K. 586

12 Deutsche TĂ€nze (Deutsche TĂ€nze), K. 586

by Wolfgang Amadeus Mozart

Silverpoint drawing of Mozart by Dora Stock, 1789
Mozart, silverpoint by Dora Stock, 1789 — last authenticated portrait

Mozarts 12 Deutsche TĂ€nze (K. 586) sind ein spĂ€tes Wiener Set gesellschaftlicher Orchester­tĂ€nze, komponiert in Wien im Dezember 1789, als der Komponist 33 Jahre alt war. FĂŒr die Hofballtradition der RedoutensĂ€le geschrieben, zeigen sie, wie Mozart funktionale Ballsaalmusik in Miniatur-CharakterstĂŒcke verwandeln konnte – farbenreich, dramatisch disponiert und in der Instrumentation oft ĂŒberraschend.

Hintergrund und Kontext

In den spĂ€ten 1780er Jahren schrieb Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) nicht nur Opern, Konzerte und Kammermusik fĂŒr die öffentliche BĂŒhne, sondern auch betrĂ€chtliche Mengen an Tanzmusik, die eng mit dem Hofleben verbunden war. Im Dezember 1787 erhielt er die Stelle des königlich-kaiserlichen Kammerkomponisten (Kammercompositeur) bei Kaiser Joseph II., ein Amt, dessen praktische Verpflichtung in der Lieferung von TĂ€nzen fĂŒr die jĂ€hrlichen BĂ€lle der Faschingssaison in den Wiener RedoutensĂ€len (den öffentlichen BallsĂ€len des Hofburgkomplexes) bestand. Diese scheinbar bescheidene Aufgabe erwies sich als kĂŒnstlerisch fruchtbar: Mozarts Deutsche TĂ€nze, Menuette und Contredanses aus diesen Jahren bilden eine eigenstĂ€ndige „Parallelproduktion“ und zeigen einen Komponisten, der schnell arbeiten konnte und dennoch in Klangfarbe, Stiltypik und Publikumswirkung dachte.[3][4]

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In diesem Zusammenhang stehen die 12 Deutschen TĂ€nze, K. 586, neben anderen spĂ€ten Sammlungen (etwa den 6 Deutschen TĂ€nzen, K. 571) als Teil von Mozarts regelmĂ€ĂŸiger Versorgung mit Ballmusik. Der Deutsche Tanz (Deutscher Tanz) – ein schneller Tanz im 3/4-Takt, oft als VorlĂ€ufer des Walzers beschrieben – war gerade deshalb beliebt, weil er Eleganz mit einem unmittelbareren, körperlicheren Schwung verband als das Ă€ltere Menuett.[1] WĂ€hrend Mozarts großformatige Werke aus dem Jahr 1789 hĂ€ufig im Schatten finanzieller Belastungen und eines wandelnden Publikumsgeschmacks diskutiert werden, bietet K. 586 eine andere Art von SpĂ€tstil-Evidenz: knapp, direkt und fĂŒr reale Körper in einem realen Raum gemacht.

Entstehung und UrauffĂŒhrung

K. 586 ist als Twelve German Dances (Zwölf Deutsche TĂ€nze) verzeichnet und wurde im Dezember 1789 in Wien komponiert.[5] Das Werk gehört zu jenem Strom von Musik, den Mozart nach seiner Hofanstellung fĂŒr die Festlichkeiten im Redoutensaal lieferte; der Eintrag im Köchel-Verzeichnis verortet diese Tanzzyklen ausdrĂŒcklich in der Kultur der FaschingsbĂ€lle und bemerkt, dass solche Sammlungen hĂ€ufig mit einer abschließenden Coda endeten.[1]

Genaue Dokumente zur ErstauffĂŒhrung einzelner Tanzsammlungen sind oft schwer greifbar: Diese StĂŒcke waren fĂŒr die Veranstaltungen einer Saison gedacht und konnten in mehreren praktischen Formaten kursieren. Die Quellenlage zu K. 586 spiegelt dieses pragmatische Weiterleben – Abschriften, Orchestermaterialien und KlavierauszĂŒge – und unterstreicht, dass diese Musik zum Gebrauch, zur Anpassung und zur Wiederholung bestimmt war, nicht zur einmaligen „Premiere“ im modernen konzertanten Sinn.[1]

Instrumentation

Ein Grund, weshalb K. 586 mehr Aufmerksamkeit verdient, als es gewöhnlich erhĂ€lt, ist sein lebendiges Orchesterprofil. In der auf IMSLP ĂŒberlieferten Besetzung nutzt die Sammlung eine festliche Palette des spĂ€ten 18. Jahrhunderts – mit dem auffĂ€lligen Detail, dass im Streicherchor die Bratschen fehlen:

  • HolzblĂ€ser: Piccolo, 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Fagotte
  • BlechblĂ€ser: 2 Hörner, 2 Trompeten
  • Schlagwerk: Pauken, Tamburin
  • Streicher: Violinen I & II, Violoncelli, KontrabĂ€sse (keine Bratschen)[2]

Auch die Dokumentation im Köchel-Verzeichnis verweist darauf, dass vollstĂ€ndige Orchestermaterialien mit einer umfangreichen Holz- und BlechblĂ€serbesetzung (einschließlich Trompeten und Pauken) im Umlauf waren – ganz im Sinne des Redoutensaal-Spektakels und der Erwartung, dass Tanzmusik sich in einem dicht gefĂŒllten Saal durchsetzen mĂŒsse.[1]

Form und musikalischer Charakter

K. 586 umfasst zwölf knappe TĂ€nze, die jeweils typischerweise mit einem alternativen Mittelteil (Trio) gekoppelt sind und ĂŒber die gesamte Sammlung hinweg durch eine abschließende Coda abgerundet werden – eine Anlage, die Vielfalt (von Tanz zu Tanz) mit einem ĂŒberzeugenden GefĂŒhl von Abschluss (die Sammlung als Zyklus) verbindet. Die Beschreibung im Köchel-Verzeichnis rahmt die Gattung hilfreich ein: Deutsche TĂ€nze sind flinker als Menuette, und Mozarts Tanzzyklen fĂŒr die RedoutensĂ€le gipfelten hĂ€ufig in einer Coda, die dem sonst rein modularen Nummernablauf eine beinahe theatrale „Finale“-Funktion verleiht.[1]

Statt diese StĂŒcke als „leichte Musik“ zu betrachten, trifft es genauer, sie als miniaturhafte Klang- und Charakterstudien fĂŒr eine gesellschaftliche Funktion zu hören. In wenigen Dutzend Takten kann Mozart höfischen Glanz, rustikalen Biss oder quasi-militĂ€risches Ă©clat durch topische Gesten evozieren – Fanfaren, BordunklĂ€nge, perkussive Akzente und eine BlĂ€serbehandlung, die die TanzflĂ€che in eine Art öffentliche BĂŒhne verwandelt. Das Fehlen der Bratschen kann die Textur schĂ€rfen (weniger innerer Streicher-Dunst) und schafft Raum, damit BlĂ€ser und Schlagwerk im mittleren Register mit ungewöhnlicher Klarheit sprechen.

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Die Sammlung zeigt zudem Mozarts spĂ€twienerische Gabe zur Ökonomie mit Wirkung: klare periodische Phrasierung fĂŒr die TĂ€nzer – und zugleich ein Komponistenohr dafĂŒr, wo eine Wendung harmonisch „ausbiegen“ sollte oder wie ein Klangfarbenwechsel eine wiederholte achttaktige Einheit neu beleuchten kann. In diesem Sinn steht K. 586 an der Grenze zwischen funktionaler höfischer Unterhaltung und der Vorliebe des Konzertsaals fĂŒr orchestrale Miniaturen – Musik, die sich heute als Zugabe oder Suite programmieren lĂ€sst und doch ihren ursprĂŒnglichen kinetischen Zweck bewahrt.

Rezeption und Nachwirkung

Die Deutschen TĂ€nze als Gattung stehen außerhalb des Kanons, den das Konzertleben bevorzugt, und K. 586 hat nie den Rang der spĂ€ten Symphonien oder der reifen Klavierkonzerte erlangt. Doch sein Fortleben in maßgeblicher Katalogisierung und die VerfĂŒgbarkeit vollstĂ€ndiger Partituren und AuffĂŒhrungsmaterialien weisen auf ein anhaltendes praktisches Interesse hin: Es ist „gut katalogisiert“, weil es breit gebraucht wurde.[1][2]

Historisch sind Mozarts höfische TanzauftrĂ€ge auch deshalb wichtig, weil sie eine grĂ¶ĂŸere Wiener Tradition verankern: Nach Mozart ging die Rolle des Redoutensaal-Tanzmusikers ĂŒber Gestalten wie Haydn und spĂ€ter Beethoven weiter und verbindet diese scheinbar gelegentlichen Werke mit der musikalischen Hauptökonomie der Stadt.[4] Mit dieser Linie im Ohr wird K. 586 mehr als eine unterhaltsame Nummernfolge. Es ist eine Momentaufnahme des öffentlichen Rituals Wiens Ende 1789 – faschingszeitliche Geselligkeit, orchestraler Glanz und die Begabung des Komponisten, selbst utilitaristischen Formen ein unverwechselbares Profil zu geben.

[1] Köchel-Verzeichnis (Mozarteum): work entry for KV 586, including Redoutensaal context and source/publication information.

[2] IMSLP: 12 German Dances, K. 586 — general info and commonly cited instrumentation details.

[3] Wikipedia: Wolfgang Amadeus Mozart — notes on his December 1787 appointment as chamber composer and its dance-music duties.

[4] Wikipedia: Mozart and dance — overview of Mozart’s court role and the RedoutensĂ€le balls as a driver of his dance output.

[5] Wikipedia: Köchel catalogue — entry listing K. 586 as 12 German Dances (December 1789, Vienna).