K. 602

4 Deutsche TĂ€nze (Deutsche TĂ€nze), K. 602

av Wolfgang Amadeus Mozart

Silverpoint drawing of Mozart by Dora Stock, 1789
Mozart, silverpoint by Dora Stock, 1789 — last authenticated portrait

Mozarts 4 Deutsche TĂ€nze (K. 602), die er am 5. Februar 1791 in sein eigenes Werkverzeichnis eintrug, gehören zur spĂ€ten Wiener Tanzmusik, die er fĂŒr die Winterballsaison des Hofes lieferte. Kompakt und nach außen hin zweckgebunden, belohnt das Set genaues Hinhören durch seine lebendige Orchesterfarbigkeit—am eindrĂŒcklichsten durch einen Auftritt der Leyer (Drehleier), der aus Ballsaal-Kost CharakterstĂŒcke macht.

Hintergrund und Kontext

Wien erwartete in den spĂ€ten 1780er- und frĂŒhen 1790er-Jahren von seinen Komponisten, nicht nur Theater und Konzertsaal zu bedienen, sondern auch den Ballsaal. Nach Mozarts Ernennung zum Kammermusicus (Hofkammerkomponisten) am kaiserlichen Hof im Dezember 1787 wurde das Schreiben von Tanzmusik fĂŒr die öffentlichen Redouten (MaskenbĂ€lle) zu einer regelmĂ€ĂŸigen Pflicht, und seine Produktion in diesem „nĂŒtzlichen“ Genre nahm entsprechend zu [2] [3].

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Der sogenannte Deutsche Tanz (Deutscher Tanz) war ein modischer Paartanz im Dreiertakt im deutschsprachigen Raum—weniger feierlich als das Menuett und im Geist nĂ€her am lĂ€ndlichen LĂ€ndler, der spĂ€ter in die Walzertradition einfloss. Mozarts spĂ€te Tanzzyklen (besonders jene von 1788–89 und 1791) zeigen, wie ernst er diese höfische „Hintergrundmusik“ nahm: klare, fĂŒr TĂ€nzer angelegte Phrasenstrukturen, belebt durch scharfe instrumentale Kontraste, ĂŒberraschende Klangfarben und einen beinahe opernhaften Instinkt fĂŒr sofort lesbaren Charakter [3] [4].

K. 602 ist im symphonischen Sinn nicht „groß“—vier kurze Nummern fĂŒr den gesellschaftlichen Gebrauch—, doch es ist unverkennbar spĂ€te Mozart-Handschrift: ökonomisch, mit schneller Szenenandeutung und ungewöhnlich klangphantasievoll. In dieser Hinsicht steht es neben den bekannteren Deutschen Tanzsammlungen von 1791, K. 600 und K. 605, die oft zusammen als „dreizehn Deutsche TĂ€nze“ jener Saison gefĂŒhrt werden [5].

Entstehung und UrauffĂŒhrung

Das Köchelverzeichnis der Internationalen Stiftung Mozarteum fĂŒhrt die Vier Deutsche TĂ€nze (Four German Dances), K. 602, als Wiener Werk des Jahres 1791 [1]. Mozart trug die Sammlung am 5. Februar 1791 in sein persönliches thematisches Werkverzeichnis ein—ein Detail, das in modernen Referenzverzeichnissen und in der Dokumentation der Neuen Mozart-Ausgabe bestĂ€tigt wird [2] [6].

Wie bei viel Wiener Tanzmusik sind genaue Angaben zur ersten AuffĂŒhrung selten so gut dokumentiert wie bei Opern oder Konzertwerken. Am wahrscheinlichsten ist als Kontext die Redouten-Ballsaison 1791 (Ende Januar bis Anfang Februar), fĂŒr die Mozart in rascher Folge mehrere TanzsĂ€tze lieferte [6] [7].

Instrumentation

Die Tanzorchester am Wiener Hof waren flexibel, und Mozart variierte die Besetzung hĂ€ufig von Tanz zu Tanz, sodass innerhalb scheinbar einfacher StĂŒcke regelrechte „Miniatur-Orchestrationslektionen“ entstehen. Gerade bei K. 602 weisen Quellen und Forschung auf eine erweiterte Palette hin, die sowohl StandardorchesterkrĂ€fte als auch volkstĂŒmliche/novitĂ€tische Farben einschließen konnte.

Eine reprĂ€sentative Besetzung, wie sie mit den Veröffentlichungen der Deutschen TĂ€nze von 1791 (einschließlich K. 600–605) in Verbindung gebracht wird, umfasst [1]:

  • HolzblĂ€ser: 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte
  • BlechblĂ€ser: 2 Hörner, 2 Trompeten
  • Schlagwerk: Pauken; dazu in einzelnen Nummern Kolorierungsinstrumente wie Leyer (Drehleier) und Becken
  • Streicher: Violinen I & II (mit Basslinie nach Bedarf)

Bemerkenswert ist, dass einer der TĂ€nze von K. 602 ausdrĂŒcklich mit einer Leyer (Drehleier) verbunden ist—ein aufhorchen lassender Klang, selbst nach Mozarts MaßstĂ€ben in diesem Genre [1] [3]. Die Wirkung ist nicht bloß „komisch“: Sie erinnert daran, dass diese TĂ€nze mit Straßenmusik und populĂ€rer Unterhaltung kokettieren konnten, ohne den aristokratischen Rahmen zu verlassen.

Form und musikalischer Charakter

Deutsche TĂ€nze im Wien Mozarts sind meist knapp, aus symmetrischen Phrasen gebaut und auf unmittelbare VerstĂ€ndlichkeit auf der TanzflĂ€che angelegt. Typisch ist eine dreiteilige bzw. gerundet-zweiteilige Anlage—Haupttanz, kontrastierender Mittelteil (trioartig), dann RĂŒckkehr—mitunter mit einer kurzen Coda [1] [4].

Innerhalb dieses geradlinigen Rahmens hebt sich K. 602 durch Farbe und Charakterzeichnung ab:

  • Orchestrale „Scheinwerfer“. Statt das Ensemble als gleichförmige Begleitung zum Schrittwerk zu behandeln, verlagert Mozart den Hörfokus immer wieder—HolzblĂ€ser antworten den Streichern, das Blech verleiht eine zeremonielle SchĂ€rfe, und das Schlagwerk (wo eingesetzt) akzentuiert Kadenzen mit festlichem Glanz.
  • VolkstĂŒmliche Klangfarbe als Theater. Die Leyer-Episode (Drehleier) wirkt wie ein kurzer BĂŒhnenauftritt: Ein Klangwechsel, der sofort eine Außenwelt suggeriert—Straßenmusikanten, lĂ€ndlicher Tanz oder populĂ€res Spektakel—mitten im höfischen Ballsaal [3].

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  • Ökonomie des SpĂ€tstils. Diese TĂ€nze komprimieren „Handlung“ auf Sekunden: eine helle Anfangsgeste, eine kurze harmonische Wanderung und eine klare Kadenz fĂŒr die Drehung der TĂ€nzer. Wer aufmerksam hört, entdeckt den Witz darin, wie wenig Mozart braucht, um Kontrast anzudeuten.

FĂŒr heutige Hörer lohnt es sich am meisten, die Sammlung nicht als vereinzelte Miniaturen zu hören, sondern als Teil von Mozarts „Tanzsaison“ 1791, in der aufeinanderfolgende Nummern wie eine Abfolge wechselnder RĂ€ume im selben GebĂ€ude wirken können—jeder mit eigener Beleuchtung und sozialem Charakter.

Rezeption und Nachwirkung

K. 602 hat nie mit Mozarts spĂ€ten Symphonien oder Opern um kulturelles Prestige konkurriert; Tanzmusik war ihrem Zweck nach Gelegenheitsmusik. Doch gerade weil diese Werke fĂŒr reale, wiederkehrende AnlĂ€sse geschrieben wurden—und fĂŒr ein Publikum, das sie zwischen GesprĂ€chen, Bewegung und Spektakel hörte—liefern sie ungewöhnlich direkte Zeugnisse von Mozarts Berufsleben in Wien und davon, was der kaiserliche Hof als Unterhaltung schĂ€tzte [3] [6].

Heute begegnet man den vier TĂ€nzen am hĂ€ufigsten in Aufnahmen und Konzertprogrammen, die die spĂ€ten Deutschen TĂ€nze gemeinsam prĂ€sentieren (K. 600, K. 602, K. 605) und so Mozarts kontinuierliche Erfindungskraft ĂŒber mehrere kurze Nummern hinweg erfahrbar machen [5] [8]. Ihre „verdiente Aufmerksamkeit“ liegt in diesem Paradox: Musik, die vergĂ€nglich sein sollte, erweist sich in Mozarts HĂ€nden als mit demselben Ohr fĂŒr Charakter und Klang gestaltet, das auch seine grĂ¶ĂŸeren BĂŒhnen- und Orchesterwerke belebt—nur ist sie hier auf ihren unmittelbarsten, gesellschaftlichen Zweck destilliert.

[1] Köchel catalogue entry (Mozarteum) for KV 602: Vier Deutsche TÀnze; includes contextual notes and instrument listing references.

[2] sin80 work page: Mozart, 4 German Dances, K. 602; notes Mozart’s catalogue entry date and court context.

[3] The Cambridge Mozart Encyclopedia (preview text): entry discussion of Mozart’s court dance duties and note that a German Dance (K. 602) includes a hurdy-gurdy.

[4] Wikipedia: “Mozart and dance” overview; discusses typical forms and instrumentation tendencies of Mozart’s German dances.

[5] Wikipedia: “Three German Dances” (K. 605); notes grouping of K. 600, K. 602, and K. 605 as thirteen German dances and general context.

[6] Digital Mozart Edition (Mozarteum): New Mozart Edition PDF (IV/13/1/2) referencing 5 Feb 1791 and the K. 601/602 dance sets in Mozart’s catalogue.

[7] Filharmonikusok.hu program note (English) discussing Mozart’s late German dances and the 1791 ball season context for K. 600 and K. 602.

[8] IMSLP category page for Mozart’s Deutsche TĂ€nze (K. 600, K. 602, K. 605), useful for score access and basic work grouping.