Szene und Rondo für Sopran in Es-Dur „Ch’io mi scordi di te? … Non temer, amato bene“ (K. 505)
par Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Szene und Rondo „Ch’io mi scordi di te? … Non temer, amato bene“ (K. 505) ist eine Konzertarie für Sopran mit piano obbligato und Orchester, entstanden in Wien Ende Dezember 1786. Für die gefeierte Nancy Storace (die erste Susanna in Le nozze di Figaro) geschrieben, verwandelt sie eine Abschiedssituation in ein ungewöhnlich intimes „Doppelkonzert“ für Stimme und Tasteninstrument.
Hintergrund und Kontext
Im Wien Mozarts war die Konzertarie mehr als ein Schaustück: Sie konnte ein maßgeschneidertes Porträt einer Sängerin sein, ein gesellschaftliches Ereignis und ein Feld für Experimente mit dem Genre. Ch’io mi scordi di te? … Non temer, amato bene (K. 505) gehört in diese Welt. Mozart trug das Werk in Wien am 27. Dezember 1786 in sein eigenes Werkverzeichnis ein, und schon die Besetzung ist auffällig – Sopran mit konzertantem Tasteninstrument, nicht bloß als Continuo, dazu eine leuchtende Farbenpalette aus Bläsern und Streichern.[1]
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Die Arie ist eng mit Nancy Storace (1765–1817) verbunden, der englischen Sopranistin, die Susanna im Mai 1786 kreierte und zu einer der prägenden Persönlichkeiten von Joseph II.s italienischer Truppe wurde. Übereinstimmenden Berichten zufolge schrieb Mozart K. 505 für ihr Abschiedskonzert in Wien am 23. Februar 1787 im Theater am Kärntnertor – ein Anlass, der das Abschiednehmen zur theatralischen Prämisse erhob und Mozart selbst vermutlich ans Tasteninstrument setzte.[2][3]
Text und Komposition
Der Text beginnt als bange Frage – „Muss ich dich vergessen?“ – und entfaltet sich zur Versicherung: „Fürchte dich nicht, Geliebter.“ Mozart hatte sich bereits früher im Jahr 1786 dafür interessiert, als er die verwandte Einlageszene Non più. Tutto ascoltai… Non temer, amato bene (K. 490) für eine private Wiederaufnahme von Idomeneo im Palais des Fürsten Auersperg komponierte (belegt für den 13. März 1786). Dieses frühere Stück verwendet eine obbligato Violine; K. 505 gestaltet dieselbe emotionale Situation zu einer Partnerschaft von Sopran und Tasteninstrument um.[4][5]
Die Instrumentation von K. 505 unterstreicht seinen Hybridcharakter zwischen Oper und Konzert. Im Eintrag des Köchel-Verzeichnisses wird das Werk als Szene für Sopran, „Clavier“ und Orchester beschrieben; genannt werden (unter anderem) zwei Klarinetten, Hörner und Streicher, das Tasteninstrument ist als piano forte concertato ausgewiesen.[1]
Musikalischer Charakter
Das Werk gliedert sich in zwei einander ergänzende Abschnitte: ein intensives begleitetes Rezitativ (Ch’io mi scordi di te?) und anschließend ein Rondo (Non temer, amato bene) in Es-Dur.[2] Was K. 505 auszeichnet – selbst unter Mozarts Konzertarien – ist die Art, wie die Tastenstimme als zweite Hauptfigur agiert. Statt lediglich harmonisch zu stützen, kommentiert sie, nimmt vorweg und tröstet; so entsteht innerhalb des orchestralen Rahmens ein Dialog von kammermusikalischer Intimität. Das Ergebnis wirkt wie eine psychologische Nahaufnahme der Oper, verschmolzen mit der öffentlichen Virtuosität eines Klavierkonzerts.
Diese Partnerschaft von Stimme und Tasteninstrument erklärt auch, warum das Stück mehr Beachtung verdient, als sein „anlassgebundener“ Ursprung vermuten ließe. Ende 1786 war Mozart zugleich Dramatiker und Poet des Tasteninstruments; K. 505 bündelt diese Gaben in einer einzigen Szene, in der Empfindung ebenso sehr durch instrumentale Rhetorik wie durch den Text vermittelt wird. Die Klarinetten (eine in Mozarts Wien zunehmend bevorzugte Klangfarbe) mildern den orchestralen Glanz, während das wiederkehrende Refrain-Thema des Rondos der Sopranistin erlaubt, einen überzeugenden emotionalen Bogen zu zeichnen – von Angst über Zärtlichkeit zu einer leuchtenden, errungenen Ruhe, die nicht bloß dekorativ wirkt.[1]
Unterm Strich steht Ch’io mi scordi di te? (K. 505) als kleines Meisterwerk von Mozarts reifem Bühnenton: eine Opernszene ohne Oper und ein langsamer Satz eines Konzerts mit Worten – für eine bestimmte Sängerin und einen bestimmten Moment geschaffen, und doch fähig, weit über jenen ersten Abschied hinaus zu sprechen.
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[1] Internationale Stiftung Mozarteum, Köchel-Verzeichnis entry for KV 505 (date in Mozart’s catalogue; scoring details incl. concertante keyboard and clarinets).
[2] Wikipedia: “Ch’io mi scordi di te?” (overview; Vienna composition in Dec 1786; association with Storace farewell concert; two-part recitative + rondo outline).
[3] Boston Baroque program note on K. 505 (context for Storace; Mozart likely performing the piano part; date and occasion framing).
[4] Internationale Stiftung Mozarteum, Köchel-Verzeichnis entry for KV 490 (Auersperg/Idomeneo context; performance date; link between K. 490 and K. 505).
[5] MozartDocuments.org: March 1786 (documentation and discussion of Auersperg’s private Idomeneo performance and Mozart’s new insertions incl. K. 489–490).








