Kanon in A-Dur für 4 Stimmen, „Bona nox! bist a rechta Ox“ (K. 561)
볼프강 아마데우스 모차르트 작

Mozarts Bona nox! bist a rechta Ox (K. 561) ist ein vierstimmiger a cappella-Kanon in A-Dur, den er am 2. September 1788 in Wien in sein thematisches Werkverzeichnis eintrug.[1] Hinter seiner kompakten, leicht singbaren Oberfläche verbirgt sich ein prägnantes Beispiel dafür, wie Mozart gesellschaftliche Komik, Sprachspiel und strenge kontrapunktische Kunst in weniger als zwei Minuten Musik zu verschmelzen wusste.
Hintergrund und Kontext
Mozarts späte Wiener Jahre brachten nicht nur Sinfonien, Konzerte und Opernprojekte hervor, sondern auch eine Reihe kleinformatiger Vokalstücke, geschrieben für geselliges, privates Musizieren. Die Kanons gehören fest in diese häusliche Sphäre: Musik, die man liest, singt, belacht und unter Freunden wiederholt – statt sie als „Konzertrepertoire“ zu präsentieren. Der Köchel-Katalogeintrag der Internationalen Stiftung Mozarteum zu K. 561 verortet Mozarts Kanons ausdrücklich in Wiener Privatkreisen, in denen sie eine „wichtige Rolle“ spielten, und vermerkt, dass Mozart einige ihrer Texte vermutlich selbst verfasst hat.[1]
Bona nox! ist im besten Sinne „mäßig dokumentiert“: Seine Echtheit steht nicht zur Debatte (bestätigt und überliefert), und die autographen Quellen sind erhalten.[1] Dennoch bleibt das Stück außerhalb der gängigen öffentlichen Erzählung von Mozarts Jahr 1788 – einem annus mirabilis, der auch die letzten drei Sinfonien umfasst. Gerade weil es informell ist, bietet K. 561 eine wertvolle Korrektur: Es zeigt Mozart, 32-jährig, noch immer als Kontrapunktiker und Dramatiker denkend, selbst wenn die „Bühne“ eine Tischrunde ist.
Text und Komposition
Mozart datierte K. 561 in Wien auf den 2. September 1788.[1] Die Besetzung ist für vier gleiche Stimmen (V1–V4) ohne Begleitung.[1] Als Kanon „in 1“ singen im Wesentlichen alle dieselbe Melodie und setzen nacheinander in festen Zeitabständen ein – eine alte gelehrte Technik, die hier für schnelle gesellschaftliche Wirkung umfunktioniert wird.
Der Text ist das Markenzeichen des Werks: ein parodistisches „Gute Nacht“, das durch mehrere Sprachen prallt – Latein (bona nox), Italienisch (bona notte), Französisch (bonne nuit), Englisch („good night“) und Deutsch/österreichischen Dialekt – bevor es in bewusst derbe Pointen abgleitet.[2] Zwar lässt sich die genaue Autorschaft der Worte nicht zweifelsfrei beweisen, doch gilt weithin die Ansicht, der Text stamme „wahrscheinlich von Mozart selbst“; die Mischung aus mehrsprachigem Wortwitz und skatologischem Humor hat enge Parallelen in der privaten Korrespondenz des Komponisten und im Sprachgebrauch seiner Familie.[2]
Musikalischer Charakter
Musikalisch ist K. 561 ein Musterbeispiel dafür, wie Kanontechnik dem Witz dienen kann. Die Strenge der Form – jede Stimme ist gezwungen, dieselbe Linie zu imitieren – erzeugt einen hörbaren „Stau“-Effekt: Mit jedem neuen Einsatz verdichtet sich der Satz, und der Witz steigert sich, weil dieselben Textfragmente in schneller Folge aufeinanderprallen. Das Ergebnis ist nicht nur komisch, sondern auch von Natur aus theatralisch: eine Miniatur-Ensembleszene, ganz ohne Figuren, Szene oder Begleitung.
Was Bona nox! innerhalb von Mozarts Kanons besonders macht, ist das geschickte Gleichgewicht zwischen gelehrtem Satz und volkstümlicher Direktheit. Das kanonische Verfahren ist seinem Ursprung nach konservativ, doch Mozart behandelt es wie einen sozialen Motor: eine Melodie, die geradezu zum Mitmachen einlädt, während der zunehmend keckere Text den Hörer belohnt, der jede sprachliche Wendung mitbekommt. Boston Baroque beschreibt das Stück treffend als ein „Durcheinander verschiedener Sprachen“ und merkt an, dass seine derb-erdige Art Lesern von Mozarts Briefen vertraut vorkommen wird.[3]
Zusammengefasst verdient K. 561 Aufmerksamkeit nicht trotz seiner Kürze, sondern gerade wegen ihr. In eine knappe Runde gepresst, zeichnet es ein sprechendes Porträt von Mozarts Wiener Leben: ein Komponist, der monumentale sinfonische Absätze schreiben konnte – und im selben Jahr nebenbei einen perfekt konstruierten Kanon hinwarf, dessen handwerkliche Substanz so echt ist wie sein Lachen ungeniert.
[1] International Mozarteum Foundation (Köchel Verzeichnis): work entry for KV 561 with dating (Vienna, 02.09.1788), key, scoring, authenticity status, and source/transmission notes.
[2] Wikipedia: overview of K. 561 including multilingual text content and common view that lyrics were probably by Mozart; contextual notes and text excerpts.
[3] Boston Baroque program note “Mozart’s Canons”: brief contextual discussion of the canons, including remarks on K. 561’s multilingual jumble and earthy humor.