K. 581

Klarinettenquintett A-Dur, K. 581 („Stadler-Quintett“ )

ヴォルフガング・アマデウス・モーツァルト作

Silverpoint drawing of Mozart by Dora Stock, 1789
Mozart, silverpoint by Dora Stock, 1789 — last authenticated portrait

Mozarts Klarinettenquintett A-Dur, K. 581—vollendet in Wien am 29. September 1789—steht im Zentrum seines späten Kammermusikstils: intim im Maßstab, orchestrisch in der Farbigkeit und einzigartig auf die gesanglichen Möglichkeiten von Anton Stadlers Klarinette abgestimmt.[2] Entstanden, als Mozart 33 Jahre alt war, verwandelt es die konzertante Idee eines „hervorgehobenen“ Blasinstruments in etwas Suchenderes: ein Gespräch zu fünft, in dem die Klarinette führen, nachgeben und—in entscheidenden Momenten—scheinbar ebenso sehr zuhören kann, wie sie spricht.[3]

Hintergrund und Kontext

Wien im Jahr 1789 war nicht mehr das Wien von Mozarts Triumphzügen der mittleren 1780er Jahre mit ihren Subskriptionskonzerten. Der öffentliche Markt für Klavierkonzerte kühlte ab, und Mozarts Einkommen—ohnehin stets ein Flickwerk—hing zunehmend von Unterricht, Aufträgen und der Loyalität eines kleinen Kreises von Gönnern ab. Einer der wichtigsten war der Kaufmann Johann Michael Puchberg, an den Mozart eine Reihe dringlicher Bitten um finanzielle Hilfe richtete. In dieser prekären Lage wird Kammermusik weniger zu einer „privaten“ Gattung als zu einer pragmatischen: Man kann sie in Salons, bei Benefizen und im Freundeskreis erproben; sie verlangt weder Orchester noch Theater noch aufwendige Probenlogistik.

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Die Klarinette erlebte derweil in Wien einen besonderen Moment. Mozart hatte das Vermögen des Instruments, die menschliche Stimme zu imitieren, schon lange bewundert; doch es war die Präsenz von Virtuosen—allen voran Anton Stadler—die ihn dazu brachte, Kammermusik zu schreiben, die die Klarinette nicht als koloristische Neuheit, sondern als Protagonistin behandelt, fähig zu einer ausgedehnten, lyrisch geführten Argumentation. Die Ästhetik des Quintetts ist unverkennbar spätmozartisch: eine Gelassenheit, die Ambivalenz nicht ausschließt, und eine Freude am Timbre, die von der Form nicht zu trennen ist.

Die erste dokumentierte Aufführung fand am 22. Dezember 1789 bei einem Benefizkonzert der Tonkünstler-Societät im Wiener Burgtheater statt, in einem Programm, das ansonsten von Vincenzo Righinis Kantate Il natale d’Apollo geprägt war.[4] Der Zusammenhang ist bedeutsam. Benefizkonzerte dieser Art waren halböffentlich und für das Renommee wichtig; zugleich boten sie Gelegenheiten, bei denen „Kammermusik“ als Intermezzo innerhalb größerer theatralischer Rahmen erscheinen konnte. Nach dem редакtionellen Vorwort einer maßgeblichen modernen Spielausgabe spielte der Geiger Joseph Zistler die erste Violine, Stadler übernahm die Klarinettenstimme, und das Ereignis ist mit plausiblen Gründen als Uraufführung anzusehen.[3]

Komposition und Widmung

Mozart trug das Quintett in sein autographes thematisches Werkverzeichnis mit dem Abschlussdatum 29. September 1789 ein.[2] Der Widmungsträger war Anton Stadler—Freund, Logenbruder und die wohl prägendste Klarinettenpersönlichkeit in Mozarts Wien.[1] Was diese Widmung über eine höfliche Überschrift hinaushebt, ist, wie vollständig die Faktur das Profil eines konkreten Spielers verkörpert: nicht bloß „virtuos“, sondern überzeugend im Legato, geschmeidig in der Artikulation und ungewöhnlich warm in der Tiefe.

Einen aufschlussreichen Blick auf das gesellschaftliche Leben des Quintetts bietet Mozarts Brief vom 8. April 1790 an Puchberg, in dem er seinen Gönner einlädt, bei Graf Hadik „Stadlers Quintett“ zu hören, zusammen mit „dem Trio, das ich für Sie geschrieben habe“.[3] Zwei Dinge fallen auf. Erstens scheint Mozart selbst den Beinamen „Stadler-Quintett“ geprägt (oder zumindest gebilligt) zu haben und verankert das Stück damit stärker an seinem Interpreten als an einer abstrakten Gattungsbezeichnung.[3] Zweitens erscheint das Quintett als eine Art musikalische Währung innerhalb von Patronagenetzwerken: etwas, das Mozart—künstlerisch wie gesellschaftlich—anbieten kann, im Austausch für Wohlwollen und, nicht zuletzt, finanzielle Unterstützung.

Das Quintett steht außerdem in einer technisch-instrumentengeschichtlichen Erzählung: Stadlers Verbindung zur Bassettklarinette, also einer Klarinette mit erweitertem Tiefenumfang. Ein zeitgenössisches Programm (wie in einem maßgeblichen редакtionellen Vorwort berichtet) dokumentiert Stadlers Auftritt in Wien am 20. Februar 1788 mit einer erweiterten Klarinette, die damals als „Bassklarinette“ oder Inventionsklarinette bezeichnet wurde, gebaut von Theodor Lotz und um Töne unterhalb des Standardinstruments ergänzt.[3] Ob Mozart K. 581 für ein solches Instrument konzipierte, bleibt umstritten; doch die Hypothese hat die heutige Aufführungspraxis geprägt und erklärt, warum manche Passagen eine tiefere Fortsetzung zu „verlangen“ scheinen, als es die vertraute A-Klarinette zulässt.[3]

Selbst die spätere Überlieferungsgeschichte des Werks speist diese Debatte. Die autographe Partitur ist verloren; Herausgeber sind daher auf spätere Drucke und sekundäre Überlieferung angewiesen.[3] Dieses Fehlen ist kein trockenes bibliographisches Detail: Es ist ein Grund dafür, dass das Quintett ein lebendiges editorisches Problem bleibt—wie man zwischen dem, was die Quellen mitteilen, dem, was der historische Kontext nahelegt, und dem, was die Musik selbst zu suggerieren scheint, abwägt.

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Form und musikalischer Charakter

Mozarts Quintett ist konventionell viersätzig, doch es verhält sich weniger wie ein kleines Konzert als wie ein Streichquartett, das eine zusätzliche, menschenähnliche Stimme gewonnen hat. Die Klarinette ist häufig primus inter pares—erste unter Gleichen—doch Mozart konstruiert immer wieder Situationen, in denen die Streicher die emotionale Temperatur bestimmen und die Klarinette als Kommentatorin, Partnerin oder sanfte Provokateurin hinzutritt.

I. Allegro (A-Dur)

Die Haltung des Beginns kann mühelos wirken; strukturell ist sie alles andere als beiläufig. Mozart lässt zunächst die Streicher die soziale Ordnung etablieren—klare Phrasierung, ausbalancierte Harmonik—bevor die Klarinette so einsetzt, als trete Sprache in ein bereits laufendes Gespräch ein. Ihre ersten Beiträge sind nicht bloß „Melodie obenauf“; sie wirken wie eine Art tonales Licht: dieselbe Harmonie, plötzlich erwärmt.

Ein Kennzeichen von Mozarts Spätstil ist die Art, wie Textur zu Form wird. Statt eine große Gegenüberstellung von „Thema eins“ und „Thema zwei“ zu verkünden, behandelt er Motive oft als flexible Objekte, die zwischen Instrumenten und Registern wandern können. Hier ermöglicht die Fähigkeit der Klarinette zu nahtlosen Registerwechseln (vom dunklen chalumeau zum helleren Klang der Höhe) Mozart, die Farbe zu modulieren, ohne das Grundmaterial zu wechseln—eine ökonomische Methode, die den Eindruck kontinuierlicher, vokaler Entwicklung erzeugt.

Für Ausführende stellt der Satz eher eine kammermusikalische als eine solistische Frage: Wie bleibt die Klarinette hörbar, ohne die Streicher zur bloßen Begleitung zu degradieren? Die überzeugendsten Lesarten behandeln die Klarinette meist weniger als Hauptfigur denn als Gast, dem man gelegentlich den Raum überlässt.

II. Larghetto (D-Dur)

Der langsame Satz wird oft als „arieartig“ bezeichnet, doch das Charakteristische ist seine Zurückhaltung. Mozart schreibt eine Linie, die zu cantabile Spiel einlädt und zugleich jede offen opernhafte Zurschaustellung verweigert. Die Streicher polstern die Klarinette nicht nur ab; sie schaffen einen Halo sanft bewegter Harmonien, in dem die schlichtesten Intervalle der Klarinette wie Geständnisse wirken können.

Besonders modern ist, wie der Satz Atmung und Stille dramatisiert. Kadenzpunkte lösen sich eher auf, als dass sie abschließen; die Klarinettenlinie scheint häufig aus der umgebenden Textur zu kommen und in sie zurückzukehren. Mit anderen Worten: Mozart komponiert nicht nur Melodie, sondern Zuhören.

III. Menuetto mit zwei Trios (A-Dur)

Mozarts Entscheidung für zwei Trioteile ist mehr als eine zusätzliche Unterhaltung. Sie ist ein Experiment mit wechselnden sozialen Konstellationen.

  • In Trio I treten die Streicher nach vorn; die Klarinette wird zur Mitspielerin statt zur Anführerin.
  • In Trio II gibt Mozart der Klarinette eine stärker volksnahe Sanglichkeit (oft als Echo eines Ländler gehört), und das Ensemble wird erneut ausbalanciert—weniger höfisches Menuett, mehr ein zärtlicher Tanz im menschlichen Maßstab.

Hier wird auch die Frage der Bassettklarinette interpretatorisch greifbar. Moderne Herausgeber verweisen auf konkrete Stellen—besonders in Trio II—an denen die melodische Logik Töne unterhalb des tiefsten notierten E der Standardklarinette zu implizieren scheint und an denen spätere Quellen eine Linie „normalisiert“ haben könnten, die ursprünglich in Stadlers erweiterten Umfang hinabgriff.[3] Selbst wenn Ausführende beim Standardinstrument bleiben, kann das Bewusstsein dieser angedeuteten Tiefe Artikulation und Phrasierung beeinflussen: Man spielt, als könnte die Linie nach unten weitergehen, nicht als wäre sie an eine harte Grenze gestoßen.

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IV. Allegretto con variazioni (A-Dur)

Die Variationenform des Finales wird bisweilen als entspanntes Epilogstück verstanden. Doch gerade hier ist Mozart wohl am radikalsten in seiner Vorstellung von Gleichberechtigung. Variationen sind ihrem Wesen nach Gelegenheiten zur Zurschaustellung; Mozart macht sie zu Gelegenheiten der Umverteilung. Jedes Instrument erhält Momente eigenen Charakters, und die „Virtuosität“ der Klarinette ist häufig die Virtuosität des Mischens—des Anpassens an Bogenartikulation, des Ineinandergreifens mit Binnenstimmen, des Klangs wie eine zusätzliche Bratsche im einen Moment und wie ein lyrischer Sopran im nächsten.

Der tiefere Ausdruckspunkt ist, dass das Finale die früheren Sätze nicht überstrahlt; es versöhnt sie. Der übergreifende Affekt des Werks—sanfte Strahlkraft, beschattet vom Wissen um ihre Zerbrechlichkeit—findet hier seine vollständigste Aussage: ein Glück, das gemacht ist, nicht vorausgesetzt.

Rezeption und Nachwirkung

Das Klarinettenquintett wurde rasch zu einem Bezugspunkt dafür, was die Klarinette in der Kammermusik sein kann—nicht ein helles obligates Kolorit, sondern Trägerin einer getragenen, lyrisch entfalteten Argumentation. Seine langfristige Wirkung verläuft in zwei Richtungen: (1) repertorisch, indem spätere Komponisten die Idee eines Gesprächs zwischen Klarinette und Quartett übernehmen; und (2) instrumentengeschichtlich, indem Mozarts Schreibweise immer wieder das Interesse an Stadlers erweiterter Klarinette und dem von ihr implizierten Klangraum belebt.

Auch die Überlieferungsgeschichte hat die moderne Identität des Werks geprägt. Weil das Autograph fehlt, stützen sich Ausgaben auf nachgelassene Quellen; und weil diese Quellen überwiegend einen „standardisierten“ Klarinettentext repräsentieren, fragen Ausführende und Forschende weiter, was verloren gegangen sein könnte—Töne, Artikulationen und sogar ein vorausgesetztes Timbre-Ideal.[3] Diese Frage ist nicht antiquarisch. Sie berührt den Kern dessen, warum K. 581 unerschöpflich bleibt: Seine ruhige Oberfläche verbirgt Entscheidungen—über Instrumentenbau, über das Verhältnis von Darstellung und Dialog, darüber, was es heißt, dass Kammermusik zugleich öffentlich und privat sein kann.

Zusammengefasst wird K. 581 nicht nur gefeiert, weil es schön ist—obwohl es das ist—sondern weil es eine spätmozartische Ensemble-Ethik verkörpert: Virtuosität als Aufmerksamkeit, Eloquenz als Gegenseitigkeit. Selbst wenn die Klarinette am eindringlichsten singt, liegt der bleibende Zauber des Quintetts in dem Gefühl, dass fünf Stimmen gemeinsam denken.

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楽譜

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[1] Mozarteum (Köchel Catalogue) entry for KV 581: basic catalog data and context.

[2] Encyclopaedia Britannica overview: completion date (29 Sept 1789) and historical notes.

[3] G. Henle Verlag preface (PDF) with documentary details: completion date source, 22 Dec 1789 performance, Mozart’s 8 Apr 1790 letter to Puchberg (“Stadler’s Quintet”), basset-clarinet context, and source/edition history.

[4] Tonkünstler-Societät (reference entry) noting the 22 Dec 1789 Burgtheater concert and the first known performance of Mozart’s Clarinet Quintet alongside Righini’s cantata.