Die Rivalität
Während König Mitridate im Kampf gegen die Römer abwesend ist, haben sich seine beiden Söhne in Aspasia, die Verlobte des Königs, verliebt. Sifare, der jüngere Sohn, leidet in qualvoller Stille — er liebt Aspasia, will aber seinen Vater nicht entehren. Farnace, der ältere, hat solche Skrupel nicht: Er umwirbt Aspasia offen und hat sich heimlich mit Rom verbündet. Aspasia selbst ist gefangen: Sie erwidert Sifares Liebe, ist aber durch die Pflicht gegenüber dem abwesenden König gebunden. Der Gouverneur Arbate versucht, den Frieden zu wahren, doch die Rivalität der Brüder steuert auf eine Katastrophe zu.
Mitridate's Return
Mitridate kehrt kriegsgekrönt mit Lorbeeren zurück — aber der Sieg im Ausland kann den Verrat zu Hause nicht verbergen. Er spürt sofort, dass etwas nicht stimmt. Arbate informiert ihn über Farnaces Verrat: sein ältester Sohn hat Aspasia umworben und mit Rom konspiriert. Die Heimkehr des Königs wird bitter. In der Zwischenzeit beobachtet Ismene, die parthische Prinzessin, die Farnace versprochen ist, wie ihr Verlobter sie ignoriert und der anderen Frau nachjagt. Sie trägt die Ablehnung mit stiller Würde.
Verdacht und Prüfung
Mitridate bestätigt seine Verdachtsmomente über Farnace und explodiert vor Wut. Aber die Wut des Königs ist sowohl berechnend als auch hitzig — er entwirft einen grausamen Test für Aspasia, indem er vorgibt, sie von ihrer Verlobung zu entlassen, um zu sehen, ob sie ihre wahren Gefühle offenbart. Farnace, der ertappt wurde, beginnt, die ersten Gewissensbisse zu verspüren. Die politische Allianz mit Rom, die so clever schien, sieht jetzt wie eine Schlinge aus.
Sifare und Aspasia
Sifare und Aspasia treffen sich zum letzten Mal, wie sie glauben. Sifare muss gehen — der Verdacht seines Vaters wächst — und der Abschied ist verheerend. Er singt die schönste Arie der Oper und offenbart schließlich die Tiefe seiner Liebe. Aspasia, allein gelassen, ringt mit ihrer unmöglichen Situation in Musik von außergewöhnlicher emotionaler Kraft. Die beiden sympathischsten Charaktere der Oper werden von Kräften erdrückt, die außerhalb ihrer Kontrolle liegen.
Mitridates Zorn
Die volle Wahrheit kommt ans Licht: Beide Söhne lieben Aspasia. Farnace gesteht seine Schuld, aber es ist zu spät, damit das Geständnis helfen kann. Mitridate, von seinem eigenen Blut verraten, entblößt sich aller Gnade. Er verurteilt Aspasia zum Tode und erklärt, dass keiner der Söhne verschont bleiben wird. Die Wut des Königs ist total und erschreckend — der Krieger, der den Legionen Roms ohne zu zögern gegenüberstand, wird durch den Verrat seiner eigenen Familie zu Fall gebracht.
Die Liebenden
Mit dem drohenden Tod haben Sifare und Aspasia nichts mehr zu verbergen. Sie erklären ihre Liebe offen in einem Duett herzzerreißender Zärtlichkeit — wenn sie nicht zusammen leben können, werden sie allem, was kommt, Seite an Seite entgegensehen. Es ist der emotionale Höhepunkt der Oper: zwei Menschen, die sich für die Liebe über das Überleben entscheiden, ihre Stimmen verweben sich in einer Musik, die die Konventionen der Opera seria übersteigt.
Die Schlacht
Die Römer greifen an. Mitridate, trotz allem, reitet aus, um seinem lebenslangen Feind ein letztes Mal gegenüberzutreten. Sifare, der seine Loyalität durch Taten beweist, kämpft an der Seite seines Vaters. Selbst Farnace, durch Schuld und Ismenes geduldige Liebe verwandelt, wendet sich gegen seine römischen Verbündeten und schließt sich dem Kampf an. Marzios letzte Versuchung verhallt ungehört. Aspasia, die glaubt, alles sei verloren, denkt darüber nach, ihr eigenes Leben zu nehmen, anstatt sich einer Zwangsheirats zu unterwerfen.
Versöhnung
Mitridate wird vom Schlachtfeld zurückgetragen, tödlich verwundet, aber siegreich. In seinen letzten Momenten tut der sterbende König das, was unmöglich schien: Er vergibt beiden Söhnen. Er segnet die Ehe von Sifare und Aspasia, erkennt Farnaces Erlösung an und stirbt mit der Erklärung, dass Pontus sich niemals dem Kapitol beugen wird. Der vierzehnjährige Mozart verwandelte ein konventionelles lieto fine in etwas wirklich Bewegendes — das letzte Geschenk eines Vaters an die Kinder, die ihn enttäuschten.
