K. 560

Kanon in F-Dur für vier Stimmen „O du eselhafter Peierl“ (K. 560)

ヴォルフガング・アマデウス・モーツァルト作

Silverpoint drawing of Mozart by Dora Stock, 1789
Mozart, silverpoint by Dora Stock, 1789 — last authenticated portrait

Mozarts komischer Kanon „O du eselhafter Peierl“ (K. 560) ist ein vierstimmiger Rundgesang in F-Dur, den er am 2. September 1788 in sein Wiener Werkverzeichnis eintrug – der Komponist war damals 32 Jahre alt. So kurz das Stück auch ist: Es bündelt zwei Kennzeichen des späten Mozart – geselliges Musizieren und kontrapunktische Raffinesse – zu einer Miniatur für Freunde, Gelächter und messerscharfes Zusammenspiel.

Hintergrund und Kontext

Im Wien des späten 18. Jahrhunderts erfüllten Mozarts Kanons oft weniger die Funktion von „Konzertwerken“ als die von musikalischen Pointen – kurze Stücke für gesellige Runden, in denen versierte Amateure und Profis vom Blatt singen, Stimmen tauschen und das Reiben von strenger Technik und frechem Text auskosten konnten. Der Köchel-Katalog führt diesen Kanon als authentisches, abgeschlossenes Werk, entstanden in Wien am 2. September 1788, gesetzt für vier gleiche Stimmen (V1–V4) in F-Dur [1].

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Als Widmungsträger nennt der Eintrag der Mozarteum-Stiftung Johann Nepomuk Peyerl (im Text häufig als „Peierl“ geschrieben) – ein Hinweis darauf, dass der Spott offenbar eine konkrete, persönliche Zielscheibe hatte und nicht bloß einen allgemeinen komischen Typus meinte [1]. Besonders aufschlussreich ist bei K. 560 der Zeitpunkt: 1788 ist zugleich das Jahr der letzten drei Symphonien, und doch pflegte Mozart parallel diese kompakten, praktisch angelegten Vokalstücke für den privaten Gebrauch – Musik als gelebte soziale Praxis, nicht nur als öffentliches Monument.

Text und Komposition

Die Anfangszeile „O du eselhafter Peierl“ kündigt das Genre sofort an: eine freundschaftliche Beschimpfung, in ein formales Spiel erhoben. Der Mozarteum-Katalog nennt Mozart nicht nur als Komponisten, sondern auch als Verfasser des Textes – ganz im Einklang mit dem allgemeinen Befund, dass er für seine Wiener Kanons mitunter selbst die Worte lieferte [1].

Auch die Kataloggeschichte fügt eine kleine, aber aufschlussreiche Nuance hinzu. Moderne Referenzeinträge unterscheiden häufig zwischen verwandten Fassungen und Köchel-Nummer-Ergänzungen (K. 560, K. 560a/559a usw.) – ein Spiegel der komplexen Überlieferung solcher Gelegenheitsstücke [1] [2]. Für heutige Aufführende ist das weniger ein gelehrtes Rätsel als eine Erinnerung daran, dass Mozart solche Kanons als flexibles soziales Zahlungsmittel behandelte – anpassbar an neue Namen, Situationen und interne Scherze.

Musikalischer Charakter

Musikalisch lebt der Reiz dieses Kanons von einem Paradox, das dem Genre eingeschrieben ist. Ein Kanon ist per Definition ein rigoroses Verfahren: dieselbe Melodie wird von den nacheinander eintretenden Stimmen in festem zeitlichem Abstand nachgeahmt. Die Beschreibung des Mozarteums hebt dieses Grundprinzip hervor und verortet Mozarts Kanons in den Wiener Privatkreisen, wo sie sowohl zur Unterhaltung als auch als Demonstrationen kontrapunktischer Kunst dienen konnten [1].

In der Aufführung belohnt „O du eselhafter Peierl“ gerade deshalb besondere Aufmerksamkeit, weil es klein ist: Vier Sängerinnen oder Sänger müssen Textverständlichkeit mit der anwachsenden Dichte der Imitation ausbalancieren. Mit jedem Einsatz vervielfacht sich die Beschimpfung zu einem eng verzahnten Geflecht – komisch nicht, weil die Musik nachlässig wäre, sondern weil sie für eine derart wegwerfartige Botschaft übertrieben kunstvoll gemacht ist. Genau diese Unverhältnismäßigkeit ist der Witz.

Innerhalb von Mozarts Œuvre verdient K. 560 Beachtung als spätes Beispiel seiner Fähigkeit, Handwerk und Anlass zu verschmelzen. Das Stück steht in seinem Verzeichnis nahe bei anderen Kanons aus dem Jahr 1788 und macht deutlich, dass Mozarts Kontrapunkt nicht auf gelehrte Übungen oder große geistliche Werke beschränkt war; er konnte ein Privatzimmer, ein paar Freunde und einen flüchtigen Funken Satire beleben. Kurz: K. 560 zeigt Mozart als Dramatiker en miniature – Charakter, Timing und Ensemble-Interaktion, gesetzt mit nur vier Zeilen und einer einzigen, unerbittlich widerhallenden Melodie.

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[1] Internationale Stiftung Mozarteum, Köchel Verzeichnis entry: KV 560 (2) “O du eselhafter Peierl (Reitknecht)!” — dating (Vienna, 2 Sept 1788), key, scoring, persons, and canon context note.

[2] Wikipedia: “O du eselhafter Peierl” — overview of the canon and notes on related versions / Köchel-number variants (useful for transmission context).