K. 562c

Kanon in C-Dur für 4 Stimmen in 1 (K. 562c)

di Wolfgang Amadeus Mozart

Mozart from family portrait, c. 1780-81
Mozart from the family portrait, c. 1780–81 (attr. della Croce)

Mozarts Kanon in C-Dur für 4 Stimmen in 1 (K. 562c; K. Anh. 191) ist eine kompakte, a cappella gedachte kontrapunktische Miniatur aus seinen Wiener Jahren, katalogisiert für vier gleichrangige Stimmen, die dieselbe Linie in strenger Imitation singen. Wahrscheinlich im September 1788 entstanden, gehört er zur geselligen, oft privaten Welt von Mozarts Kanons – Werken, die gelehrte Kunstfertigkeit in Musik verdichten, die man rasch, pointiert und mit einem Lächeln singt.

Hintergrund und Kontext

Mozarts Kanons nehmen in seinem Œuvre einen besonderen Platz ein: kurze, gesellschaftliche Stücke, in denen die „akademische“ Disziplin des Kontrapunkts zum Spiel, zum Witz oder zur freundschaftlichen Herausforderung wird. Der Kanon in C-Dur für 4 Stimmen in 1 (K. 562c) ist eine dieser Miniaturen – kurz genug, um als musikalische Visitenkarte zu dienen, und zugleich streng genug, um zu zeigen, wie mühelos Mozart regelgebundenes Schreiben natürlich klingen lassen konnte.

Obwohl ältere Katalogtraditionen diesen Kanon mitunter früheren Jahren zuordnen, verortet das Köchel-Verzeichnis (wie es sich in gängigen Referenzlisten widerspiegelt) K. 562c in Wien und in den September 1788 [2]. Dieses Datum ist aufschlussreich. Im Spätsommer und Herbst 1788 konnte Mozart zwischen höchst unterschiedlichen Erfindungsdimensionen wechseln – von der großen öffentlichen Rhetorik der späten Symphonien bis zur intimen, informellen Welt der Kanons für Freunde und das Musizieren im häuslichen Kreis. K. 562c zeigt denselben Geist am Werk, nur auf Miniaturformat verdichtet.

Der Kanon ist in der modernen Werkerschließung zudem „verlässlich belegt“ als K. Anh. 191 / K. 562c [1] – eine Erinnerung daran, dass viele solcher Stücke in Handschriften kursierten, für den praktischen Gebrauch abgeschrieben wurden und sich erst später in Druckausgaben und thematischen Katalogen stabilisierten.

Text und Komposition

K. 562c wird meist als textloser Kanon überliefert (oder ohne allgemein verbindlichen Text), was seine Funktion als kontrapunktische Studie und Ensemble-Spiel eher betont als die eines literarischen Liedes. Die Bezeichnung „4 Stimmen in 1“ bedeutet, dass alle vier Sänger ihre Stimmen aus einer einzigen notierten Melodie ableiten: Jede neue Stimme setzt imitierend ein, und der entstehende Kontrapunkt ergibt sich aus der Überlagerung.

Praktisch ist die Besetzung unkompliziert:

  • Stimmen: 4 unbegleitete Stimmen (a cappella), oft ausgeführt von gemischtem Chor oder von vier gleichrangigen Stimmen [1]

Solche Kanons waren ideal für die Wiener Geselligkeit: Sie benötigen keine Instrumente, kaum Probenzeit und laden zu mehreren Wiederholungen ein (besonders, wenn sie als Rundgesang ausgeführt werden), erlauben den Ausführenden dabei aber dennoch das kleine Prickeln, die durch versetzte Einsätze entstehenden Dissonanzen sicher zu navigieren.

Musikalischer Charakter

Was K. 562c auszeichnet, ist nicht melodische Weite, sondern Ökonomie – eine bewusste, beinahe epigrammatische Konzentration der Mittel. In einem gut gebauten Kanon hört der Hörer zwei Dinge zugleich: eine Melodie, die singbar bleiben muss, und eine harmonische bzw. resultierende Textur, die auch dann schlüssig bleiben muss, wenn sich die Stimmen übereinanderschichten. Mozarts Gabe besteht darin, beide Ebenen fließend zu halten.

In C-Dur – einer Tonart, die in Mozarts musikalischer Sprache oft mit Klarheit und öffentlicher „Offenheit“ verbunden ist – wirkt das kontrapunktische Spiel durchsichtig statt verknotet. Der Reiz des Kanons liegt darin, wie schnell aus einer schlichten Linie ein kleines Stück vierstimmigen Kontrapunkts wird, als demonstriere Mozart (ohne Pedanterie), dass gelehrte Technik eine Form von Gespräch sein kann.

K. 562c verdient Aufmerksamkeit, weil er Mozarts Wiener Kanons in größter Verdichtung zeigt: ein Genre, in dem sich die Ernsthaftigkeit des Handwerks und die Informalität des Zwecks begegnen. Heute gehört – ob als Choral-Zugabe, als Unterrichtsbeispiel für imitatorisches Schreiben oder als kurze Kuriosität im Konzert – bietet er ein Miniaturporträt des Kontrapunktikers Mozart: exakt, schnell und ausnahmslos musikalisch.

[1] IMSLP work page: Canon for 4 Voices in C major, K.Anh.191/562c (basic work data; a cappella voicing; catalog identifiers).

[2] Köchel catalogue (Wikipedia) entry listing 562c: Canon in C for 4 voices in 1; Vienna; September 1788 (useful for widely consulted catalogue-date context).