K. 38

Apollo et Hyacinthus (K. 38) — Mozarts Salzburger Schuloper

av Wolfgang Amadeus Mozart

Portrait of Mozart aged 13 in Verona, 1770
Mozart aged 13 at the keyboard in Verona, 1770

Apollo et Hyacinthus seu Hyacinthi metamorphosis (K. 38) ist Mozarts bemerkenswerte lateinische „Schuloper“, komponiert 1767 in Salzburg, als er gerade elf Jahre alt war. FĂŒr ein UniversitĂ€tsdrama geschrieben und von studentischen SĂ€ngern aufgefĂŒhrt, gilt sie oft als Mozarts erste wirklich tragfĂ€hige Opernpartitur—bereits aufmerksam fĂŒr Charakterzeichnung, dramaturgisches Tempo und die Ausdrucksmöglichkeiten der Arie.[1][2]

Mozarts Leben zu dieser Zeit

1767 war Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) wieder in Salzburg—ein elfjĂ€hriger Komponist, dessen Europareisen ihn bereits mit der italienischen Oper und der weiteren Theaterwelt in BerĂŒhrung gebracht hatten.[1] Apollo et Hyacinthus gehört in eine Phase, in der die Familie erneut innerhalb der Salzburger Institutionen arbeitete—Dom, Hof und (in diesem Fall) die UniversitĂ€t—statt unterwegs zu sein. Dieser Rahmen ist entscheidend: Das Werk war fĂŒr eine akademische Festveranstaltung konzipiert, und seine Besetzung ergab sich aus den Gegebenheiten einer reinen Knabenschule, wobei die hohen Partien Jungen ĂŒbertragen wurden.[3]

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Das Ergebnis ist jedoch weit mehr als ein pflichtschuldiges Gelegenheitswerk. Selbst fĂŒr Hörer, die Mozarts spĂ€tere Opern kennen, kann Apollo et Hyacinthus verblĂŒffen: Ein ElfjĂ€hriger, der bereits in Szenen denkt, Emotionen dramaturgisch dosiert und Vokallinien schreibt, die dankbar zu singen sind und zugleich dem dramatischen Ziel dienen. Aufmerksamkeit verdient das StĂŒck nicht, weil es Idomeneo oder Le nozze di Figaro im Kleinen „vorwegnimmt“, sondern weil es zeigt, wie frĂŒh Mozart die Konventionen eines Genres aufnehmen und sie dann frisch und lebendig klingen lassen konnte.

Entstehung und Manuskript

Das Werk entstand 1767 in Salzburg als Intermedium (eine musikalische Einlage zwischen den Akten) zu einem lateinischen Schuldrama, Clementia Croesi, das an der UniversitĂ€t Salzburg aufgefĂŒhrt wurde.[1] Das Libretto lieferte Rufinus Widl (1731–1798), Benediktiner und UniversitĂ€tslehrer, der die Handlung aus Ovids Metamorphosen ĂŒbernahm—mit erheblichen moralischen und dramaturgischen Anpassungen, passend zu einem katholischen Bildungsrahmen.[1][4]

Die UrauffĂŒhrung fand am 13. Mai 1767 im Großen Saal (Aula Magna) der UniversitĂ€t Salzburg statt.[2] Heutige AuffĂŒhrungen prĂ€sentieren das Werk meist als kompakte dreiteilige Oper aus eigenem Recht (rund 75 Minuten), was damit zusammenhĂ€ngt, wie vollstĂ€ndig die Partitur ĂŒberliefert ist und wie geschlossen Widl und Mozart ihren dramatischen Bogen gestalten.[2]

Instrumentation (wie in den erhaltenen Quellen notiert):

  • HolzblĂ€ser: 2 Oboen
  • BlechblĂ€ser: 2 Hörner
  • Streicher: Violinen I & II, Viola, Violoncello, Kontrabass
  • Continuo: Cembalo
  • Stimmen: Solisten und gemischter Chor (SATB)

Dieses bescheidene Salzburger Orchester gehört zum Reiz des Werks: Mozart erzielt Vielfalt durch Satz, Textur und dramaturgische Gliederung statt durch bloße KlangfĂŒlle.[2]

Musikalischer Charakter

Auf der Ebene des Genres steht Apollo et Hyacinthus an einem Kreuzungspunkt. In seiner Funktion ist es „Schultheater“, doch seine musikalische Sprache greift auf italienische Opernnormen der Mitte des 18. Jahrhunderts zurĂŒck: in sich geschlossene Arien, die den Standpunkt einer Figur verdichten, Rezitative, die die Handlung vorantreiben, sowie Ensembles und Chöre zur zeremoniellen Rahmung.[1] Was es unter Mozarts Jugendwerken auszeichnet, ist nicht nur sein frĂŒhes Entstehungsdatum, sondern dass es eine ausgedehnte dramatische Situation mit echtem theatralischem Timing trĂ€gt.

Auch Widls Bearbeitung hat musikalische Konsequenzen. Weil der ovidische Mythos ursprĂŒnglich Apollos Liebe zu Hyacinthus ins Zentrum stellt, fĂŒhrt der Librettist Hyacinthus’ Schwester Melia ein (und wertet sie auf), lenkt die Handlung auf eine heterosexuelle Paarung und eine sauber geschlossene moralische Auflösung.[1] Mozart reagiert darauf, indem er Melia Musik von bemerkenswerter Haltung und lyrischer Konzentration gibt—dem spĂ€teren Mozart’schen GespĂŒr fĂŒr die „ernste“ Sopranlinie bereits nahe, in der Emotion durch weit gespannte Melodie vermittelt wird und nicht allein durch vokalen Glanz.

Ebenso aufschlussreich ist die Art, wie Mozart Situationen differenziert. Zephyrus, der eifersĂŒchtige Auslöser der Tragödie, ist tendenziell mit mehr Unruhe und rhetorischer SchĂ€rfe gezeichnet, wĂ€hrend Apollos Musik Adel und öffentliche AutoritĂ€t ausstrahlt, nicht intime Selbstbeichte.[1] Mit anderen Worten: Selbst innerhalb der Grenzen eines institutionellen Gelegenheitswerks—lateinischer Text, studentische AusfĂŒhrende, bescheidenes Orchesterâ€”ĂŒbt Mozart die zentrale Opernaufgabe: Charakter in Klang zu verwandeln. Genau diese Leistung mit elf Jahren ist der Grund, warum Apollo et Hyacinthus in Mozarts Werkverzeichnis weit mehr als eine KuriositĂ€t bleibt.

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Noter

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[1] Wikipedia — overview, context as intermedium to *Clementia Croesi*, libretto by Rufinus Widl after Ovid, synopsis and background.

[2] IMSLP — catalog information (date, first performance 13 May 1767, duration), instrumentation and cast listing.

[3] Wikipedia — list of Mozart operas; notes the work as music for a Latin drama and the all-male student performance context.

[4] Wikipedia — Rufinus Widl biography; identifies him as librettist and notes the 1767 performance connection.