K. Anh.H, various

14 Kanonische Studien (K. Anh.H, verschiedene; inkl. Nr. 3 = K. 720)

von Wolfgang Amadeus Mozart

Miniature portrait of Mozart, 1773
Mozart aged 17, miniature c. 1773 (attr. Knoller)

Die 14 Kanonischen Studien (K. Anh.H, verschiedene) sind ein kleines Konvolut vokaler Kanons, die traditionell mit Mozarts Teenagerjahren (um 1772) in Verbindung gebracht werden, als er 16 war. Ihr Erhaltungszustand ist fragmentarisch und uneinheitlich – ein Stück ist mit dem separaten Eintrag K. 720 verknüpft –, doch bietet die Sammlung weiterhin einen aufschlussreichen Einblick in jene strenge kontrapunktische Schulung, die Mozarts Handwerk prägte.

Hintergrund und Kontext

Die 14 Kanonischen Studien sind als Gruppe kurzer vokaler Kanons überliefert, die Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) um 1772 zugeschrieben werden; die genauen Umstände ihrer Entstehung (Anlass, Ausführende und sogar der Ort) sind nicht zuverlässig dokumentiert [1]. In dieser Zeit war Mozart überwiegend in Salzburg ansässig und arbeitete unter enger Anleitung – sowohl durch sein höfisches Umfeld als auch durch Leopold Mozart –, während er zugleich die gelehrten Techniken (invertierbarer Kontrapunkt, Imitation, strenge Stimmführung) weiter verfeinerte, die sich im Kanon besonders effizient erproben lassen.

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Innerhalb der Gruppe wird Nr. 3 mit K. 720 identifiziert, und mindestens ein im Umlauf befindliches Stück erscheint mit mehr als einer Textunterlegung (eine lateinische Fassung und ein deutsches Kontrafaktum, häufig mit „Sinkt die Nacht …“ angegeben) – ein praktischer Hinweis darauf, dass diese Stücke zum Singen und Wiederverwenden gedacht waren, statt als fertige „Konzertwerke“ präsentiert zu werden [2]. Darüber hinaus ist die Stellung einzelner Stücke innerhalb der Quellenüberlieferung unsicher, und die Zuschreibung ist nicht bei allen vierzehn Nummern gleichermaßen gesichert.

Musikalischer Charakter

Als Kanons sind diese Studien im Kern Übungen in Imitation: Eine einzige Linie ist so angelegt, dass nachfolgende Stimmen in festem zeitlichen Abstand und in einem bestimmten Intervall einsetzen können, sodass regelgerechte Harmonie eher durch Konstruktionsprinzipien entsteht als durch nachträgliche Korrektur. Was man bei solchen Stücken „auf dem Papier“ typischerweise sieht, ist ein knapp notiertes Thema (oft nur wenige Takte), mitunter mit minimalen verbalen Hinweisen für die Einsätze; das musikalische Interesse liegt darin, wie mühelos die Linie beim Überlagern mit sich selbst konsonante Intervalle und zielgerichtete Kadenzen hervorbringt.

Trotz ihrer Kürze verweisen die Kanons auf Mozarts lebenslange Souveränität im kontrapunktischen Denken – etwas, das später nicht nur in der Kirchenmusik und in Finali kultiviert wurde, sondern auch in den offenkundig gelehrten Satzweisen seiner reifen Wiener Werke. In diesem Sinne fungieren die 14 Kanonischen Studien weniger als in sich geschlossene Miniaturen denn als Werkstatt: winzige, disziplinierte Aufgaben, deren Lösungen – klare melodische Kontur, kontrollierte Dissonanz und saubere Kadenzplanung – Mozarts reife Synthese aus „Gelehrtem“ und unmittelbar Singbarem vorwegnehmen.

[1] Köchel catalogue entry noting “14 Canonic Studies (No. 3 is K. 720; the others are in Anh.H of K9)” with date c. 1772 and unknown place.

[2] Brilliant Classics Mozart Complete Edition booklet (PDF): notes mentioning the set of 14 canonic studies and a version with German text “Sinkt die Nacht…”.