rezitativ) führt in die Arie „Non sò d’onde viene“. Das begleitete Rezitativ ist entscheidend: Statt das psychologische Timing allein dem Sänger zu überlassen, lässt Mozart das Orchester Zögern, Erregung und plötzliche Entschlossenheit färben – eine Operntechnik, verdichtet auf ein Konzertformat.
Die Arie selbst verhält sich weniger wie ein symmetrisches „da capo“-Schaustück als wie ein dramatischer Monolog. Man hört Mozarts Instinkt der späten 1780er für kontinuierliche Argumentation: Phrasen drängen vorwärts, ziehen sich zurück und entzünden sich neu, als fände das Denken in Echtzeit statt. Fischers Rolle bei der Entstehung des Werks ist hier zentral. Eine Bass-Konzertarie ist an sich bereits ein Statement (sopranische Virtuosität dominierte das Genre), und Mozart komponiert entsprechend – er gibt der tiefen Stimme nicht nur Autorität, sondern auch Unberechenbarkeit und lyrische Verletzbarkeit.
Warum verdient K. 512 heute Aufmerksamkeit? Gerade weil es ein wenig abseits der kanonischen Opern steht. Es zeigt Mozarts Operngeist unter „realen“ Konzertbedingungen – schnell geschrieben für einen bestimmten Sänger, und doch ohne sich mit bloßer Schaustellung zu begnügen. Im Kleinen demonstriert es, wie Mozart eine herauslösbare Szene in ein psychologisch überzeugendes Theaterstück verwandeln konnte, wobei das Orchester zugleich Erzähler, Atmosphäre und Gegenspieler ist [1].
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[1] Internationale Stiftung Mozarteum, Köchel-Verzeichnis entry for K. 512 (work description, autograph date/place, early print and instrumentation summary, Metastasio/L’Olimpiade connection).
[2] Wikipedia: Ludwig Fischer (context for Fischer; notes on Mozart writing K. 512 for him and the Kärntnertortheater concert date commonly given).








