K. Anh.H 10,05

Kanon in A für 4 oder 5 Stimmen „in 1“ (K. Anh.H 10,05)

av Wolfgang Amadeus Mozart

Miniature portrait of Mozart, 1773
Mozart aged 17, miniature c. 1773 (attr. Knoller)

Mozarts Kanon in A für 4 oder 5 Stimmen „in 1“ (K. Anh.H 10,05) ist ein kurzer, textloser Vokalkanon, der ohne gesicherte Zuschreibung überliefert ist und allgemein auf etwa 1772 datiert wird, als Mozart 16 Jahre alt war. Das Erhaltene wirkt eher wie eine knappe kontrapunktische Studie denn wie ein ausgearbeitetes Gelegenheitsstück; Herkunft und Funktion bleiben unbekannt.

Hintergrund und Kontext

Der Kanon in A für 4 oder 5 Stimmen „in 1“ (K. Anh.H 10,05) wird meist um 1772 angesetzt, doch weder sein Bestimmungsort noch sein praktischer Zweck sind dokumentiert, und selbst die Zuschreibung an Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) ist unsicher.[1] In dieser Zeit war Mozart nach den Italienreisen von 1769–1773 wieder in Salzburg und arbeitete unter dem Regiment von Erzbischof Colloredo – ein Umfeld, in dem er sowohl öffentliche Kirchenmusik als auch private Übungen im strengen Satz schrieb.[2]

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Obwohl Kanons Mozarts ganzes Leben hindurch begegnen, sind die frühen 1770er Jahre besonders reich an kontrapunktischen „Prüfstücken“ und gelehrten Miniaturen, die mit seinen italienischen Kontakten und seiner fortlaufenden Ausbildung zusammenhängen.[3] Dieser kleine A-Dur-Kanon passt gut in diese pädagogische Sphäre: ein prägnanter, in sich geschlossener Techniknachweis, überliefert ohne jene Kontextmarker (Text, Anlass, namentlich genannter Widmungsträger), die ihn fester verankern würden.

Musikalischer Charakter

Auf dem Papier wird K. Anh.H 10,05 weniger durch Melodik als durch das Verfahren bestimmt: eine einzige notierte Linie, die eine Satzstruktur für 4 oder 5 Stimmen erzeugen soll – das „in 1“ im Katalog weist darauf hin, dass der Kanon als eine einzige Stimme notiert ist, aus der die übrigen Stimmen abgeleitet werden.[1] Die Tonart A-Dur verleiht ihm einen hellen, offenen Klang, doch das musikalische Interesse liegt darin, wie sich das Thema in enger Imitation übereinanderschichten lässt, ohne dass die Harmonik zusammenbricht.

Ohne ein beglaubigtes Autograph oder eine weithin standardisierte moderne Aufführungsausgabe behandeln Interpreten ein solches Stück meist als kurzes kontrapunktisches Charakterbild: Die Linie wird von jeder Stimme nacheinander im vorgeschriebenen Abstand gesungen und bildet ein dichtes Geflecht aus Konsonanzen und vorbereiteten Dissonanzen, wie es für kanonisches Handwerk im Unterrichtsstil typisch ist. In diesem Sinn spiegelt die Musik – ob letztlich von Mozart oder nicht – jene disziplinierte kontrapunktische Denkweise, die der Sechzehnjährige nachweislich neben seinen theatralischeren und zeremoniellen Werken pflegte.

[1] Wikipedia: Köchel catalogue entry showing Anh.H 10,05 as “Canon in A for 4 or 5 voices in 1” (dated 1772; key A major).

[2] Encyclopaedia Britannica biography: overview of Mozart’s life and chronology (useful for situating 1772 within the Salzburg period).

[3] IMSLP work page for the related canon K. 73i (A major, 1772), providing corroborating reference context for early canonic pieces in A major.