Kadenzen zu Klavierkonzerten (K. Anh.G, verschiedene)
by Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Kadenzen zu einer Reihe von Klavierkonzerten – in der modernen Katalogisierung mit K. Anh.G (verschiedene) verbunden – sind in uneinheitlicher Überlieferung erhalten: von spielbaren Passagen für Soloklavier bis hin zu schwierigen Fragmenten und Stücken zweifelhafter Zuschreibung. Sie stehen in Beziehung zu Konzerten von den knabenzeitlichen „Pasticcio“-Werken (K. 40 und K. 107/1) über die reifen Wiener Konzerte bis hin zu K. 595 und bewahren etwas von Mozarts improvisatorischer Stimme auf dem Papier.[1]
Mozarts Leben in dieser Zeit
1768 war Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) zwölf Jahre alt und in Wien, wo er die theatralische und die Tasten-Kultur der Stadt in sich aufnahm, während er weiterhin Gelegenheitswerke in bemerkenswertem Tempo hervorbrachte. Die Kadenzen, die heute unter K. Anh.G (verschiedene) zusammengefasst werden, gelten oft als Juvenilia, weil sie eher kurze, praktische Einfügungen für das Tasteninstrument bewahren als vollständig autonome Kompositionen – und weil zumindest einige zugehörige Blätter offenbar im Familienkreis der Mozarts zirkulierten, abgeschrieben oder sogar nachgebessert wurden.[1]
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Musikalischer Charakter
Was unter dieser Sammelbezeichnung überliefert ist, ist im Kern „Mozart am Klavier“, verdichtet auf Kadenzenmaß: Passagenwerk, das dazu angelegt ist, die harmonische Spannung eines Konzerts auszuspinnen, die erwarteten Kadenzpunkte zu berühren und sauber zum Orchester zurückzuführen. In den frühesten Schichten, die mit dem knabenzeitlichen Konzert K. 40 verbunden sind, prägt schon die Quellenlage das musikalisch Sagbare: Die Neue Mozart-Ausgabe berichtet von einer Kadenz auf der Rückseite des letzten Blattes des K. 40-Autographs, die Wolfgang vermutlich zunächst mit Bleistift entworfen und Leopold später mit Tinte überschrieben und erweitert hat – mit Taktartwechseln, die zu keinem der Sätze des Konzerts eindeutig passen, was nahelegt, dass sie womöglich gar nicht sicher zu K. 40 gehört.[1]
Über die besser gesicherten Konzertkadenzen hinweg (zu Werken u. a. K. 175, 238, 246, 271, 365, 413–415, 449–451, 453, 456, 459, 488 und K. 595) ist das musikalische Profil mit Mozarts reifer Praxis stimmig: rasche Tonleitern und Arpeggien, knappe motivische Erinnerungen an die Themen des Satzes und eine klare harmonische Führung – oft auf ein gelassenes, rhetorisch „gesprochenes“ Ende hin, nicht auf bloßen Effekt. Selbst wenn die Zuschreibung einer bestimmten Kadenz zweifelhaft ist, zeigt die Seite meist dasselbe funktionale Ziel: die schwebende Kadenz des Konzerts mit einer kurzen, personalisierten Auszierung zu überbrücken, die improvisiert wirkt und doch mit klassischer Präzision landet.[1]
[1] Neue Mozart-Ausgabe (New Mozart Edition), foreword to X/28/2 “Keyboard Concertos and Cadenzas” (discussion of Mozart cadenzas K. 624/626a appendices, source situation, and the problematic cadenza on the reverse of the K. 40 autograph leaf).




