K. 581a

Satz fĂŒr ein Klarinettenquintett in A (K. 581a)

di Wolfgang Amadeus Mozart

Silverpoint drawing of Mozart by Dora Stock, 1789
Mozart, silverpoint by Dora Stock, 1789 — last authenticated portrait

Mozarts Satz fĂŒr ein Klarinettenquintett in A (K. 581a; K.Anh. 88) ist ein erhaltenes Fragment aus Wien (1789) und steht in enger Verbindung mit dem berĂŒhmten Klarinettenquintett in A, K. 581, das fĂŒr Anton Stadler entstand. Obwohl unvollstĂ€ndig und hĂ€ufig in AnhĂ€nge verbannt, gewĂ€hrt es einen seltenen Einblick in Mozarts Werkstatt, als er die expressiven und technischen Möglichkeiten von Stadlers Klarinette auslotete – insbesondere den damals neu erweiterten tiefen Tonumfang des Instruments.

Hintergrund und Kontext

1789 vertiefte Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) eine Zusammenarbeit, die maßgeblich dazu beitrug, der Klarinette ihre „klassische“ Stimme zu geben: die Freundschaft mit dem Wiener Virtuosen Anton Stadler (1753–1812). Das vollendete Klarinettenquintett in A, K. 581 – im Köchelverzeichnis auf Ende September 1789 in Wien datiert – ist Mozarts einzig vollstĂ€ndig erhaltenes Klarinettenquintett und ein Meilenstein kammermusikalischer Ausgewogenheit, nicht konzertanter Schau [1]) [2].

K. 581a gehört in denselben schöpferischen Umkreis. Meist wird es als ein (oft als rondoartige Finalidee verstandener) Satz fĂŒr Klarinette und Streichquartett in A-Dur beschrieben, der nur fragmentarisch ĂŒberliefert ist und lange vom vollendeten Quintett ĂŒberschattet wurde [3]) [1]). Gerade diese UnvollstĂ€ndigkeit macht jedoch einen Teil seines Reizes aus: Nur wenige kammermusikalische Werke Mozarts lassen uns so unmittelbar ein „Dazwischen“ des Erfindens hören – bevor formales Gleichgewicht, Wiederholungsschemata und die endgĂŒltige Stimmenverteilung vollstĂ€ndig festliegen.

Komposition und Widmung

Der Satz ist in der modernen KöchelzĂ€hlung als K. 581a (auch K.Anh. 88) verzeichnet; die Forschung verortet seine Skizzierung in Wien im September 1789, also im selben Monat wie das vollendete Klarinettenquintett, K. 581 [4]. Wie K. 581 ist auch dieses Fragment mit Stadler verbunden, dessen Spiel und Instrument – hĂ€ufig als Bassetklarinette in A verstanden (eine Klarinette mit erweitertem tiefem Umfang) – Mozart zu Linien anregten, die unter den normalen Klarinettenumfang hinabreichen [1]) [4].

Der Überlieferungszustand ist entscheidend: K. 581a ist nicht als abgeschlossener, auffĂŒhrbarer Satz in Mozarts Hand erhalten, sondern als Fragment. Moderne Ausgaben und Einspielungen prĂ€sentieren es daher als eine Art appendixhaften Begleiter zu K. 581 – als wertvolles Zeugnis, jedoch nicht als „fĂŒnften Satz“ mit gesichertem AuffĂŒhrungsstatus [3]) [5].

Form und musikalischer Charakter

K. 581a ist fĂŒr dieselbe Grundbesetzung wie K. 581 geschrieben – Klarinette mit Streichquartett – und bewegt sich in derselben strahlenden Tonartregion (A-Dur), einem Klangraum, den Mozart immer wieder fĂŒr Musik von WĂ€rme und lyrischer Ungezwungenheit wĂ€hlte. In der Literatur wird das Fragment hĂ€ufig als Kandidat fĂŒr ein Finalkonzept des Klarinettenquintetts oder als damit verwandt diskutiert: Ein rondo (wiederkehrender Refrain im Wechsel mit kontrastierenden Episoden) wĂ€re eine naheliegende ErgĂ€nzung zu K. 581s groß angelegtem ersten Satz, dem entrĂŒckten langsamen Satz und dem Menuett gewesen [3]) [1]).

Was das Fragment auszeichnet, ist weniger eine „Neuheit“ der Gattung – Mozarts Kammermusik strebte ohnehin nach dialogischer Gleichberechtigung – als vielmehr die Art, wie es Klarinettenidiome erprobt, die zugleich vokal gedacht und instrumental geprĂ€gt sind. Selbst in fragmentarischem Zustand lĂ€sst sich spĂŒren, wie Mozart abwĂ€gt:

  • ein refrainartiges thematisches Profil, das wiederholte Wiederkehr ohne Monotonie tragen könnte (die Kernaufgabe eines Rondos);
  • Kontraste zwischen reinen Streicherpassagen und vollem Ensemble, eine Dialogstrategie, die fĂŒr die reife Faktur von K. 581 zentral ist, wo die Klarinette oft als primus inter pares eintritt, nicht als Solist ĂŒber einer Begleitung [1]);
  • Registerdramaturgie, einschließlich der expressiven Sogwirkung der tiefen Töne des Instruments – ein Bereich, der mit Stadlers Klarinette mit erweitertem Tonumfang verbunden ist [4].

Genau deshalb verdient K. 581a innerhalb von Mozarts kammermusikalischem ƒuvre im Alter von 33 Jahren besondere Beachtung: Es dokumentiert nicht bloß „verworfenes Material“, sondern einen lebendigen Prozess der Verfeinerung. Die polierte NatĂŒrlichkeit von K. 581 kann sein Handwerk mĂŒhelos erscheinen lassen; K. 581a erinnert daran, dass ein solches Gleichgewicht durch Experiment, Revision und (bisweilen) auch durch Verzicht erreicht wurde.

Rezeption und Nachwirkung

Da es nur als Fragment erhalten ist, hat K. 581a nie die gesicherte AuffĂŒhrungstradition von K. 581 erlangt. In der modernen Praxis zirkuliert es vor allem ĂŒber wissenschaftliche Editionen und Spezialaufnahmen als ErgĂ€nzungsstĂŒck – hĂ€ufig zusammen mit anderen stadlerbezogenen Fragmenten –, um Mozarts Erkundungen der Klarinette in der Kammermusik der spĂ€ten 1780er Jahre zu beleuchten [3]) [4].

Sein VermĂ€chtnis ist daher weniger das eines Repertoire-„StĂŒcks“ als ein dokumentarisches: ein kleines, aber aussagekrĂ€ftiges Zeugnis eines Augenblicks, in dem die Klarinette dabei war, zur vollwertigen kammermusikalischen Protagonistin zu werden. FĂŒr Hörerinnen und Hörer, die K. 581 gut kennen, lĂ€sst sich K. 581a wie Mozarts Skizzenbuch neben dem fertigen PortrĂ€t wahrnehmen – kurz, unvollstĂ€ndig und gerade deshalb umso aufschlussreicher.

[1] Wikipedia – Clarinet Quintet (Mozart): notes K. 581’s context and mentions the A-major fragment (Anhang 88 / K. 581a) as possibly intended for the finale.

[2] Köchel catalogue (web mirror) – entry for K. 581 giving date (29 September 1789), place (Vienna), and basic identification.

[3] IMSLP – Clarinet Quintet in A major, K.Anh.88 / K. 581a: cataloguing, description as fragment/appendix, and editorial notes.

[4] Albert R. Rice, “The Basset Clarinet of Anton Stadler” (College Music Symposium) – discusses Stadler’s instrument and dates K. 581a (Anh. 88) as sketched in Vienna during September 1789.

[5] Digital Mozart Edition / Neue Mozart-Ausgabe foreword (Quintets with Wind Instruments) – notes the inclusion/presentation of the Rondo K. Appendix 88 (581a) in the NMA volume context.