K. Anh.C 29.01

12 Contredanses für Graf Czernin (Michael Haydn), K. Anh.C 29.01

by Wolfgang Amadeus Mozart

Mozart with Golden Spur medal, 1777
Mozart wearing the Order of the Golden Spur, 1777 copy

Die sogenannten 12 Contredanses für Graf Czernin (K. Anh.C 29.01; früher „K. deest“ = K.⁶ 269b) sind nur in einer fragmentarischen klaviergebundenen Überlieferung erhalten und gelten heute als fälschlich Wolfgang Amadeus Mozart zugeschrieben. Das Köchel-Verzeichnis und moderne editorische Kommentare bringen die Quelle stattdessen mit Michael Haydn (1737–1806) in Verbindung; eine Mitwirkung Mozarts – sofern es überhaupt eine gab – lässt sich nicht zuverlässig nachweisen.12

Was bekannt ist

Das unter Contredances for Johann Rudolf Graf Czernin geführte Werk ist ausschließlich als Clavierfassung (Tastenfassung) überliefert und wird im Katalog des Mozarteums als fragmentarisch, unvollendet und falsch zugeschrieben beschrieben.1 Im selben Eintrag wird Michael Haydn als Komponist genannt – entsprechend der heute gängigen Auffassung, dass die lange unter Mozarts Namen kursierenden Contredanses zu Haydns Œuvre gehören und nicht zu Mozarts.1

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Die Neue Mozart-Ausgabe (Serie X: Werke zweifelhafter Echtheit) hält fest, dass der erhaltene Text ausschließlich auf einer Abschrift von Johann Michael Haydn beruht; zudem kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Bearbeitung selbst von Haydn und nicht von Mozart stammt.2 Die Nummerierung in der Klavierabschrift weist auf einen Zyklus von mindestens zwölf Tänzen hin, erhalten sind jedoch nur vier (Nr. 1–3 und 12, wobei Nr. 3 nur fragmentarisch überliefert ist); das orchestrale Original ist nicht erhalten.2

Traditionell wird eine Datierung um 1777 angegeben (häufig genauer Januar 1777), verbunden mit der Quellenbezeichnung „del Sig’r Czernin“ sowie mit Salzburger Faschingsumständen, die in einem zeitgenössischen Tagebuch festgehalten sind – Zusammenhänge, die plausibel, aber nicht zwingend sind.12

Musikalischer Inhalt

Das Erhaltene zeigt knappe, funktionale Contredanses im Gewand einer Tastenfassung – Musik, die für das gesellschaftliche Tanzen konzipiert ist, nicht für repräsentatives Konzertieren. Da der Zyklus unvollständig und die Orchesterfassung verloren ist, erlauben die überlieferten Stücke nur einen partiellen Blick auf Tonartenplan und Dramaturgie; dennoch verorten sie sich mit ihrer regelmäßigen Phrasierung und den unkomplizierten Texturen eindeutig in der Ballsaaltradition des späten 18. Jahrhunderts.2

[1] Internationale Stiftung Mozarteum, Köchel-Verzeichnis entry for K. Anh.C 29.01 (status, dating, instrumentation; names Michael Haydn and notes incorrect assignment and fragmentary transmission).

[2] G. Henle Verlag (PDF extract) quoting NMA Series X/29/3 commentary on the contredanses K. deest (269b): sole keyboard copy by Johann Michael Haydn; at least twelve dances; only Nos. 1–3 and 12 survive; orchestral version lost; dating hypotheses and Czernin context.