K. 562e

Streichtrio in G-Dur (Fragment), K. 562e

볼프강 아마데우스 모차르트 작

Silverpoint drawing of Mozart by Dora Stock, 1789
Mozart, silverpoint by Dora Stock, 1789 — last authenticated portrait

Mozarts Streichtrio in G-Dur (K. 562e) ist ein kurzes, unvollendetes Allegro für Violine, Viola und Violoncello, das im September 1788 in Wien skizziert wurde und in enger Verbindung mit dem großen Divertimento für dieselbe Besetzung, K. 563, steht. Das Erhaltene lässt sich am besten als Einblick in Mozarts Werkstatt im Alter von 32 Jahren hören – als Versuch jener seltenen, ganz gleichberechtigten Streichtrio-Textur, die er nur ein einziges Mal vollständig ausgearbeitet hat.

Hintergrund und Kontext

Im September 1788 lebte Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) in Wien und arbeitete in außergewöhnlichem Tempo in verschiedensten Gattungen; das Autographdatum 27. September 1788 gehört zum vollendeten Divertimento in Es-Dur, K. 563, für Violine, Viola und Violoncello [1]. Neben diesem bedeutenden sechssätzigen Werk verzeichnet der Katalog des Mozarteums K. 562e – ein Allegro in G für dieselbe Triobesetzung – als erhaltenes, jedoch unvollendetes Fragment [2].

Die zeitliche Nähe, die identische Besetzung und die direkte Verknüpfung beider Einträge im Katalog machen es sehr wahrscheinlich, dass K. 562e mit demselben Schaffensmoment wie K. 563 zusammenhängt: Mozart erprobt Ideen für ein zweites groß angelegtes Trio oder für einen alternativen Beginn, bevor er sich auf die Es-Dur-Konzeption festlegt. Sicher sagen lässt sich jedoch weniger Spekulatives: Erhalten ist nur ein einziger Satz, und er liegt nicht in vollendeter Gestalt vor [2].

Musikalischer Charakter

K. 562e ist ein Allegro-Fragment in G-Dur, gesetzt für Violine, Viola und Violoncello [2]. Vom musikalischen Gehalt her gehört es in die Welt von Mozarts reifem Kammerstil: rasch voranschreitende thematische Arbeit, dialogisches Stimmengeflecht und die charakteristische Herausforderung, drei Streichstimmen ohne das harmonische „Polster“ einer zweiten Violine (oder eines Tasteninstruments) in einem fortlaufenden, ausgewogenen Gespräch zu halten.

Selbst in fragmentarischer Form ist die bemerkenswerteste Eigenschaft des Stücks sein Anspruch. Wie K. 563 zielt es auf ein Streichtrio, das nicht als leichtes Divertimento gedacht ist, sondern als Kammermusik gleichberechtigter Partner – virtuoser Glanz der Violine, die innere Rhetorik der Viola und die melodische wie bassfundierende Funktion des Violoncellos –, hier verdichtet zu einem Entwurf für einen einzigen eröffnenden Satz. Dass es unvollendet blieb, mag schlicht mit Mozarts praktischen Prioritäten im Spätherbst 1788 zusammenhängen; doch die erhaltene Seite zeigt ihn weiterhin in jenem hoch verdichteten, auf große Bögen angelegten Denken, das K. 563 im Trio-Repertoire zu einem Sonderfall macht [1].

[1] International Mozarteum Foundation (Köchel Verzeichnis): Divertimento in E♭ for violin, viola and violoncello, K. 563 — date, instrumentation, sources.

[2] International Mozarteum Foundation (Köchel Verzeichnis): Allegro in G for violin, viola and violoncello (fragment), K. 562e — status as uncompleted extant fragment; key; scoring; link to K. 563.