K. 158

Streichquartett Nr. 5 F-Dur, K. 158 („Mailänder“)

av Wolfgang Amadeus Mozart

Miniature portrait of Mozart, 1773
Mozart aged 17, miniature c. 1773 (attr. Knoller)

Mozarts Streichquartett Nr. 5 F-Dur (K. 158) gehört zur sogenannten „Mailänder“ Gruppe (K. 155–160), die Ende 1772 und Anfang 1773 in Norditalien entstand – der Komponist war damals erst 17 Jahre alt. Während des Mailand-Aufenthalts der Mozarts geschrieben, verbindet das Werk italienisch anmutende melodische Ungezwungenheit mit einem frühen Sinn für Überraschungen – besonders deutlich in seinem souveränen F-Dur-Rahmen und einem eindringlichen langsamen Satz im Moll.

Hintergrund und Kontext

In den frühen 1770er-Jahren war Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) beruflich gesehen noch ein reisender Komponist: Seine Laufbahn schritt durch Reisen, Aufträge und Aufführungen voran, die Leopold Mozart mit großer Sorgfalt organisierte. Die sechs Quartette K. 155–160 sind von dieser „italienischen“ Phase nicht zu trennen. Sie entstanden während der Reisen der Mozarts durch Norditalien – besonders in Verbindung mit Mailand – und werden heute meist unter der modernen Sammelbezeichnung „Mailänder Quartette“ zusammengefasst.[1]

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Historisch stehen diese Stücke an einem aufschlussreichen Schnittpunkt. Einerseits war das Streichquartett als Gattung noch dabei, sein Profil zu festigen – im Nachhall frühklassischer Kammermusikstile (divertimentoartige Texturen, Dominanz der ersten Violine, leichte Begleitfiguren). Andererseits näherte sich Mozart bereits mit großer Geschwindigkeit jener verdichteten Quartettkunst, die wenige Monate später in Wien – im Austausch mit Joseph Haydns Neuerungen – prägend werden sollte.[2] K. 158 ist daher nicht „später Mozart“ im vertrauten Sinn, sondern ein Dokument dafür, wie rasch er lernte, vier Streichinstrumente mit Klarheit und Charakter miteinander ins Gespräch zu bringen.

Entstehung und Widmung

Das Streichquartett Nr. 5 F-Dur ist als K. 158 katalogisiert und wird in der Regel auf Anfang 1773 datiert, in die Mailänder Zeit, die auch die übrigen Werke der Gruppe K. 155–160 umfasst.[1] Im Köchel-Verzeichnis der Internationalen Stiftung Mozarteum ist das Werk als Quartett in F für zwei Violinen, Viola und Basso (also in der üblichen vierstimmigen Streicherbesetzung) geführt.[3]

Ein Widmungsträger ist mit K. 158 nicht so eindeutig verbunden, wie es bei späteren Quartetten der Fall sein kann, die sich mit bestimmten Gönnern oder Kreisen verknüpfen lassen. Diese relative Anonymität ist für die ganze Gruppe typisch: Es sind zweckgebundene Kammermusikwerke aus der Reisezeit – vermutlich gedacht für Aufführungen in kultivierten privaten Umgebungen während des Italienaufenthalts –, zugleich aber mit genug Eigenprofil, um genaues Hinhören zu belohnen.

Form und musikalischer Charakter

K. 158 ist für die Standardbesetzung des Streichquartetts gesetzt:

  • Streicher: Violine I, Violine II, Viola, Violoncello

Anders als bei Mozarts reifen Quartetten (wo vier Sätze zur Norm werden), folgt K. 158 dem dreisätzigen Plan, der in der italienischen Instrumentalmusik jener Zeit weit verbreitet war:[1]

  • I. Allegro (F-Dur)
  • II. Andante un poco allegretto (a-Moll)
  • III. Tempo di Menuetto (mit Trio in f-Moll)

Diese Anlage deutet bereits das besondere Profil des Quartetts an: Ein sonniger Eröffnungssatz in Dur wird von einem nach innen gewandten langsamen Satz in Moll ausbalanciert; und im abschließenden Menuett wechselt auch das Trio erneut ins Moll. Gerade für die Mailänder Gruppe ist eine solche expressive „Beschattung“ bemerkenswert – mehrere Quartette setzen den Mittelsatz in Moll –, und K. 158 ist ein besonders konzentriertes Beispiel dafür.[1]

I. Allegro

Der erste Satz entfaltet ein nach außen hin geschmeidiges, italienisch geprägtes Allegro: klare, symmetrische Phrasen, leuchtende F-Dur-Klänge und eine Textur, die der ersten Violine oft Raum zum Singen gibt, während die Innenstimmen rhythmische Elastizität beisteuern. Doch wäre es ein Irrtum, das Ganze als bloß „leichte“ Musik zu hören. Selbst innerhalb dieser galanten Oberfläche zeigt Mozart einen jugendlichen Sinn für rhetorisches Spiel – ausweichende Kadenzen, rasche Registerwechsel und kleine Timing-Kunststücke im Einsatz und Überlappen der Stimmen –, die beleben, was sonst wie höfliche Konversation wirken könnte.

II. Andante un poco allegretto (a-Moll)

Der langsame Satz bildet das emotionale Zentrum des Quartetts: ein Andante un poco allegretto in a-Moll, eine Tonartwahl, die die Klangpalette sofort verdunkelt (die Moll-Parallele zur Dominante der Haupttonart). Die Melodik ist hier stärker nach innen gerichtet, und das Ensemble wirkt weniger wie Solo mit Begleitung als vielmehr wie eine gemeinsame Meditation – ein frühes Zeichen dafür, dass Mozart Kammermusik zunehmend als Ort für Charakter und Kontrast begriff, nicht nur für Anmut.

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III. Tempo di Menuetto (Trio in f-Moll)

Der Schluss mit einem Tempo di Menuetto statt mit einem schnellen Finale ist für die Mailänder Gruppe charakteristisch und verleiht K. 158 eine subtil altmodische Grazie.[1] Das höfische Äußere des Menuetts wird jedoch durch den Wechsel des Trios nach f-Moll kompliziert: eine Schattenversion der Haupttonart, die den Tanz für einen Moment in etwas Suchenderes verwandelt. Diese Dur/Moll-Kopplung am Ende ist ein Grund, warum das Quartett Aufmerksamkeit verdient: Innerhalb einer scheinbar bescheidenen Form entwirft Mozart einen Ausdrucksbogen, der in Leichtigkeit beginnt und mit einem Blick in Richtung Ernst schließt.

Rezeption und Nachwirkung

K. 158 hat nie die Stellung im Repertoire eingenommen, die den „Haydn“-Quartetten (K. 387, 421, 428, 458, 464, 465) zukommt; sein Wert liegt vielmehr im Historischen und Stilistischen: Es zeigt Mozart dabei, idiomatisch für vier Streicher zu schreiben und zugleich zu erproben, wie viel Kontrast sich in kompakten, unterhaltungsnahen Entwürfen unterbringen lässt. Die Neue Mozart-Ausgabe ordnet K. 158 dem frühen Quartettkorpus zu und macht damit deutlich, wie rasch sich Mozarts Quartettstil entwickeln sollte, sobald Haydns Modell später im Jahr 1773 unumgänglich wurde.[2]

Heute begegnen Hörerinnen und Hörer K. 158 oft über Gesamteinspielungen und Zyklen der Mailänder Gruppe, in denen es zunächst wie ein „leichtes“ Stück wirken kann – bis der langsame Satz in a-Moll und das Trio in f-Moll erkennen lassen, dass hier ein Teenager bereits auf das dramatische Potenzial von Tonart, Klangfarbe und Dialog aufmerksam ist. Für sich genommen gehört dieses Quartett zu den kompakten Studien eines jugendlichen Klassizismus: gewandt, ja – doch mit einem sorgfältig platzierten Sog, der vorausweist auf Mozarts spätere, tiefere kammermusikalische Gespräche.

[1] Wikipedia: overview of the Milanese Quartets (K. 155–160), dating (late 1772–early 1773) and movement/key notes relevant to K. 158.

[2] Digitale Mozart-Edition (Mozarteum): New Mozart Edition (NMA) foreword PDF for the string quartets (context for early quartets and development).

[3] Köchel Verzeichnis (Internationale Stiftung Mozarteum): work entry for K. 158 (quartet in F for 2 violins, viola and basso).