Köchel-Verzeichnis · K. 551

Sinfonie Nr. 41 in C-Dur, „Jupiter“

Sinfonie Nr. 41 in C-Dur, „Jupiter“
Porträt von Wolfgang Amadeus Mozart, um 1788–1790 (laut Hampel Auktionen, München)
Köchel-Verzeichnisnummer
K9 551 | K6 551
Genre
Orchestermusik
Form
Sinfonien
Tonart
C Major
Datum
10 August 1788
Ort
Vienna
Alter
32

Mozarts letzte Sinfonie ist die Sinfonie Nr. 41 in C-Dur, K. 551, bekannt als die „Jupiter“-Sinfonie. Am 10. August 1788 in Wien vollendet, krönt sie seine letzte Dreiergruppe von Sinfonien mit vier Sätzen und einem gefeierten kontrapunktischen Finale.

Mozart vollendete seine Sinfonie Nr. 41, K.551 (die „Jupiter“-Sinfonie) am 10. August 1788[1]. Es war seine letzte Sinfonie, entstanden unmittelbar nach Nr. 39 und 40 in einem kreativen Schub im Sommer 1788[1]. Mozart lebte damals in Wien, und sowohl seine finanzielle Lage als auch seine Gesundheit waren schlecht. Bis 1788 waren seine Einnahmen stark gesunken, weil sich der Publikumsgeschmack verändert hatte[2]. Auch die Stadt selbst stand unter Druck: Kaiser Joseph II hatte Anfang 1788 einen kostspieligen Krieg gegen die Osmanen begonnen, was Inflation auslöste und die aristokratische Unterstützung für die Künste verringerte[3]. Auch Mozarts Privatleben war belastet. Er und seine Frau Constanze waren gerade in einen günstigeren Vorort (Alsergrund) gezogen, um Geld zu sparen, und ihre vier Monate alte Tochter Theresia starb im Juni 1788[4][5]. Mozart erkrankte in jenem schwülen Sommer[5]; dennoch komponierte er erstaunlicherweise im Sommer 1788 drei vollständige Sinfonien – mit Katalogdaten vom 26. Juni, 25. Juli und 10. August[1][6].

Entstehung und Kontext

Mozart schrieb die „Jupiter“-Sinfonie in Wien ohne äußeren Auftrag. Den Abschluss vermerkte er in seinem Werkverzeichnis am 10. August 1788[1]. Kein Mäzen und kein Impresario hatte neue Sinfonien bestellt – stattdessen nehmen Historiker an, Mozart habe gehofft, diese Werke für Konzerte zu verwenden, die er selbst veranstalten wollte[7]. Tatsächlich zeigt ein Brief aus dem Juni 1788, dass Mozart dringend Geld lieh, um bevorstehende Konzerte im Wiener Casino von St. Stephan zu finanzieren – vermutlich, um dort seine neuesten Werke vorzustellen[6]. Die geplanten Wiener Konzerte sind jedoch nicht zuverlässig belegt. Auch die Behauptung, Mozart habe die „Jupiter“ nie selbst gehört, ist nicht abschließend geklärt: Eine C-Dur-Sinfonie auf seinem Leipziger Programm vom 12. Mai 1789 könnte K. 551 gewesen sein[21][8]. Veröffentlicht wurde sie erst postum, 1793[9]. Auch der berühmte Beiname entstand nach Mozarts Tod: Der deutsche Impresario Johann Peter Salomon (ein Londoner Konzertveranstalter) nannte das Werk „Jupiter“ – eine Anspielung auf den römischen Götterkönig und auf die Grandezza der Sinfonie[10][9].

Besetzung

Die „Jupiter“-Sinfonie ist für ein Orchester der Klassik instrumentiert: eine Flöte, zwei Oboen, zwei Fagotte, zwei Hörner, zwei Trompeten, Pauken und Streicher[11]. (Auffällig ist, dass Mozart hier auf Klarinetten verzichtet, obwohl er sie in seinen späten Orchesterwerken bereits einzusetzen begonnen hatte[12].) Die Bläser verwendet er besonders einfallsreich: Statt die Streicher nur zu verdoppeln, tragen Oboen, Fagotte und Hörner häufig eigenständige Melodien und dekorative Figurationen. Kritiker betonen, das Verhältnis von Bläsern und Streichern sei in dieser Sinfonie „das genialste“, das Mozart je erreicht habe[13]. Das helle Blech (Trompeten und Pauken) unterstreicht die C-Dur-Tonalität und verleiht dem Werk einen festlichen, kraftvollen Klang.

Form und musikalischer Charakter

Die Sinfonie hat vier Sätze im üblichen klassischen Schema schnell–langsam–Menuett–schnell. Sie lauten:

  • I. Allegro vivace (C-Dur): Der Kopfsatz steht in Sonatenform und beginnt mit einem markanten, energiegeladenen Thema. Auffällig sind die einfallsreichen Kontraste und sogar ein Hauch von Humor. Gegen Ende der Exposition zitiert Mozart kurz eine Melodie aus einer seiner Opern: Seine Einlagearie „Un bacio di mano“, K. 541, geschrieben für Anfossis Le gelosie fortunate (1788), taucht unerwartet unmittelbar vor der Wiederholung auf[14]. Dieses Selbstzitat erfüllt keine formale Funktion, verleiht dem Satz jedoch eine spielerische, opernhafte Note. Ansonsten entfaltet sich der Satz ganz typisch mozartisch: mit anmutigen und temperamentvollen Themen, dynamischen Umschwüngen und einer dicht gearbeiteten Durchführung.
  • II. Andante cantabile (F-Dur): Der langsame Satz ist lyrisch und ausdrucksvoll. Er beginnt mit einem schlichten, liedhaften Thema, das fast „unschuldig“ wirkt; allmählich steigert Mozart es jedoch zu Passagen intensiver Dramatik. Ungewöhnlich für 1788 werden die Harmonien hier stellenweise sehr kühn und chromatisch, was die emotionale Spannung erhöht[15]. Die Bläser spielen eine wichtige Rolle: Zarte Holzbläserfiguren umspielen die Streicher und schaffen reichen Kontrapunkt statt bloßer Begleitung[15]. Kritiker beschreiben diesen langsamen Satz als einen der sinnlichsten und emotional vieldeutigsten bei Mozart[16], weil er lyrische Zartheit mit plötzlichen harmonischen Überraschungen ausbalanciert.
  • III. Menuetto: Allegretto – Trio (C-Dur): Der dritte Satz ist ein würdiges Menuett im 3/4-Takt mit kontrastierendem Trio. Mozarts Menuett-Thema ist rhythmisch prägnant und anmutig und ruft den höfischen Tanzstil in Erinnerung. Interessanterweise besitzt dieses Menuett eine versteckte Verbindung zum ersten Satz: Seine Anfangsmelodie ist eine veränderte Gestalt des zweiten Themas aus dem Allegro[17]. (Mit anderen Worten: Mozart erinnert in neuem Zusammenhang subtil an eine frühere Wendung.) Der Trio-Teil, in sanfterem Ton, führt eine neue, wiegende Melodie ein. Dieses Trio-Thema wiederum deutet das Hauptmotiv des Finales voraus[17]. So verknüpft Mozart die Sätze zyklisch durch motivische Bezüge.
  • IV. Molto allegro (C-Dur): Das Finale ist ein brillanter, hochenergetischer Satz. Es beginnt mit einem schlichten viertönigen Motiv (Töne C–D–F–E), rhythmisch im Unisono vorgestellt. Mozart behandelt dieses Motiv wie ein Fugenthema: Anschließend führt er vier weitere Themen ein, und im Verlauf von Durchführung und Reprise kombiniert er sie kontrapunktisch. In der ausgedehnten Coda entfaltet Mozart vollen Kontrapunkt und verwebt schließlich alle fünf Themen miteinander[22] – in einem glanzvollen fünftstimmigen Fugato[18]. Das Ergebnis ist ein Finale als tour de force: ein fugierter Höhepunkt, der meisterhafte Kunstfertigkeit und überschäumenden Drive zeigt. (Ein faszinierendes Detail ist, dass das Vierton-Subjekt selbst nicht von Mozart stammt. Es geht auf den mittelalterlichen Hymnus „Pange lingua“ zurück, den Mozart aus dem Kontrapunktstudium kannte[19]. In der Klassik war dieses Motiv zu einer Lehrbuchfigur des Fugen-Schreibens geworden, und Mozart baute es raffiniert in seine Sinfonie ein.)

Rezeption und Nachwirkung

Eine eindeutig belegte Uraufführung der Sinfonie Nr. 41 ist nicht bekannt; eine Aufführung zu Mozarts Lebzeiten bleibt möglich[21]. Die Orchesterstimmen erschienen 1793 im Druck[9], und obwohl keine definitive Erstaufführung dokumentiert ist, nimmt man an, Salomon habe in London noch vor 1815 eine frühe Aufführung geleitet[9]. Mozart selbst kannte das Werk nie unter dem Namen „Jupiter“ – diese Ehrenbezeichnung wurde später von Salomon und dem Konzertleben vergeben und spiegelt den majestätischen Charakter der Sinfonie[10]. Im Lauf der Zeit gilt die „Jupiter“ weithin als eines von Mozarts größten Meisterwerken und als Gipfelpunkt der klassischen Sinfonik. Wissenschaftler und Interpreten bezeichnen sie häufig als die Krönung des sinfonischen Schaffens im 18. Jahrhundert[20]. Ihre emotionale Spannweite, der erfinderische Kontrapunkt und das brillante Finale haben ihr einen festen Platz im Orchesterrepertoire gesichert. Heute wird die Sinfonie häufig aufgenommen und aufgeführt, und Musiker staunen weiterhin über ihre handwerkliche Meisterschaft und Brillanz. Kurz: Die „Jupiter“-Sinfonie ist ein passender Schlussstein in Mozarts Vermächtnis – ein Werk von außergewöhnlicher Erfindungskraft, das die Klassik überbrückt und die kommende romantische Ausdruckstiefe bereits ahnen lässt[20].

Noten

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Quellen

Sources: Contemporary program notes and musicological studies provide the information above[1][18][20][14][21][10].

[1][7][8][9][11][12][13][15][18][20]Symphony No. 41, “Jupiter” - Mozart — The Cleveland Orchestra

https://www.clevelandorchestra.com/works/symphony-no-41-jupiter---mozart

[2][3][5][6] Music History Monday: Mozart’s “Jupiter” Symphony and the Summer of 1788 | Robert Greenberg | Speaker, Composer, Author, Professor, Historian

https://robertgreenbergmusic.com/music-history-monday-mozarts-jupiter-symphony-and-the-summer-of-1788/

[4][10] Five Things to Know About Mozart's Jupiter - Minnesota Orchestra

https://www.minnesotaorchestra.org/stories/five-things-to-know-about-mozarts-jupiter

[14][16][17][19][21] Symphony guide: Mozart's 41st ('Jupiter') | Classical music | The Guardian

https://www.theguardian.com/music/tomserviceblog/2014/may/27/symphony-guide-mozart-41st-jupiter-tom-service

[21] Mozarteum Foundation, Mozart Week 2026, Vienna Philharmonic III programme, p. 14: lifetime performance evidence.

[22] Los Angeles Philharmonic: Symphony No. 41, Jupiter — finale themes.

Köchel catalogue: KV 551, dated Vienna, 10 August 1788.