K. Anh.H (various)

Sechs Skizzen und Fragmente zu einer Messe in B-Dur (K. Anh. H, verschiedene; inkl. K. 698)

von Wolfgang Amadeus Mozart

Portrait of Mozart aged 13 in Verona, 1770
Mozart aged 13 at the keyboard in Verona, 1770

Mozarts sechs erhaltene Skizzen und Fragmente zu einer Messe in B-Dur (K. Anh. H, verschiedene; einschließlich des separat ĂŒberlieferten instrumentalen Themas K. 698) bewahren flĂŒchtige Einblicke in liturgisches Denken, nicht jedoch eine auffĂŒhrbare Vertonung. In der Forschung werden sie hĂ€ufig mit Mozarts Wiener Aufenthalt des Jahres 1770 in Verbindung gebracht – damals war er 14 –; diese Notationssplitter lassen einen jungen Komponisten erkennen, der melodische EinfĂ€lle, harmonische Wege und KadenzenplĂ€ne fĂŒr das Ordinarium erprobt.

Hintergrund und Kontext

Die Gruppe, die meist als „sechs Skizzen und Fragmente zu einer Messe“ bezeichnet wird, besteht nicht aus einem zusammenhĂ€ngenden Partiturentwurf, sondern aus kleinen, diskontinuierlichen Notaten – einige rein instrumental, andere mit Anzeichen fĂŒr Vokal- oder Chorsatz –, die heute verstreut in Köchels Anhang (K. Anh. H, verschiedene) ĂŒberliefert sind und gewöhnlich zusammen mit dem kurzen instrumentalen Thema in B-Dur diskutiert werden, das als K. 698 katalogisiert ist („Theme in B-flat (fragment)“). K. 698 selbst wird ausdrĂŒcklich als fragmentarisches Thema in B♭ ausgewiesen und ist ohne jede gesichert dokumentierte Verbindung zu einem vollstĂ€ndigen Messteil erhalten [1].

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Diese BlĂ€tter werden oft mit Mozarts erster Italienreise und der breiteren mitteleuropĂ€ischen Musikwelt in Zusammenhang gebracht, die er unterwegs kennenlernte (einschließlich einer Zeit in Wien im Jahr 1770) – in einem Moment, in dem er „gelehrte“ Kirchenstile ebenso aufnahm wie die unmittelbar theatralischen Idiome von Oper und Instrumentalmusik [2] [3].

Musikalischer Charakter

Was sich mit Sicherheit sagen lĂ€sst, bleibt vor allem lokal: Die ĂŒberlieferten B-Dur-EinfĂ€lle sind knapp, funktional und in ihrer Kadenzierung deutlich – Musik, die eher wie eine rasche GedĂ€chtnisstĂŒtze des Komponisten wirkt als wie eine ausgearbeitete, textierte KontinuitĂ€t. K. 698 verweist als „Thema“ auf Mozarts Gewohnheit, zunĂ€chst einen gut singbaren melodischen Kern zu isolieren und Fragen der FortfĂŒhrung, Besetzung und Textunterlegung offen zu lassen [1].

Vom Charakter her lĂ€dt B-Dur naturgemĂ€ĂŸ zu jener festlichen WĂ€rme ein, die man aus Mozarts spĂ€teren geistlichen und reprĂ€sentativen Werken kennt; doch in diesen Fragmenten hört (oder vielmehr: sieht) man die Werkstatt des Teenagers: kurze Phrasen, harmonische Wegmarken und jene ökonomischen Wendungen, die sich je nach Bedarf zu ChorsĂ€tzen, kurzen fugenartigen EinsĂ€tzen oder orchestralen Einleitungen ausbauen ließen. Da sich aus dem erhaltenen Material allein kein vollstĂ€ndiger Messteil verlĂ€sslich rekonstruieren lĂ€sst, sind die Fragmente am besten als Entwicklungszeugnisse zu wĂŒrdigen – Mozart denkt in liturgischen GemeinplĂ€tzen, aber bereits mit Sinn fĂŒr einprĂ€gsames thematisches Profil und eine klare tonale Architektur.

[1] Wikipedia: Köchel catalogue entry list including K. 698 (“Theme in B-flat (fragment)”).

[2] Encyclopaedia Britannica: Mozart biography (context for 1770 travels and early development).

[3] Wikipedia: Wolfgang Amadeus Mozart biography (overview of 1770 period and travels, for general context).