K. Anh.H 1,01

Übungsbuch für Barbara Ployer (K. Anh.H 1,01) in g-Moll

av Wolfgang Amadeus Mozart

Unfinished portrait of Mozart by Lange, 1782-83
Mozart, unfinished portrait by Joseph Lange, c. 1782–83

Mozarts Übungsbuch für Barbara Ployer (K. Anh.H 1,01) ist ein heterogenes pädagogisches Manuskript aus seinem Wiener Unterrichtsumfeld des Jahres 1784, als er 28 Jahre alt war. Das bekannteste musikalische Stück darin ist eine kurze Fuge in g-Moll für Streichquartett, separat als K. Anh.H 12,17 katalogisiert, fragmentarisch überliefert und in ihrer Provenienz unsicher.

Hintergrund und Kontext

1784 – auf dem Höhepunkt seines Wiener Erfolgs als Pianist und Komponist – unterrichtete Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) mehrere fortgeschrittene Privatschüler, darunter Barbara (Babette) Ployer, für die er auch Konzerte schrieb und aufführte [1]. Das heute als „Übungsbuch“ bezeichnete, mit Ployer verbundene Dokument (K. Anh.H 1,01) gehört eher in diese praktische Unterrichtswelt als in Mozarts öffentliche Publikationspraxis; sein Erhaltungszustand legt nahe, dass es sich um eine kleine, zusammengetragene Sammlung von Studienmaterial handelt und nicht um eine einzelne, durchgehend geplante Komposition [2]. Zuschreibung und Datierung werden im Allgemeinen mit 1784 angegeben, doch der Ort ist nicht verlässlich dokumentiert, und die Überlieferung des Manuskripts wirkt eher gemischt als einheitlich [2].

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Musikalischer Charakter

Das greifbarste „Notenmaterial“ in Verbindung mit diesem Konvolut ist die Fuge in g-Moll für Streichquartett (K. Anh.H 12,17) [3]. In einem strengen, kontrapunktischen Idiom gehalten, baut sie auf einem einzigen Thema auf, das in allen vier Stimmen imitatorisch durchgeführt wird – genau jene konzentrierte Satzweise, die sich dazu eignet, Gehör und Technik einer Schülerin im Hinblick auf Stimmführung und Ensemblebalance zu schulen. Selbst in fragmentarischem Zustand liegt der Schwerpunkt auf der Gleichberechtigung der Stimmen (die Mittelstimmen sind nicht bloß Begleitung), was zu Mozarts breiterer Faszination für den gelehrten Kontrapunkt in der Mitte der 1780er Jahre passt, die er neben seinem eher theatralischen, vom Konzertstil geprägten Schreiben pflegte [4]. Insgesamt lässt sich K. Anh.H 1,01 am besten nicht als „Liedersammlung“ verstehen, sondern als Blick in Mozarts Unterrichtszimmer: diszipliniertes Handwerk, g‑Moll-Schwere und Kammermusikschreiben, gedacht als Labor musikalischen Denkens.

[1] Barbara Ployer: biographical overview and connection to Mozart (Vienna pupil; concerto performances).

[2] MozartPortal composition page for K. Anh.H 1,01 (exercise book for Barbara Ployer; includes reference to the fugue K. Anh.H 12,17; basic catalog framing).

[3] IMSLP work page for the Fugue in G minor for string quartet, K. Anh.H 12,17 (score links and work identification).

[4] Digital Mozart Edition / Neue Mozart-Ausgabe: String Quartets, VIII/20/1/3 (editorial discussion referencing fugue fragments and transmission issues).