„Beim Auszug in das Feld“ (K. 552) — Mozarts patriotisches Lied in A-Dur
by Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Beim Auszug in das Feld (K. 552) ist ein Lied in A‑Dur für Solostimme und Tasteninstrument, das er am 11. August 1788 in Wien in sein Werkverzeichnis eintrug. Entstanden inmitten der anfänglichen Begeisterung für Josephs II. Krieg gegen das Osmanische Reich, zeigt es Mozart, wie er seinen theatralischen Instinkt und seine Gabe für klare Deklamation auf ein ungewöhnlich weit ausgreifendes Strophenlied anwendet.
Hintergrund und Kontext
Im Sommer 1788 – einer von Mozarts erstaunlich produktiven Wiener Phasen – vermerkte er die Vollendung von Beim Auszug in das Feld am 11. August 1788, unmittelbar nachdem er am Vortag die „Jupiter“-Sinfonie (K. 551) eingetragen hatte [1] [2]. Das Lied gehört zu einer kleinen Gruppe von Werken, die auf aktuelle Ereignisse reagieren: patriotische oder martialische Stücke im Zusammenhang mit Kaiser Josephs II. Feldzug gegen das Osmanische Reich (1788–1791) [2]. Auch wenn Mozart heute nicht in erster Linie als Komponist politischer Gelegenheitsmusik erinnert wird, konnte er auf öffentliche Themen schnell und wirkungsvoll antworten – besonders dann, wenn sie anschauliche, geradezu bühnenreife Situationen boten.
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Dass das Werk im Repertoire nur einen bescheidenen Platz einnimmt, lässt sich durch praktische Gründe erklären. Der Text ist lang (und damit auch die Aufführungsdauer), das Stück ist an einen konkreten historischen Moment gebunden, und seine ursprüngliche Verbreitung verlief untypisch: Es erschien in einer kurzlebigen Wiener Zeitschrift, statt als Salon-„Hit“ lanciert zu werden [2]. Doch gerade darin liegt sein Reiz: Man hört Mozart dabei, wie er öffentliche Rhetorik mit dem intimen Maßstab des Lieds ausbalanciert.
Text und Komposition
Das Köchel-Verzeichnis führt das Stück als Lied für Stimme und Klavier (V, clav), in A‑Dur, mit unbekanntem Textdichter; es ist als vollständiges, authentisches Werk überliefert [1]. Das Gedicht umfasst 18 Strophen. Mozart richtet die Musik so ein, dass jede musikalische Strophe zwei Textstrophen aufnimmt; um den ganzen Text vorzutragen, sind also neun Wiederholungen nötig [2].
Die Eingangsstrophe rahmt die Erzählung in offen öffentlichen Begriffen – Loyalität gegenüber dem „hohen Kaiserwort“ –, doch bald weitet sich der Text zu moralischer und theologischer Argumentation: Joseph wird nicht nur als Feldherr gerühmt, sondern als menschenfreundlicher Herrscher, dessen Gerechtigkeit „Juden und Christen“, ja selbst „Türken“ unter einem einzigen Gott umfasst [2]. Diese Mischung aus militarisierter Bildsprache und aufklärerisch gefärbter Moralisierung ist typisch für die habsburgische Öffentlichkeit der späten 1780er Jahre – und sie erklärt mit, warum Mozart das Lied als mehr als nur eine schlichte Marschweise behandeln konnte.
Musikalischer Charakter
Als Lied ist Beim Auszug in das Feld auf Klarheit und Einprägsamkeit angelegt: ein Strophenbau, der wiederholtes Vortragen trägt, während die Gesangslinie zugleich direkt und rhetorisch nachdrücklich bleibt. Der Klavierpart ist weniger eine virtuose Begleitung als ein disziplinierter Partner der Darstellung – er stützt die Deklamation, markiert die Phrasenstruktur und hilft dabei, dass jede Strophe mit einem Gefühl von Kadenz und Abschluss „sitzt“.
Unverwechselbar innerhalb von Mozarts Liedschaffen ist vor allem der Umfang des Ausdrucks: nicht die nach innen gewendete Lyrik von Das Veilchen (K. 476) und auch nicht die konzentrierte, spätstilistische Schlichtheit der Lieder von 1791, sondern ein „öffentliches“ Lied, das dennoch auf kammermusikalische Mittel setzt. Dieser Kontrast ist aufschlussreich. 1788 konnte Mozart für den Konzertsaal den gelehrtesten symphonischen Kontrapunkt schreiben und – fast gleichzeitig – ein häusliches, gut singbares Vehikel für bürgerliches Empfinden gestalten. Heute gehört das Lied, in der Regel mit exemplarisch ausgewählten Strophen, wie es Aufführende häufig handhaben, zu jenen Stücken, die als Dokument von Mozarts Wien Aufmerksamkeit verdienen: aktuell, pragmatisch und musikalisch zielgerichtet – und ein Beispiel dafür, wie seine Vokalsprache nicht nur Drama und Andacht, sondern auch die Rhetorik des öffentlichen Lebens bedienen konnte.
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[1] Köchel-Verzeichnis (International Mozarteum Foundation): work entry with dating (Vienna, 11 Aug 1788), key, authenticity, and instrumentation (V, clav).
[2] Wikipedia: overview article with historical context (Joseph II’s war), publication note, and stanza structure (18 stanzas; music repeated to cover text).







