6 Deutsche Tänze für Orchester (K. 571)
볼프강 아마데우스 모차르트 작

Mozarts 6 Deutsche Tänze für Orchester (K. 571) bilden ein kompaktes, brillant koloriertes Ensemble von Ballsaalmusik, komponiert in Wien am 21. Februar 1789, als der Komponist 33 Jahre alt war. Für die höfische Karnevalstanzkultur des Redoutensaals geschrieben, zeigen diese Stücke, wie Mozart orchestrale Fantasie – Holzbläser, Blechbläser und sogar „türkisches“ Schlagwerk – in ein Genre einbringen konnte, das eher für den gesellschaftlichen Gebrauch als für den Konzertsaal bestimmt war.
Hintergrund und Kontext
In den späten 1780er-Jahren war Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) fest im Wiener Musikleben verankert – jedoch nicht nur als Opern- und Konzertkomponist. Im Dezember 1787 wurde er zum Kammermusicus (k. k. Kammermusiker/-komponist) ernannt; zu diesem Amt gehörte auch, während der Karnevalssaison Tänze für die Hofbälle zu liefern, insbesondere für jene im Redoutensaal. Die daraus entstehenden Ströme an Menuetten, Contredanses und Deutschen Tänzen (Deutsche Tänze) waren Funktionsmusik – gedacht als Begleitung von Bewegung, Konversation und Zeremoniell –, boten Mozart aber zugleich ein regelmäßiges Feld für konzentrierte Erfindung und farbige Instrumentation [1].
K. 571 gehört zu Mozarts reifem Wiener Tanzschaffen: Musik, die rasch niedergeschrieben wurde, oft unter lebhaften Bedingungen erklang und häufig in mehreren Gestalten verbreitet war (für volles Ensemble, in reduzierten Besetzungen und als Klavierfassungen). Der „alltägliche“ Zweck dieser Gattung lässt sie heute leicht übersehen; doch gerade K. 571 zeigt Mozart als Meister im Kleinen – wie prägnant er in wenigen Phrasen eine Stimmung zeichnen kann und wie kühn er mit instrumentalen Farben malt, ohne die für die Tanzenden notwendige rhythmische Klarheit zu gefährden.
Entstehung und Uraufführung
Der zu K. 571 gehörige Eintrag im Köchel-Verzeichnis bewahrt ungewöhnlich konkrete Angaben: Der Zyklus ist in autographen Materialien von 1789 überliefert, und eine abgeschriebene Partitur datiert die Folge ausdrücklich auf den 21. Februar 1789 [1]. Das passt zeitlich zur Karnevalssaison in Wien – also genau zu jener Phase, in der für die Redoutensaalbälle neue Tanzfolgen benötigt wurden.
Ein spezifisches „Uraufführungsdatum“ für K. 571 ist in gängigen Nachschlagewerken nicht eindeutig standardisiert; der intendierte Rahmen ist jedoch klar: höfische öffentliche Bälle in Wien, bei denen solche Tänze in Reihenfolgen erklangen (oft mit Trios und einer abschließenden Coda) und nicht als einzelne Konzertnummern [1]. Auch die spätere Überlieferung verweist auf praktische Popularität: Neben Orchesterstimmen finden sich Quellen und Ausgaben für Tasteninstrumente (ein früher Druck erschien 1793) – ein Hinweis darauf, wie Tanzmusik zwischen Ballsaal, Salon und häuslichem Musizieren zirkulierte [1].
Instrumentation
K. 571 ist mit jener festlichen, spät-18.‑jahrhundertlichen Ballsaal-Palette besetzt, die in einem großen Saal tragfähig war. Bemerkenswert ist die Besetzung nicht nur wegen ihrer Breite, sondern wegen ihres „Event“-Charakters: Trompeten und Pauken sowie türkisches Schlagwerk (Becken und Tamburin) machen aus einem an sich bescheidenen Tanztyp etwas, das eher einem Miniatur-öffentliches Spektakel nahekommt [1].
- Holzbläser: Piccolo, 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte [2]
- Blechbläser: 2 Hörner, 2 Trompeten [1]
- Schlagwerk: Pauken, Becken, Tamburin [1]
- Streicher: Streicher (wobei Quellen keine Bratschen vermerken) [2]
Zwei Aspekte verdienen besondere Hervorhebung. Erstens spiegelt die Präsenz der Klarinetten ihre wachsende Bedeutung in den Wiener Orchestern von Mozarts Reifezeit; Tanzmusik wurde – wie Oper und Konzert – zu einem Feld, auf dem die Klarinette Wärme und eine „gesprächige“ Beweglichkeit beisteuern konnte. Zweitens verweist das Schlagwerk auf den damaligen Geschmack an „Janitscharen-“ bzw. „türkischer“ Farbe: weniger als ethnografische Geste denn als modisches Klangsignal für Glanz, Neuheit und eine Prise Freiluft-Festlichkeit, die in die Unterhaltung im Innenraum importiert wird.
Form und musikalischer Charakter
Jeder der sechs Tänze folgt dem Muster des spät-18.‑jahrhundertlichen Deutscher Tanz: knapp gefasste, stark periodische Phrasen; klare Akzente für die Schritte; und eine helle, unmittelbar lesbare Orchesteroberfläche. K. 571 hört man am besten nicht als „sechs kleine Reste“, sondern als bewusst variierte Suite, in der Mozart Wiederholung (für das Tanzen nötig) mit Kontrast (für die Aufmerksamkeit nötig) ausbalanciert.
Ein typischer Aufbau solcher Zyklen ist:
- Tanz: Hauptteil mit geradlinigem, einprägsamem Profil
- Trio: kontrastierender Mittelteil (oft leichter besetzt oder anders im Charakter)
- Rückkehr: Wiederaufnahme des Anfangsmaterials
Die Dokumentation im Köchel-Verzeichnis verbindet die Folge in den überlieferten Materialien ausdrücklich mit „6 Trio und Coda“ und unterstreicht damit, dass Mozart (und/oder die ihn umgebende Aufführungstradition) den Zyklus als Abfolge mit inneren Kontrasten und einem nachdrücklichen Schluss verstand – nicht als sechs voneinander unabhängige Miniaturen [1].
Was K. 571 innerhalb seiner Gattung besonders macht, ist sein selbstbewusstes orchestrales Theater. Die Holzbläser verdoppeln nicht nur, sondern kommentieren, antworten und erhellen die Texturen; die Klanglichkeit von Blech und Trommeln kann die Musik plötzlich aus der genialen, indoorhaften Geselligkeit in etwas Zeremonielles kippen lassen. Mit anderen Worten: Mozart behandelt Ballsaaltanzmusik wie eine Cousine der Opera buffa – schnelle Charakterisierung, scharfes Timing und ein Gespür dafür, wie ein Farbwechsel die „Szene“ drehen kann.
Gerade das Ende der Folge ist aufschlussreich. In der Forschung wird darauf hingewiesen, dass der sechste Tanz eine substanzielle Coda enthält – eine Erweiterung, die dem Zyklus einen abgeschlosseneren, kulminierenden Charakter verleiht als vielen rein utilitaristischen Tanzreihen [3]. Das ist eine der kleinen, aber bedeutenden Weisen, in denen Mozart die Form adelt: indem er eine Reihe funktionaler Nummern zu einem überzeugenden Bogen formt.
Rezeption und Nachwirkung
Mozarts Deutsche Tänze stehen selten auf demselben öffentlichen Podest wie die späten Symphonien oder die großen Klavierkonzerte – nicht zuletzt, weil ihre ursprüngliche Funktion vergänglich war: Musik, gebunden an eine Saison, einen Saal und ein gesellschaftliches Ritual. Doch die Überlieferung von K. 571 in Autograph und mehreren späteren Quellen – zusammen mit der Publikation und der fortgesetzten Verfügbarkeit in Partiturform – legt nahe, dass Musiker seine Qualität und Brauchbarkeit rasch auch über eine einzelne Karnevalssaison hinaus erkannten [1].
Heute verdient K. 571 aus drei Gründen Aufmerksamkeit. Erstens ist es ein anschauliches Dokument von Mozarts offiziellen Wiener Pflichten: Hofdienst, der sich unmittelbar in Repertoire übersetzt [1]. Zweitens zeigt es, wie spät-18.‑jahrhundertliche „leichte“ Gattungen anspruchsvolles orchestrales Denken tragen können – besonders im Umgang mit den Holzbläsern und dem festlichen Schlagwerk. Drittens eröffnet es eine andere Perspektive auf Mozarts Reife: nicht die ausgreifende Argumentation eines Symphoniesatzes, sondern die Kunst, in weniger als ein paar Dutzend Takten etwas Genaues, Stilvolles und Einprägsames zu sagen – immer wieder, ohne an Charme zu verlieren.
[1] Köchel-Verzeichnis (Mozarteum): KV 571 work entry with context (Redoutensaal balls), autograph/source notes, dated copy (21 Feb 1789), and instrumentation listings in transmitted sources.
[2] IMSLP: 6 German Dances, K. 571 — general information and instrumentation details (including note that strings are without violas).
[3] Matthew Vincent dissertation (University of Florida PDF): remarks on KV 571 No. 6 including the presence of a substantive coda in the sixth dance.