Kanon in A für drei Stimmen in 1, „Caro bell’idol mio“ (K. 562)
by Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Kanon in A-Dur „Caro bell’idol mio“ (K. 562) ist ein kompakter dreistimmiger Tischkanon, den er am 2. September 1788 in sein Wiener Werkverzeichnis eintrug. Von bescheidener Dimension und doch von exquisiter Ausarbeitung zeigt er, wie Mozart ein privates, geselliges Genre in Musik von echter melodischer Haltung und kontrapunktischer Klarheit verwandeln konnte.
Hintergrund und Kontext
Mozart komponierte (und trug in sein thematisches Werkverzeichnis ein) den weltlichen Kanon „Caro bell’idol mio“ am 2. September 1788 in Wien, im Alter von 32 Jahren [1] [2]. Das Stück ist für drei gleiche Stimmen „in 1“ gesetzt (eine einzige notierte Zeile, die von drei Ausführenden nacheinander gesungen werden kann) – das klassische Format eines Tischkanons: Musik für ein geselliges Musizieren unter Freunden, oft mit minimaler Probe [1].
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Da Kanons bei Mozart häufig mit Scherzen oder Trinkliedern verbunden werden, kann K. 562 überraschen: Sein italienischer Text („Mein lieber, schöner Götze“) legt einen zärtlicheren, ja sanft theatralischen Ton nahe. Im Herbst 1788 arbeitete Mozart an einigen seiner ambitioniertesten öffentlichen Werke (darunter die letzten Symphonien) und pflegte dennoch weiterhin diese intimen kontrapunktischen Miniaturen für private Kreise – Musik, die Kunstfertigkeit und Charme in enger Balance hält.
Text und Komposition
Der Text ist italienisch, und das Stück ist ein authentischer, vollständiger Kanon, der in Quellen überliefert ist, darunter ein Autograph aus dem Jahr 1788 [1]. Die Besetzung lautet schlicht „3 Stimmen“ ohne Begleitung [2] – wodurch Intonation, Timing und Diktion der Ausführenden die gesamte „Orchestrierung“ ausmachen.
Obwohl der konkrete Anlass unbekannt ist, gehört der Kanon zu einem bemerkenswert konzentrierten Moment im Jahr 1788, als Mozart mehrere Kanons schrieb und katalogisierte. Diese Häufung deutet nicht nur auf eine soziale Nachfrage hin – Freunde, die gut singbare Runden wünschten –, sondern auch auf einen Komponisten, der über Kontrapunkt als lebendige, praktische Kunst nachdachte und nicht bloß als akademische Übung.
Musikalischer Charakter
In der Aufführung dauert K. 562 meist nur etwa zwei Minuten (oft weniger, je nach Tempo und Zahl der vollständig realisierten Einsätze), doch innerhalb dieses Rahmens gelingt Mozart ein expressiver Bogen, der eher an ein Opernensemble als an ein bloßes Rätsel denken lässt [2]. Dabei hilft die helle Stabilität von A-Dur: Der „offene“ Klang dieser Tonart kommt gleichen Stimmen entgegen und lässt Dissonanzen als vorübergehende expressive Färbung erscheinen statt als schweres Drama.
Das Charakteristische an dem Stück ist, wie selbstverständlich der strenge Imitationssatz zum Singen gebracht wird. Jeder Einsatz wirkt wie eine echte melodische Linie mit eigener rhetorischer Absicht – und muss sich doch in engem Abstand mit den anderen verzahnen. Darin liegt Mozarts späte Kanon-Kunst: Der Kontrapunkt ist sauber genug, um den Kenner zu befriedigen, während die Oberfläche für Laiensänger unmittelbar verständlich bleibt.
Für Hörerinnen und Hörer, die sich für Mozart jenseits des Konzertsaals interessieren, verdient „Caro bell’idol mio“ Aufmerksamkeit als Momentaufnahme seiner Wiener Alltagskunst – ein elegantes Werk im menschlichen Maßstab, in dem Disziplin und Vergnügen untrennbar sind.
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[1] Internationale Stiftung Mozarteum, Köchel Catalogue entry for KV 562 (dating, key, scoring, authenticity, source remarks).
[2] IMSLP work page for Canon for 3 Voices in A major, K. 562 (catalog date/place, general info, duration, instrumentation).









