„Un moto di gioia mi sento“ (K. 579) — Mozarts Ersatzarie für Susanna in G-Dur
von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Arie für Sopran „Un moto di gioia mi sento“ (K. 579) entstand im August 1789 in Wien, als der Komponist 33 Jahre alt war. Als „Einlage“-Nummer für eine Wiederaufnahme von Le nozze di Figaro geschrieben, verdichtet sie Operncharakter zu einer kompakten, strahlenden Miniatur in G-Dur – ein Beleg dafür, dass Mozart selbst bei gelegentlichen Aufträgen dramatische Wahrhaftigkeit und vokale Eleganz zu verbinden wusste.
Hintergrund und Kontext
1789 kehrte Le nozze di Figaro (K. 492) an das Wiener Burgtheater zurück – drei Jahre nach der Uraufführung von 1786 – und Mozart lieferte für die Wiederaufnahme mindestens zwei zusätzliche Nummern: das Rondo „Al desio di chi t’adora“ (K. 577) und die vorliegende Arietta „Un moto di gioia mi sento“ (K. 579) [1]. Diese Ergänzungen stehen in einer vertrauten Praxis des 18. Jahrhunderts: den musikalischen Zuschnitt einer Oper an die Bedürfnisse (und Begabungen) eines konkreten Ensembles, eines bestimmten Spielorts und einer jeweiligen Saison anzupassen.
Der Eintrag des Salzburger Mozarteums im Köchel-Verzeichnis behandelt K. 579 ausdrücklich als Figaro-bezogene Einlage (Nr. 13a), überliefert in einem autographen Klavierauszug und in der Neuen Mozart-Ausgabe als Anhangsmaterial zu Figaro aufgenommen [2]. Moderne Nachschlagewerke beschreiben das Werk ebenfalls als für die Wiener Aufführungen von 1789 komponiert und verorten es als Ersatznummer im zweiten Akt [3].
Für Hörerinnen und Hörer ist dieser Kontext wichtig: K. 579 ist keine beliebige Konzertarie, die Virtuosität um jeden Preis ausstellt. Vielmehr handelt es sich um „theatralische Gebrauchsmusik“ von höchstem Rang – Musik, die so geformt ist, dass sie klingt, als gehöre sie in ein lebendiges Drama, auch wenn man sie heute im Recital oder in einer Anthologie hört.
Text und Komposition
K. 579 ist eine italienische Arietta in G-Dur, datiert auf August 1789 in Wien [3]. Der Text beginnt mit „Un moto di gioia mi sento nel petto…“, einem knappen Ausdruck von Freude, die von Beklommenheit gesäumt ist (Wonne „in mezzo il timor“, „mitten in der Furcht“) – eine emotionale Doppelbödigkeit, die Mozart in seinem reifen vokalen Schreiben immer wieder genussvoll auskostet.
Das Libretto wird gemeinhin Lorenzo Da Ponte zugeschrieben, Mozarts Partner bei Figaro, Don Giovanni und Così fan tutte; der Werk-Eintrag bei IMSLP nennt Da Ponte als Librettisten [3]. Der Status als Ersatzarie erklärt auch die spätere Wirkungsgeschichte: vom üblichen Aufführungstext der Oper abgelöst, zirkulierte das Stück eigenständig; IMSLP vermerkt eine Erstveröffentlichung im Jahr 1799 [3].
Musikalischer Charakter
Die Besetzung entspricht einer klassischen Opernorchester-Besetzung im Kleinen – Sopran mit Holzbläsern (Flöte, Oboe, Fagott), zwei Hörnern und Streichern [3]. Selbst ohne den Kontext von Figaro versetzt die Klanglichkeit die Hörenden unmittelbar in Mozarts Theaterwelt, in der Bläserfarben Stimmungswechsel ebenso anschaulich markieren können wie die Harmonik.
Was K. 579 besonders macht, ist seine Ökonomie: In kurzem Umfang entwirft Mozart ein Affektbild, das nicht schlicht „fröhlich“ ist, sondern zwischen Helligkeit und nervöser Erwartung balanciert. Diese Mischung – Freude mit einem Unterstrom – wirkt eng verwandt mit Susannas wacher Intelligenz in Figaro, einer Figur, die oft gezwungen ist, mehrere Züge vorauszudenken. Der Reiz der Arie liegt weniger in blanker vokaler Schaustellung als in charaktervoller Phrasierung: kurzatmige Gesten, die wie erregte Rede klingen können, beantwortet durch orchestrale Kommentare, die die emotionale Temperatur in Bewegung halten.
Gerade weil K. 579 etwas abseits der ausgetretenen Wege steht, verdient es Aufmerksamkeit. Es zeigt Mozart gegen Ende der 1780er Jahre, wie er das Operntheater nicht nur durch große neue Vorhaben, sondern auch durch fein bemessene „Reparaturen“ und Substitutionen präsent hält – kleine Formen, in denen melodischer Takt, Sinn für Timing und die Gabe zur emotionalen Ambivalenz unverkennbar bleiben [2].
[1] Mozarteum Digital Mozart Edition (Neue Mozart-Ausgabe): editorial preface for *Le nozze di Figaro* (mentions the two new arias K. 579 and K. 577 for the 1789 revival).
[2] Salzburg Mozarteum: Köchel-Verzeichnis entry for KV 579, including source information and NMA placement as Figaro appendix (No. 13a).
[3] IMSLP work page: composition date (August 1789), key, instrumentation, first publication (1799), attribution, and note that it was composed for the 1789 Vienna *Figaro* performances as No. 13a in Act II.