Zwölf Lieder für Singstimme und „Harmoniale“ (zweifelhaft), K. 662
by Wolfgang Amadeus Mozart

Die Zwölf Lieder für Singstimme und „Harmoniale“ (K. 662) sind als überlieferter Zyklus mit der Datierung 1774 (Salzburg oder Wien) erhalten, doch ist ihre Zuschreibung an Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) zweifelhaft. Die vorhandenen Indizien verbinden die Texte mit Christian Fürchtegott Gellert und verweisen auf ein ungewöhnliches, bis heute nicht geklärtes Begleitinstrument bzw. eine Bezeichnung: „harmoniale“.
Hintergrund und Kontext
K. 662 ist im Köchel-Verzeichnis des Mozarteums als Werk zweifelhafter Echtheit geführt, auf 1774 datiert und mit Salzburg oder Wien in Verbindung gebracht; die Texte werden Christian Fürchtegott Gellert zugeschrieben [1]. Der Zyklus ist überliefert, und zumindest einige Einzellieder lassen sich innerhalb desselben Katalogeintrags als separate Werkteile nachweisen (etwa das Danklied „Du bist’s, dem Ruhm und Ehre gebühret“) [1].
Die Begleitangabe „harmoniale“ gehört zu den auffälligsten Merkmalen der Überlieferung. Im Ergänzungsband der Neuen Mozart-Ausgabe zu zweifelhaften Werken weisen die Herausgeber darauf hin, dass der Begriff in den einschlägigen Dokumenten „ganz selbstverständlich“ erscheint, sich jedoch in Instrumententraktaten nicht nachweisen lässt – weder als eigenständiges Instrument noch verlässlich als Alternativbezeichnung (etwa) für die Glasharmonika, noch als Orgelregister; auch Mozart selbst scheint den Ausdruck nicht verwendet zu haben [2]. Zugleich wird dort bemerkt, dass die überlieferten Begleitungen zumindest praktisch auf einer Glasharmonika spielbar sind, auch wenn sie die eher idiomatischen, akkordischen und in hoher Lage liegenden Möglichkeiten des Instruments, wie sie aus Mozarts gesicherten späten Werken dafür bekannt sind, nicht ausschöpfen [2].
Musikalischer Charakter
Soweit sich die Musik anhand der überlieferten Stücke beurteilen lässt, zeigt sich ein Grundprofil strophischer, geistlicher deutscher Liedkunst: eine Singstimme, getragen von einer vergleichsweise schlichten Begleitung auf zwei Systemen, deren Satz offenbar darauf angelegt ist, eine klare Deklamation zu unterlegen, statt mit ihr zu konkurrieren [2]. Die editorischen Anmerkungen zur Quellenlage verweisen zudem auf Notations- und Überlieferungsanomalien (unter anderem Fragen der Schlüsselsetzung in frühen Drucken), die jeden Versuch erschweren, die Begleitung als unproblematische Klavierschrift zu behandeln [2].
Wäre K. 662 tatsächlich ein Werk des 18-jährigen Mozart, gehörte es in eine Phase, in der er noch in großem Umfang für die Salzburger Bedürfnisse im Bereich Vokal- und Kirchenmusik schrieb; doch gerade jene Merkmale, die diese Lieder im Kontext plausibel erscheinen lassen könnten – funktionale geistliche Versdichtung und zurückhaltende Begleitung – sind ebenso gut mit anderen zeitgenössischen Händen vereinbar. Der zweifelhafte Status bleibt daher zentral dafür, wie der Zyklus gehört und in Programmen berücksichtigt wird [1].
[1] International Mozarteum Foundation (Köchel-Verzeichnis): KV 662 work entry, status/dating, and listed work-parts.
[2] Digital Mozart Edition (Neue Mozart-Ausgabe, Supplement): Series X, Works of Dubious Authenticity — editorial discussion including the term “harmoniale” and issues of transmission/notation.